Schanzensanierung Pilotprojekt strahlt weit über das Haseltal

Mit einer steifen Brise im Genick zogen Ski-Club-Mitglieder am Donnerstag die neuen Matten auf die K-30-Schanze im Haseltal. Für den Verein ist die Sanierung ein Kraftakt – bald ist er geschafft.

Steinbach-Hallenberg - Eigentlich sollten die Arbeiten an der Schanzenanlage im Steinbach-Hallenberger Naherholungsgebiet längst beendet sein, doch als die K-17-Schanze, die kleinere der beiden, fertig war, kam die Pandemie und mit ihr Zwangspause und Lieferverzögerungen.

Gemessen an anderen Großprojekten muss sich der Ski-Club dennoch nicht verstecken. Baubeginn war 2016, da ging Vereinsvize und Bauleiter Wolfram König gerade in den Ruhestand. Wenn er heute grob überschlägt, habe der Verein seitdem mehr als 270 000 Euro verbaut. Fördermittel, Sponsorengelder, Privatspenden – die ehrenamtlichen Stunden noch nicht eingerechnet. Auch zum Mattenauflegen am stürmischen Donnerstag kann er sich auf seine Leute verlassen, zu lange war der Termin mit dem Chemnitzer Hersteller schon geplant. Mitarbeiter Felix Neubert musste das Lenkrad auf der Hinfahrt zwar arg festhalten, aber die schweren Matten hielten den Kleinbus in der Spur.

In der Spur sollen künftig auch die jungen Skispringer bleiben. „Das ist die vierte und neueste Generation der Sprungmatten“, sagt König. Die Anlage sei Neuland und Testzone. Mit den Erfahrungen, die die Herstellerfirma hier sammelt, will sie in Zukunft auf dem Weltmarkt mitspielen. Die neuen Matten seien weicher, die Bahnen länger, was das Auflegen erleichtert, und es brauche keine Schneefangnetze mehr. Im Geflecht der Tausenden neuartigen Schlaufen verfängt sich das mitunter selten gewordene Weiß von alleine. Nötig sei es aber nicht. „Wir können immer springen, 365 Tage im Jahr“, sagt König. Gesandte des Deutschen Skiverbands waren auch schon da, um zu schauen, ob die Pilotanlage bundesweit Schule machen könnte.

Selbst Anfänger haben sich auf den neuen Matten vom ersten Sprung an wohler gefühlt, als auf dem grünen Vorgänger, freuen sich auch Knut Klinzing und Manfred Wolf, ohne die auf den Schanzen nichts geht. Klinzing war hauptamtlicher Landestrainer Skisprung, ist mittlerweile ebenfalls im ehrenamtlichen Unruhestand und der Schanzenexperte im Ski-Club. Wolf, der Skiflug-Weltrekordler von Planica 1969, trainiert seit seinem 70. Geburtstag wieder ehrenamtlich im Club und gibt den Kindern das Gefühl für den Ski.

Das Auflegen am Donnerstag klappte wie am Schnürchen und das zog, auf dem Schanzentisch stehend, Norman Arnold mit einer Seilwinde nach oben. Auch die Konstruktion unter ihm ist, wie der ganze Anlauf, neu und aus langlebigerem skandinavischem Holz. Ganz oben haben die zwei Mitarbeiter der Steinbach-Hallenberger Inhaus GmbH einen luftigen Arbeitsplatz. Sie schrauben die letzten Bretter fest. Nächste Woche soll die Anlaufschiene aus Edelstahl folgen, dann ist das Mammutprojekt fertig – eine Anlage mit Trainingsbedingungen, die weit und breit ihresgleichen suchen können. Nur wer den ersten Sprung macht, sei noch nicht ausgemacht.

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