Sonderausstellung „Farbrausch“ im Museum am Gradierwerk

Jana Henn
Museumsleiterin Ulrike Rönnecke und Sammlerin Birgit Schwertling vor ihrem Lieblingsbild von Tobias Nicklitzsch „Dresden“. Foto:  

Von Birgit Schwertling gesammelte Bilder tauchen den Sonderausstellungsraum im Bad Salzunger Museum am Gradierwerk in bunte Farben. Zu sehen sind Werke verschiedener Künstler.

Endlich findet wieder eine Kunstausstellung im Museum am Gradierwerk statt. Und es gab eine Ausstellungseröffnung, wie sie seit der Corona-Pandemie nicht mehr möglich war.

Birgit Schwertling stellt einige von ihr gesammelte Bilder aus. Gemeinsam ist den Werken, dass sie Elemente der Kunstrichtungen des Impressionismus und des Expressionismus aufgreifen. Diese Stilrichtungen haben im ausgehenden 19. Jahrhundert ihren Ursprung. Die gezeigten Werke sind alle später entstanden. Sie reichen von den 1950er Jahren bis in das Jahr 2020. Dennoch sind klar die Stilmittel des Impressionismus und des Expressionismus erkennbar. Es handelt sich durchweg nicht um abstrakte, sondern um gegenständliche Darstellungen. Vorlage für die Bilder waren Landschaften und Architektur. Zu sehen sind in den Darstellungen unter anderem die Lofoten, die französische Mittelmeerküste, Paris, Dresden, Venedig, Alt Basel und die Costa Brava. Die Künstler stammen unter anderem aus Deutschland, der Ukraine, Schweden und Frankreich.

In der Ausstellung wird sichtbar, dass die Künstler kein naturalistisches Abbild auf die Leinwand bringen wollten, sondern auch ihre Empfindungen. Das wird deutlich beispielsweise beim Bild von Tobias Nicklitzsch, welches die Elbphilharmonie in Hamburg im Bau zeigt. Seine ganz persönlichen Empfindungen tanzen als Lichtpunkte auf dem Wasser. Im Gegensatz dazu stehen die Motive, die an den Expressionismus angelehnt sind und mit wenigen Farbelementen flächenhaft umgesetzt wurden. Ein Beispiel dafür ist das Bild von Franz Ehmke „Haus am See“. Noch viel mehr Bilder standen für die Ausstellung zur Verfügung.

Museumsleiterin Ulrike Rönnecke betonte aber, dass diese Bilder auch „atmen“ müssen. Deshalb ist die Zahl der Bilder auch beschränkt. Und gerade deswegen hat jedes einzelne die Möglichkeit, seine unglaubliche Wirkung zu entfalten.

Gesammelt hat all diese Bilder Birgit Schwertling. Sie entdeckte die Liebe zur Kunst durch ihren Großvater, der als Tischler in Bad Salzungen bekannt war. Von ihm bekam sie Radierungen geschenkt. Später sammelte sie in einem Album aus den 1930er Jahren Zigaretten-Bilder. So entstand ihre Liebe zu Impressionisten wie Monet, Degas, Renoir und Cezanne, aber auch zu den Expressionisten wie Franz Marc, Edvard Munch, Paul Gauguin, Ludwig Kirchner und van Gogh. Im Studium hat sich Birgit Schwertling später Kunstbücher-Bildbände gekauft und wurde auch auf Flohmärkten, bei Haushaltsauflösungen oder im Antikhandel fündig. „Wenn das Budget passte und das Motiv berührte, dann hat Frau Schwertling dieses Bild erstanden“, verrät Ulrike Rönnecke zur Eröffnung. 2011 hat sie sich dann selbst an die Malerei gewagt. Zwischenzeitlich konnte sie ihre Kunst in diversen Ausstellungen zeigen. Auch ein selbstgestaltetes und geschriebenes Kinderbuch gehört zu ihren Werken. Darüber hinaus sammelte sie auch weiterhin Kunstwerke. Das Haus wurde langsam zur Galerie. Sommer- und Winterbilder wechselten im Jahreskreis. Die Räume der Zahnarztpraxis dienten als Ausstellungsfläche. Nun ist ein kleiner Teil der gesammelten Werke also im Museum am Gradierwerk zu sehen.

Eine besondere Beziehung hat sie zum Künstler Tobias Nicklitzsch. Zum einen verbindet sie eine persönliche Bekanntschaft mit ihm. Ihr Lieblingsbild ist sein Kunstwerk mit dem Titel „Dresden“. Es wurde 2010 in Öl gemalt und trägt auf der Rückseite eine persönliche Widmung. Eine lange Zeit hat es in ihrer Zahnarztpraxis im Röntgenraum gehangen. Faszinierend ist für Birgit Schwertling, wie viel Farbe der Künstler auf dieses Bild aufgetragen hat, sodass es fast plastisch erscheint. Und sie betont: „Er ist mit Abstand mein Lieblingskünstler.“

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung von Siegrun Hoffmann. Sie spielte am Keyboard berührende Werke vom Schweizer David Prüss und vom amerikanischen Komponisten Edward Alexander MacDowell. Dieser hatte ein Gedicht von Heinrich Heine in Musik umgesetzt.

Die Ausstellung „Farbrausch“ kann zu Öffnungszeiten des Museums am Gradierwerk besichtigt werden: täglich 10 bis 17 Uhr.

 

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