Schmalkalden Erstmals Streik bei Vita Cola

Bereits kurz nach Beginn des Warnstreiks am Dienstagmittag war das Waldquell-Werkstor dicht. Getränkelaster stauten sich oder fuhren unverrichteter Dinge davon. Foto: Sascha Willms

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte traten Beschäftigte der Thüringer Waldquell GmbH am Dienstag in einen Warnstreik. Die Stimmung ist kämpferisch, die Geduld der Mitarbeiter am Ende.

 
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Für sie als Nach-Wende-Geborene sei es völlig unverständlich, dass es 34 Jahre nach der Wende immer noch einen Lohnunterschied zwischen Ost und West gebe, sagte die DGB-Kreisvorsitzende, Lara Albert, in ihrem Grußwort und nicht nur die jüngeren Waldquellmitarbeiter nickten.

„Die Beschäftigten sind zu Recht sauer. 34 Jahre nach der Wende sollen die Beschäftigten noch immer weniger verdienen, als ihre Kollegen im hessischen Bad Vilbel,“ begründet der Regionsgeschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Region Thüringen, Jens Löbel. „Vita ist die Nummer 1 in Thüringen und die Beschäftigten sollen auch bezahlt werden, wie die Nummer “, unterstreicht Löbel die Forderungen. Seit Jahren kämpfen die Beschäftigten für die Angleichung der Löhne an das Mutterhaus in Bad Vilbel. Doch in der zweiten Verhandlungsrunde, am 28. April, sahen sich die Arbeitgeber erneut nicht in der Lage, die schon versprochene Angleichung zu vereinbaren, sagte Jörg Grabow, Betriebsratsvorsitzender in Schmalkalden.

Umso mehr freute er sich über die rund 60 Mitarbeiter, die aus allen Abteilungen am mehrstündigen Warnstreik teilnahmen. „Produktion, Lager, Warenannahme, Labore und Verwaltung – der Betrieb steht still. Sogar Kollegen aus der Nachtschicht sind gekommen“, sagte Grabow, während sich am Mittag die ersten Lkw vor dem Werksgelände stauten. Auch einige Fahrer bekundeten mit lauten Lufthupen ihre Sympathie.

Die Unzufriedenheit unter der Belegschaft hatte sich zuletzt noch einmal gesteigert, die Kritik ist deutlich: Die Hassia-Tochter in Schmalkalden verdiene das Geld für den Stammsitz in Hessen mit, war zu hören. Gleichzeitig erhalten die Schmalkalder nicht nur weniger Lohn, als die Hessen, sie haben auch die längere Wochenarbeitszeit. Was das Brausefass letztlich zum Überlaufen brachte, war die Entscheidung der Geschäftsführung, den Schmalkaldern 1000 Euro weniger Inflationsausgleich zu zahlen, als den Westkollegen. Eine Zwei-Klassen-Firmenpolitik, die die Thüringer nicht mehr tolerieren wollen.

„Die Inflation ist in Thüringen genauso hoch, wie in Hessen. Die Kolleginnen und Kollegen stehen voll hinter ihrem Produkt. Jahr für Jahr werden bei der Waldquell Absatzrekorde gefahren, aber von einer Angleichung der Löhne fehlt jede Spur,“ zitiert Jens Löbel einen Kollegen von Vita Cola. Laut Medienberichten wurden unter den Marken Thüringer Waldquell, Rennsteig und Vita Cola im Jahr 2022 insgesamt 123,7 Millionen Liter Erfrischungsgetränke verkauft. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit bleibt das Unternehmen der Markenmarktführer bei alkoholfreien Getränken im Freistaat. Die Thüringer Waldquell Schmalkalden ist eine Tochter der Hassia-Gruppe, einem Familienunternehmen mit Sitz in Bad Vilbel. In Schmalkalden arbeiten rund 150 Beschäftigte, inklusive sechs Azubis.

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