Schmalkalden - "Winter ha! Ob deiner Grimme, deiner Stimme, bebt Palast und Halmendach; Greis im grauen Nebelkleide! Wald und Heide zittert deinem Fußtritt nach." Diese Verse stammen von der Lyrikerin Arnoldine Wolf. Sie erschienen 1817 unter dem Titel "Im Winter" im Gedichteband "Mit dem Leben und einer merkwürdigen Krankheitsgeschichte derselben". Die Schmalkalderin Arnoldine Wolf wurde vor 250 Jahren, am 21. Januar 1769, als Arnoldine Charlotte Henriette Weissel in Kassel geboren. Ihr Vater Johann Karl Alexander Weissel war Prokurator, ein kurhessischer Verwaltungsbeamter, und später als Syndikus, einem Rechtsgelehrten gleich, an der Universität in Marburg tätig. Er starb früh, als Tochter Arnoldine gerade vier Jahre alt war. Die verwitwete 23-jährige Mutter versuchte nun, wie Arnoldine Wolf im Vorwort ihrer Gedichtesammlung erzählt, ihre vier Kinder allein aufzuziehen. Das jüngste von ihnen war zehn Monate alt. Zeit zum Schreiben habe die Mutter, die "aus gutbürgerlichem Hause" stammte, nicht mehr gefunden. Sie heiratete auch nicht erneut. Dafür legte sie ihrer Tochter Arnoldine die Liebe zur Literatur in die Wiege und ließ ihr trotz gewisser Nöte eine gute Erziehung zukommen. Arnoldine Wolf machte früh Fortschritte in der französischen Sprache, zeichnete gern und war gut "in den feinen weiblichen Arbeiten". Mit zwölf Jahren genoss sie eine Zeitlang die pädagogische Obhut von Erzieherin Friederike Bode, die ebenfalls ihr Interesse an Büchern gefördert habe. Den Lebensunterhalt der Familie bestritt die Witwe Wolf mithilfe der Zinsen des Vermögens ihres Mannes, schrieb ihre Tochter als Erwachsene im Jahre 1817.