Schmalkalden - Die Weidebrunner Vorstadt war einst die größte und reichste der drei Schmalkalder Vorstädte. Hier hatten sich vor allem im 16./17. Jahrhundert zahlreiche Eisenhandwerker niedergelassen und eigene Werkstätten errichtet. Die zwei großen Produktionsstandorte Salzbrücke und Schmiedhof waren offenbar zu eng geworden, sodass die Handwerker vor die Tore der Stadt zogen. Paul Zalewski, der in den 1990er Jahren Stadtgefüge und die Baukonstruktionen der Fachwerkstadt erforschte, schreibt in seiner Publikation "Baugeschichte einer Handwerkerstadt" von einem Gewerbeviertel, das im Nordosten der Stadt entstand und ein wesentliches Element in der Entwicklung Schmalkaldens war.
Die durch die Weidebrunner Vorstadt führende regionale Handelsstraße, mit dem Abzweig zur "Hohen Straße", garantierte zudem einen guten Absatz für die fertig gestellten Eisenwaren. In ihrem 1993 erschienenen Buch "Schmalkalden wie es früher einmal war" zitieren die beiden Autorinnen Ilke Handy und Bärbel Bierstädt aus einer "Landesurkunde von Kurhessen" aus dem Jahre 1840: "Die größte und bemerkenswerteste Vorstadt Schmalkaldens ist das Weidebrunner Tor - die ewig tönende und sprühende Werkstatt zahlreicher Eisenarbeiter, wo die meisten Häuser nur klein, jedes mit einer Schmiede im Erdgeschoss, aber alle freundlich gehalten ...". Kaum zu glauben, dass die schmalen Häuser am Weidebrunner Tor, die nach einem Brand 1747 neu erbaut worden sind, ein gewerbliches Zentrum der Schmalkalder Eisenarbeiter war. Alte Fotos aus dem 19. Jahrhundert zeigen ein sauberes Stadtquartier, durchzogen von einem Kunstgraben, dessen Rand eine Baumreihe mit Rotdorn ziert.
Schmalkalden Quartier zusammenhalten
Von Susann Schönewald 04.03.2014 - 00:00 Uhr