Projekt Orange Täterarbeit als Opferschutz

Caroline Berthot
Erneute häusliche Gewalt verhindern will das Projekt Orange. Foto: dpa

Indem mit Tätern häuslicher Gewalt gearbeitet wird, versucht das Projekt Orange neue Gewalt zu verhindern. Das Projekt, das auch ein Büro in Suhl hat, wurde jüngst im Sozialausschuss vorgestellt.

Aller guten Dinge sind drei und so war es auch mit der Vorstellung des Projekts Orange im Sozialausschuss. Zweimal musste der Tagesordnungspunkt ausfallen, beim dritten Mal nun klappte es und Sandro Kochinke vom Verein Bewährungs- und Straffälligenhilfe (BSH) Thüringen sprach im Ausschuss über das Projekt, das mit Täterarbeit erneute Partnerschaftsgewalt verhindern will.

Vor sieben Jahren wurde Projekt Orange ins Leben gerufen. Es richtet sich an Erwachsene, Männer wie Frauen, die gegenüber ihrem Partner oder Ex-Partner gewalttätig geworden sind. Thüringenweit gibt es vier Projektstandorte, die an die Amtsgerichtsbezirke geknüpft sind – Erfurt, Gera, Mühlhausen und Meiningen. Letzterer ist seit vier Jahren aktiv und wird mittlerweile von einem Büro in Suhl aus betreut.

Verschiedene Wege ins Trainingsprogramm

In dem Projekt arbeitet ein Team aus Sozialpädagogen, -arbeitern und -wissenschaftlern, die alle über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügen, mit den Tätern häuslicher Gewalt zusammen. Diese gelangen auf unterschiedlichen Wegen zu dem Verein. Entweder als Selbstmelder, über Netzwerke zu häuslicher Gewalt, über das Jugendamt, weil auch Kinder betroffen sind, oder über die Justiz. „Der beste Weg wäre, wenn eine Meldung direkt mit dem Polizeieinsatz erfolgen würde“, sagte Sandro Kochinke. Dies sei in Thüringen aus datenschutzrechtlichen Gründen aber nicht möglich. Derzeit werde mit einem Formblatt gearbeitet, auf dem die Täter zustimmen müssen, dass sie an den BSH Thüringen gemeldet werden.

„Es ist wichtig, gute Kontakte in Netzwerken zu pflegen, damit die Täter schnell zu uns kommen“, machte Sandro Kochinke deutlich. Er und seine Kollegen führen zunächst fünf bis sechs Einzelgespräche mit den Männern und Frauen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Und um zu prüfen, ob die Täter geeignet sind für das sich anschließende Gruppentraining mit rund 20 Sitzungen. Das Training ist, außer es wurde vom Gericht als Auflage angeordnet, freiwillig. „Es gibt keine Kontrollmöglichkeiten, keinen Zwang“, erklärte er. Die Täter müssen also mitmachen.

Ziel: Den Gewaltkreislauf durchbrechen

In dem Trainingsprogramm gehe es nicht um Schuld, betonte Sandro Kochinke. „Es geht um Verantwortung.“ Diese für die eigene Tat zu übernehmen, darin bestärke man die Teilnehmer von Projekt Orange. Zugleich zeige man ihnen auf, dass man sich auch anders verhalten könne, als gewalttätig zu werden. „Wir entwickeln im Training neue Handlungs- und Konfliktlösungsstrategien, erstellen einen Notfallplan, sodass die Teilnehmer wissen, wohin sie gehen können, damit die Situation zuhause nicht eskaliert.“

Wichtig sei klarzumachen, dass es um den Umgang mit der Situation gehe, nicht mit der Person. „Egal, was der Partner sagt oder tut, gilt es gewaltfrei zu reagieren“, führte Sandro Kochinke aus. Der Gewaltkreislauf müsse durchbrochen werden. Dabei unterstützt das Projekt Orange die Teilnehmer, auch indem es die Kommunikation in der Partnerschaft in den Blick nimmt. Es gehe darum, Gefühle zu thematisieren, auszusprechen, was einen gerade stört oder was man braucht. Dadurch könne manche Situation entschärft werden, die sonst vielleicht in Gewalt geendet hätte, sagte Sandro Kochinke und nannte auch das Thema Opferempathie als Teil des Trainingsprogramms. Mit der Täterarbeit, die erneute Gewalt verhindern soll, leistet Projekt Orange auch einen Beitrag zu Prävention und Opferschutz.

Büro in Suhl zuständig für ganz Südthüringen

Das für den Amtsgerichtsbezirk Meiningen zuständige Büro von Projekt Orange ist in der Würzburger Straße 3 in Suhl zu finden. Telefonisch ist es erreichbar unter Tel. (0 36 81) 8 76 96 60 oder per Mail an meiningen@orange-thueringen.de. Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf der Homepage des Vereins BSH Thüringen: www.straffaelligenhilfe-thueringen.de

 

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