Neue Ausstellung Kunsthalle Arnstadt Freundschaftsgrüße aus Buenos Aires

Berit Richter
Stefan Todorov und Jörg Kaps (von links) rufen bei Stefan Goldschmidt in Argentinien an, den Todorov auf diesem Foto verewigte. Foto: Berit Richter

Stefan Todorov zeigt in der Arnstädter Kunsthalle Fotografien. Zur Vernissage gibt es sogar Grüße aus Argentinien.

„Stefan schau, wo wir sind“, Jörg Kaps hält sein Telefon hoch, um dem einen Stefan das Werk des anderen Stefan zu zeigen. Gerade ist die Ausstellung „Ich sehe was, was …“ von Stefan Todorov (unsere Zeitung berichtete) offiziell eröffnet worden, doch ein besonderer Gast fehlt noch. Stefan Goldschmidt aus Buenos Aires in Argentinien.

Was die beiden Stefans miteinander verbindet, ist in erster Linie ein Foto, das Todorov im letzten Herbst geschossen hat, als Goldschmidt per Videoschalte Gast eines ganz besonderen Abends im Arnstädter Theater war, um auf Einladung von Jörg Kaps, Beauftragter für die jüdische Geschichte Arnstadts, über seine Familie zu berichten, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben und ermordet wurde.

„Ein sehr bewegender Abend“, sagt Stefan Todorov und freut sich über das Videotelefonat, denn mittlerweile verbindet ihn mit Jörg Kaps und Stefan Goldschmidt noch ein weiteres, viel wichtigeres Projekt. Todorov soll die Gedenktafel gestalten, die künftig im Ghetto Theresienstadt an die dort ermordeten Arnstädter Bürger erinnern wird.

„Er hatte die sehr gute Idee, gemeinsam mit seinen Schülern Goldschmiede- und Graveurklasse der Berufsschule Entwürfe zu gestalten“, erzählt Jörg Kaps. Herausgekommen seien „fantastische sechs, sieben Entwürfe“, die demnächst im Rathaus ausgestellt werden sollen. Noch braucht es Spenden für die Anbringung der Tafel. Auf 3000 bis 4000 Euro schätzt Jörg Kaps die Kosten, etwa 1500 Euro habe man bereits. Stefan Todorov wird sie dann gestalten.

An diesem Abend aber steht eigentlich nicht der Goldschmied und Schmuckdesigner im Mittelpunkt, sondern der Fotograf. Nachdem Sänger Peter Liebaug das Publikum mit einigen Chansons eingestimmt hat, ist es Todorovs langjährige Freundin Heike Steib, die die Laudatio hält. „Als Künstler ist es sein Anspruch, sich weg von der Oberfläche, von Erwartungshaltungen oder Modeerscheinungen zu begeben“, beschreibt sie, was die Ausstellungsbesucher zu sehen bekommen.

Liebe zum Detail

Denn nur wenige Fotos spiegeln so offensichtlich die Realität wider, wie das Porträt von Stefan Goldschmidt auf der Videoleinwand im Theater. Vielmehr liebt der Arnstädter es, Details aufzuzeigen, Spiegelungen und Licht-Schatten-Effekte einzufangen, seinen Bildern etwas Spannendes und Rätselhaftes, manchmal geradezu Mystisches zu geben.

„Obwohl er seit Jahrzehnten überwiegend digital arbeitet, sind seine Bilder meistens unbearbeitet, allenfalls Ausschnitte werden hervorgehoben“, erklärt die Laudatorin. Es spricht also für die Kunst des Fotografen, wenn so manches Bild eher wie ein Gemälde denn eine Fotografie wirkt.

Gezeigt werden in der Ausstellung, Porträts, Ansichten von Gebäuden, zeitgeschichtliche Momentaufnahmen wie das Aufeinandertreffen vom DDR-Altem und BRD-Neuem in der Wendezeit, Natur- und Stimmungsbilder und vieles mehr. „Bilder, die ebenso viel verstecken wie zeigen“, findet Heike Steib.

Die Ausstellung kann bis 28. August immer dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden. Oder nach telefonischer Absprache unter (01 62)  9 84 16 81.

 

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