Rennsteig: Das Wetter fährt eine wilde Achterbahn

Ein März wie ein April: volle Achterbahn. Von maritimer Polarluft bis subtropischer Warmluft war alles dabei, berichtet die Wetterwarte in Neuhaus am Rennsteig.

Neuhaus am Rennweg - Begonnen hatte der März sehr sonnig und mit frühlingshaften 13 Grad, und dem ersten Aufreger – Schwefelsäure am Himmel. Ja, im Ernst – es war wieder mal Saharastaub in der Atmosphäre über uns unterwegs, farbenprächtige Sonnenauf- und untergänge waren die Folge. Aber nein, Staub wäre viel zu simpel, für manch einen muss es einfach Schwefelsäure sein was da auf uns herabgelassen wurde, warum auch immer.

Es ergibt dann meist keinen Sinn solche Anfragen, meist nicht sehr nett formuliert, überhaupt noch beantworten zu wollen. Es wird ja nicht mal zur Kenntnis genommen dass Schwefelsäure eigentlich farblos ist, na ja. Erinnern wir uns bitte an den 7. Februar, Sonntagmorgen, da lag das Corpus Delicti pastellfarben einfach auf der Schneedecke. Am 4. und 5. März die ersten Tage mit Aprilwetter, ein wenig Neuschnee, die Temperatur ging mit minus 7 Grad wieder deutlich unter den Gefrierpunkt. Der Weltfrauentag unverdienterweise der erste Tag im Monat ohne jeglichen Sonnenstrahl, und zugleich der erste von fünf Eistagen, Tief Harald der Schuldige.

Es folgte eine recht trübe Woche, hin und wieder leichte Schnee-, Regen – und Graupelschauer. Zu Beginn der zweiten Dekade stellte sich eine mittlerweile recht seltene Wetterlage ein – eine stramme, zyklonale Westströmung, Garant für wieder einmal richtig Wetter. Vom 11. bis zum 14. März 36 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, knapp 60 Prozent der gesamten Monatssumme.

Klaus bringt Wind

Dazu am 11. und 13. März, Tief Klaus war am Ruder, zwei Tage mit Böen der Windstärke 9, Windstärke 8 ist ja die Schwelle welche ein Versicherungsnehmer zu überwinden hat, um einen durch bewegte Luft verursachten Versicherungsschaden ersetzt zu bekommen. Die Westlage war stramm, hielt aber nicht lang. Sofort nach Abzug von Tief Klaus macht sich Hoch Margarethe über den Britischen Inseln breit, die Strömung drehte auf ihrer Vorderseite auf Nord, maritime Polarluft war die bestimmende Luftmasse der nächsten Tage, feucht und wolkenreich, wenig Sonne.

Margarethe regierte vom 15. bis zum 25. März, ein markantes Ereignis war ein Kaltluftropfen, welcher am 19. März über Deutschland zog und verbreitet für kräftige Schnee- und Graupelschauer sorgte. Knapp 10 Zentimeter Neuschnee hier oben auf dem Bornhügel, nochmals eine geschlossene Schneedecke von im Mittel 37 Zentimetern (Monatsmaximum), Langlauf war augenscheinlich wieder möglich.

Der darauffolgende Samstag (Frühlingsanfang!) der kälteste Tag des Monats, eine Tagesmitteltemperatur von minus 5,9 Grad, am Morgen ein Minimum von minus 9,1 Grad. Margarethe war zwar bis zum 25. präsent, ab dem 23. begann sie sich aber langsam Richtung Osten abzusetzen und wir bekamen es mit ihrer deutlich wärmeren Rückseite zu tun.

Tristesse ade, viel Sonnenschein, und am 25. März gab es dann auch wieder einmal zweistellige Temperaturwerte, zuletzt war dies am 3. des Monats der Fall gewesen. Bis zum 24. lag die Temperaturabweichung des März bei exakt plus/minus Null, erst die letzten Tage verursachten ein leichtes Plus.

Frühsommer

Bevor allerdings der Frühsommer losbrach am Samstag dem 27. noch einmal Aprilwetter vom feinsten, Kaltluftschauer mit Schnee und Reifgraupel (5 Zentimeter Neuschnee- und graupel) und vereinzelten Entladungen, ein sehr fotogener Tag.

An den drei letzten Monatstagen dann frühsommerliche Stimmung, am 30. und 31. März jeweils neue Tagesrekorde beim Maximum der Lufttemperatur (18,2 und 18,6 Grad) sowie dem höchsten Minimum (6,3 und 8,9 Grad).

Eigentlich könnte man sie als neue Monatsrekorde titulieren, denn seit Bestehen der Wetterstation gab es keinen wärmeren Märztage in Neuhaus. Nur am 24. März 1977 gab es ein Maximum von 19,5 Grad, gemessen an der deutlich tiefer gelegenen Messstelle am Neuhäuser Apelsberg.

Durch diese sehr warmen letzten Tage im März erhöhte sich die Monatsmitteltemperatur noch auf 1,5 Grad – eine positive Abweichung von 1,8 Grad gegenüber dem Klimamittel. Ein deutliches Plus beim Sonnenschein – 139 Stunden bedeuten eine Zugabe von 40 Prozent, an nur vier Tagen war es durchweg trüb, an neun Tagen schien sie länger als 10 Stunden. Was an Sonne zu viel war fehlte beim Niederschlag, nur 63 Liter pro Quadratmeter, ein Minus von 32 Prozent.

Ausblick auf den April: Die Achterbahn geht weiter, und zunächst nach unten.

Weitere Klimawerte

n Frosttage 24 (20),

n Eistage 5 (7),

n relative Luftfeuchte 78 Prozent (85),

n Bedeckungsgrad 91 Prozent (78),

n Tage mit Nebel    oder Nebeltreiben 10 (20),

n mit Böen Windstärke sechs 11 (16),

n  der Stärke acht 3 (4).

(in Klammern die langjährigen Mittel)

 

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