Neue Behandlungsart „Arterien-Staubsauger“ in Suhl

Eine minimalinvasive Therapie für eine Lungenembolie wurde nun erstmals in Suhl eingesetzt. Als zweite Klinik in Thüringen überhaupt bietet man den „Arterien-Staubsauger“ an. Das Team des Herzkatheterlabors entfernte jetzt gleich zwei große Blutgerinnsel. Details in unserer Bildergalerie.

Sie ist die dritthäufigste Todesursache in Zusammenhang mit Herz und Gefäßen: eine Lungenembolie. Ihre Auslöser sind meist große Blutgerinnsel, die den Sauerstoffaustausch mit der Lunge blockieren. Am SRH-Zentralklinikum in Suhl setzt man nun eine spezielle Methode mit kleinstmöglichem Eingriff – ohne Operation – zur Rettung der Patienten ein.

In der Lungenarterie lagern sich bei der Embolie zwischen Herz und Lunge rote Blutkörperchen an, die einen Gerinnungsklumpen bilden. Er beginnt, meistens langsam, manchmal schnell, die Arterien der Lunge zu verstopfen. Das führt zu einer Lungen-Unterfunktion mit akuter Atemnot bis hin zum Kreislaufschock. Außerdem pumpt das Herz dagegen an, es möchte den Körper mit ausreichend Sauerstoff versorgen. Die Herzleistung sinkt und es besteht Lebensgefahr.

„So ein Blutgerinnsel kann sehr plötzlich auftreten, wenn es aus einer anderen Körperregion angeschwemmt wird. Es kann sich aber auch langsam aufbauen“, erklärt der Suhler Chefarzt Dr. Markus Kemmer. Gemeinsam mit seinem Team im Suhler Herzkatheterlabor entfernte er jüngst gleich zwei solche große Blutgerinnsel. Minimalinvasiv, also ohne Operation.

„Wir nutzen dazu dieselbe Technik, die auch bei Herzinfarkten zum Einsatz kommt. An einem dünnen Draht wird über die Leistenvene ein Katheter durch das Herz bis zum Blutgerinnsel in der Lungenarterie geführt“, sagt der Leiter des Herzkatheterlabors, Dr. Muhamet Sinani. Das tut nicht weh, weil die Blutgefäße nicht mit Nerven durchzogen sind. „Wir haben dann die Möglichkeit, vom Herz aus das Blutgerinnsel unter Röntgenkontrolle aufzuspüren. Es stellt sich als gallertartiger Brocken in der Lungenarterie dar. Wenn nötig, wird es mit einem speziellen Katheter zunächst behutsam gelockert. Danach wird es mittels Unterdruck im Ganzen abgesaugt“, so der Chefarzt. Damit kann die Lunge wieder besser durchblutet werden, der Sauerstoffaustausch ist gewährleistet, die Unterfunktion der Lunge normalisiert sich ebenso wie die Überfunktion des Herzens.

Das Ergebnis ihres Eingriffs zeigen die Experten stolz. Schließlich muss es für Dokumentationszwecke ohnehin festgehalten werden. „Wir hatten bereits erste Erfahrungen mit dem Verfahren. Diesmal musste alles sehr schnell gehen. Gemeinsam mit dem Hersteller der Thrombektomie-Katheter haben wir über Nacht entschieden, das System zum Einsatz zu bringen. Innerhalb von 24 Stunden konnten wir unserem Patienten so sehr schonend helfen und ihm sehr sicher das Leben retten“, freut sich Sinani.

Immer dann, wenn Medikamente zur Auflösung des Blutgerinnsels zu risikoreich wären, kann diese neuartige Technik zum Einsatz kommen. Bisher bietet nur die Uniklinik Jena in Thüringen eine durchgängige Versorgung mit den „Arterien Staubsaugern“ an.

In Suhl sollen sie künftig ein Teil des Leistungsangebots werden und damit das Spektrum der allermodernsten Eingriffsmöglichkeiten wie minimalinvasiven Klappenersatz (TAVI, Mitraclips), unterstützte Hochrisiko-Koronarinterventionen (protected PCI) oder den kabellosen Mini Herzschrittmacher „Micra“ noch ergänzen.

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