Schmalkalden Keine Angst vor toten Tieren

Annett Recknagel

Im Rahmen ihrer Sommertour 2022 #Stadt.Land.Zukunft informierte sich Ministerin Susanna Karawanskij bei Thüringer Landstolz in Schmalkalden.

Overalls, Schuh- und Kopfschutz waren schnell übergezogen. Noch hurtig die Hände desinfizieren und ab ging es in die Produktion. Susanna Karawanskij, Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, war gespannt. Kevin Holland-Moritz als Geschäftsführer von Thüringer Landstolz und sein Vater Thomas führten ihr Team und sie durch das gesamte Unternehmen. Vorbei an Würsten über Würsten. Lyoner, Blutwurst, Knackwurst, Gehacktes natürlich und auch Bratwurst. Die Gäste konnten den Mitarbeitern direkt über die Schulter schauen und sich ein detailliertes Bild von der laufenden Produktion machen. Selbst beim Zerlegen von frisch geschlachteten Schweinen durfte die Ministerin zuschauen.

Nach dem Rundgang bezeichnete sie den Termin bei Thüringer Landstolz als einen sehr beeindruckenden in ihrer Sommertour 2022. Der neunte Tag hatte sie mit dem Thema Lebensmittelindustrie und Tierwohl nach Schmalkalden geführt. Sie wolle verschiedene Unternehmen und Projekte kennenlernen, vor Ort sein und den Austausch in der Region pflegen, umschrieb sie ihr Anliegen. Dabei sei die Themenpalette sehr vielfältig.

Kevin Holland-Moritz lenkte die Aufmerksamkeit der Ministerin sofort auf das Alleinstellungsmerkmal von Thüringer Landstolz – die Regionalität. Gekoppelt sei das mir Tierwohl und Qualität. Während des einstündigen Gespräches in der Firma kam er immer wieder auf diese drei Punkte zurück und wies darauf hin, dass Thüringer Landstolz als regionaler Partner für den Handel verfügbar sei. Aktuell betreibe man 34 Filialen und beliefere über den Handel verschiedene Ketten wie Edeka oder Rewe. Dass sich die Regionalität langfristig durchsetzen werde, davon ist Holland-Moritz überzeugt. Momentan habe die Kaufkraft gelitten, der Hang der Kunden zum Discounter sei zu verzeichnen. Wie lange das anhalte, werde sich zeigen.

In der Schmalkalder Firma arbeiteten etliche langjährige Kräfte, für die man, wenn sie in den Ruhestand gingen, schwerlich Ersatz finden werde. Das Unternehmen sehe sich bereits auf den ausländischen Arbeitsmarkt um und beschäftigt auch bereits vietnamesische Mitarbeiter. Schwierig aber sei es, diese Personengruppe hier zuhalten. Ebenso herausfordernd sei die Nachwuchsgewinnung. Im August würden acht junge Vietnamesen ihre Ausbildung aufnehmen. Dies sei erfreulich. Man habe eine entsprechende Willkommenskultur gefunden, trotzdem aber würden andere Lösungsansätze gebraucht. „Der Zuzug aus Vietnam ist nur ein kleiner Baustein“, sagte Holland-Moritz. Was benötigt würde, sei ein kontrollierter Zuzug aus Drittländern. So gelte es über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz eine Struktur zu finden, wie ein Beschäftigungsnachweis in Drittländern ermöglicht werde, um hier die Prozesse aufrecht erhalten zu können. Derzeit beschäftigt Thüringer Landstolz 340 Mitarbeiter. Freilich versuche man Jahr für Jahr Auszubildende zu gewinnen, sei in Schulen unterwegs, auf Berufsmessen, in den sozialen Medien. Leider aber nur mit mehr oder weniger großem Erfolg.

In Sachen Preiserhöhung sprach Holland-Moritz unter anderem die Kaufkraft an. Seine Ansicht nach seien die Lebensmittelpreise in den nächsten Jahren mit denen vor Corona nicht mehr vergleichbar. Hier sei die Politik in der Verantwortung, die Kaufkraft zu verbessern. Dies müsse man über eine Steuerentlastung versuchen. Und auch die Rentner dürfe man diesbezüglich nicht vergessen. „Ein Drittel unserer Kunden sind Rentner. Es tut uns weh, wenn sie die Kaufkraft nicht mehr haben, die sie mal hatten“, so Holland-Moritz.

Der hauseigene Schlachthof war ein weiteres Thema. Pro Woche werden dort 800 Schweine, darunter 240 Strohschweine geschlachtet. Auch dies zeige die Regionalität. Künftig gelte es, die Strohschweinproduktion noch mehr zu vermarkten. Nicht zuletzt wegen der Verbesserung der Tierwohlsituation. Zudem will man auf höhere Schlachtgewichte setzen, um die Fleischqualität zu verbessern. Mit dem Strohschwein-Projekt versucht Thüringer Landstolz jetzt zunehmend in die Gastronomie hineinzukommen. In Biomärkten sei mit der Marke Biowurst bereits vertreten. Fest aber steht für Holland-Moritz: Die veränderten Rahmenbedingungen kann man nur durch Qualität ausgleichen. „Und das geht beim Tierwohl los und setzt sich beim Wurstverkauf in den Filialen fort“, sagt er. Am Ende zahle der Kunde die Löhne. Die Ministerin hatte die Ausführungen des Geschäftsführers sehr genau verfolgt. „Wir sind als Landwirtschaftsministerium an ihrer Seite“, sagte sie und bedankte sich für die Einblick in die Firma und für die Offenheit vor Ort. „Wir haben dicke Bretter zu bohren“, betonte sie am Ende des Besuches.

 

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