Posaunenchorseminar Weihnachtliche Klänge aus dem Autohaus

Mit so viel Zuspruch hatte niemand gerechnet zum aktuellen Posaunenchorseminar. Das fand im besonderen Ambiente und mit tollen Klang im Autohaus Kaspar statt.

Etwas war anders. Nicht nur, dass trotz der Jahreszeit alle Parkflächen des Freibades Einsiedel in Zella-Mehlis mit Fahrzeugen belegt waren, die laut der Nummernschilder aus dem Umkreis stammten, es lag auch etwas in der Luft. Mit jedem Schritt näher Richtung Autohaus Kaspar wurde auch deutlich, was: Musik. Und was für welche. Beim Öffnen der großen Glastüren umhüllte sie jeden sofort in eine Stimmung, die Anfang November noch untypisch ist, in eine weihnachtliche. Die kraftvolle Musik der Bläser, die jedem entgegenschmetterte, der das Autohaus betrat, öffnete die Herzen und zauberte erst einen erstaunten Ausdruck, dann ein Lächeln ins Gesicht. Auch Jens Gerbig vom Handballverein in Zella-Mehlis, der sich Transporter ausgeliehen hatte. „Ich finde das klasse. So empfangen zu werden, das hat was. Und für die Mitarbeiter im Haus ist es ein Arbeitstag unter besonderen Umständen“, lachte er. Besonders wenn das Telefon klingelte, Kunden ihre Anliegen geklärt haben wollten. Denn mit musikalischer Begleitung passiert das doch eher selten.

Und diese hatte mit der Durchführung des Posaunenchorseminars einen ganz besonderen Grund, an dem fast 50 Bläserinnen und Bläser aus ganz Thüringen teilnahmen. Der gastgebende Zella-Mehliser Posaunenchor plante die Veranstaltung ursprünglich im Gemeindehaus. In der Kirche ist es dafür zu kalt. Anfangs rechnete man hier mit rund 25 Teilnehmern. Es wurden mehr, sehr viel mehr. Ein Zufall brachte die glückliche Fügung, als Landesposaunenwart Matthias Schmeiß, zugleich Leiter des Seminars, sein Auto zur Wartung ins Autohaus Kaspar brachte. Mit Senior-Chef Peter Kaspar im Gespräch, war auch die Rede von der Veranstaltung mit dem großen Zuspruch, der auf der einen Seite sehr erfreulich war, auf der anderen jedoch vor logistische Herausforderungen stellte. Das Gemeindehaus wurde dafür schlicht zu klein.

„Dann findet es eben einfach bei uns statt“, entschied Peter Kaspar spontan. Seit 1976 bläst er Posaune. Vom Klang, der am vergangenen Samstag das Haus erfüllte, zeigte auch er sich begeistert. „Wenn ich übe, dann auch sehr gerne hier“, verrät er. Doch mit fast 50 Musikerkollegen um ihn herum, bekommt das alles eine völlig andere Dimension. Peter Kaspar ist froh über die Möglichkeit, gemeinsam die Advents- und Weihnachtsliteratur aus dem druckfrischen Heft proben zu können, das das Posaunenwerk der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland herausgegeben hat. „In der Gemeinschaft kommt man viel besser zurecht und wird von ihr regelrecht mitgerissen. Besonders für Anfänger sind diese Treffen eine wahre Goldgrube“, findet er. Und auch sie sitzen mit Finlay Röser und Paul Barthelmes im musizierenden Halbrund. Die beiden Zella-Mehliser Schüler spielen seit vier Jahren und genießen den vollen Klang, den alle gemeinsam erzeugen.

Impulse für Multiplikatoren

Einen Teil der im Heft der Bläsermusik zum Weihnachtsfestkreis vorgestellten Stücke bespricht Matthias Schmeiß mit den Musikern, erklärt schwierige Stellen und probt sie. „Dieser Tag ist nicht so angelegt, dass letztlich alles aufführungsreif sein muss“, sagt er, „sondern dass wir Stücke anspielen, ein Gefühl dafür entwickelt wird. Die Teilnehmer sollen gut motiviert wieder nach Hause fahren und in den verschiedenen Regionen als Multiplikatoren wirken, in dem sie die Stücke ins Land tragen.“ Sein Schwung, mit dem er diese vorstellt, gespickt mit Episoden zu Komponisten oder Herkunftsgeschichte, seine ermunternde Art, verfehlen ihre Wirkung nicht. „Nirgends steht geschrieben, dass ein Choralsatz sofort sitzen muss“, sagt er. An anderer Stelle, „ja, dieser Satz ist ganz filigran. Er klingt, wenn man ihn klein besetzt. Und hier, bitte aufpassen, dass im Bass nur die Melodie klingt.“ Alle saugen seine Informationen, Hinweise konzentriert auf.

Auch Kantor Sebastian Schmuck probt mit. „Ich freue mich, dass so viele Leute gekommen sind, mit ihnen der südthüringer Raum gut vertreten ist und viele Impulse weitergetragen werden. Es ist schön, dass die Bläserfamilie wieder zusammen kommen konnte“, findet auch er. Und betont, dass es natürlich in großer Gruppe viel weniger stressig ist, sich an Neues zu wagen, denn einer hat es garantiert richtig gespielt. Daran kann man sich orientieren, hängt sich dran, beim nächsten Mal klappt es. Wenn etwas nicht gleich sitzt, fällt nicht so sehr auf, weil es von der Gruppe getragen wird, sieht er einen weiteren tollen Effekt. Das ist anders, als wenn man stets zu sechst, zu acht spielt.

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