Nach Party-Absage Vielleicht zum falschen Zeitpunkt

Antje Kanzler
„Meiningen tanzt“e an jenem Freitagabend zu wenig, deshalb wurde die Folgeveranstaltung am Samstag abgesagt, um das finanzielle Risiko zu reduzieren. Foto: Roland Abe

Eigentlich ist jetzt genau die Zeit für Open-Air-Veranstaltungen und sind noch immer alle froh darüber, wieder in die Nacht ausschwärmen und feiern zu dürfen. Trotzdem gehen nicht alle Veranstalter-Pläne auf. Der Meininger Jungunternehmer Paul Weinelt hat das jetzt erfahren müssen.

S o jung wie Paul Weinelt ist, so voller Ideen steckt er auch. Der heute 20-jährige Meininger galt im Alter von 13 Jahren mit seinen selbstgefertigten Holz-Dekoartikeln als Thüringens jüngster Kleinunternehmer. In den letzten Jahren bewies er bei diversen Gelegenheiten – von der Goetz-Höhle bis zu „Meiningen leuchtet“, dass er auch als DJ überzeugen kann. Und von da war der Schritt dann nicht mehr weit zum Organisieren eigener Musikveranstaltungen. In dieser Branche braucht man allerdings einen Namen, damit sich der enorme Aufwand finanziell überhaupt lohnt und auch weniger gut besuchte Veranstaltungen nicht gleich den Ruin bedeuten. Andererseits muss man irgendwann beginnen. Und manchmal auch Rückschläge einstecken. Vor gut einer Woche hat Paul Weinelt mit seinem eigens dafür gegründeten Projekt Moondance Eventservice einen solchen Misserfolg erlebt. „Meiningen tanzt“ nannte er seine Open-Air-Partys am vorletzten Juli-Wochenende. Doch nach dem ersten Abend war klar, dass es den zweiten nicht geben wird. Die Gäste blieben aus ...

Wer jung ist und in der Provinz lebt, hat schon, wenn eine Pandemie die Lage nicht noch zusätzlich verkompliziert, kaum Möglichkeiten auszugehen und mit Gleichaltrigen Party zu machen. Umso willkommener war Paul Weinelts Einladung im Corona-Herbst 2021 zu einer Open-Air-Veranstaltung mit DJs auf dem Pulverrasen. Selbst im Alter seiner Partygäste, wollte es Paul schaffen, dass sich junge Leute wieder treffen können. Das Experiment gelang – 750 Leute kamen trotz der kühlen Temperaturen, um zu feiern. Der nächste Versuch, um die Weihnachtszeit eine „All-in-red“-Party im Volkshaus steigen zu lassen, scheiterte im ersten Anlauf an den Corona-Einschränkungen, wurde aber im März mit umso mehr Begeisterung von rund 800 Partygästen nachgefeiert. Auch eine weitere Veranstaltung im Mai im Wasunger Paradies war gut besucht. So freuten sich Paul Weinelt, seine Freundin Jessica Baumbach und die anderen Team-Mitglieder schon aufs Sommer-Open-Air „Meiningen tanzt“, das ihnen für Juli vorschwebte: ein Abend mit 80er- und 90er-Jahre-Musik für etwas Ältere und ein DJ-Event mit dem angesagten Duo „Anstandslos & durchgeknallt“ als Hauptact. Seit Mitte Mai liefen die Vorbereitungen und Werbeaktionen. Doch der Pulverrasen sollte ihnen diesmal kein Glück bringen.

Minusgeschäft schon am Freitag

Am Veranstaltungsfreitag kam die Ernüchterung: 250 Karten waren im Vorverkauf abgeholt worden, insgesamt gingen 330 Partygäste an den Start. Ein Minusgeschäft. „Wir hätten wenigstens mit 500 gerechnet,“ bedauert Paul Weinelt. Hinzu kam, dass auch für den Samstag nur 350 Karten vorab verkauft worden waren, aber wenigstens 800 Gäste gebraucht wurden, damit die Rechnung aufgeht.

Noch in der schlaflosen Nacht nach Tag eins fiel die Entscheidung, die zweite Veranstaltung abzusagen. „Das finanzielle Risiko konnten wir nicht eingehen. Das Geld hätte man nicht mehr reinholen können“, bedauert Paul, noch immer niedergeschlagen, weil das monatelang vorbereitete Projekt nicht funktionierte. „Wie oft haben wir nach der Arbeit bis nachts im Büro gesessen und geplant. Es ist für uns bisher eher ein Hobby, Leben kann man davon nicht.“

Die im Internet auf die Absage mit wüsten Beschimpfungen, Vorwürfen oder Häme reagierten, können sich in eine derartige Situation vermutlich nicht hineindenken. Vielleicht lässt sich manch einer auch vom Kartenpreis blenden. Doch tatsächlich entstehen bei einem solchen Event eine Menge Kosten: für die gesamte Technik, den Sicherheitsdienst, das Veranstaltungspersonal, für Rettungskräfte, Notbeleuchtung, Bauzäune, Toilettenwagen, Strom und Wasser, Versicherung, Werbung, Genehmigungen und vieles andere mehr. Und natürlich für die Künstler.

Dem Hauptact und den regionalen DJs wurde deshalb kurzfristig abgesagt und über die sozialen Medien auch den Karteninhabern. Danach steckte Paul erst einmal den Kopf in den Sand – er schaltete sein Handy aus, was einige erzürnte. „Wir waren sowieso bis Sonntag mit dem Abbauen beschäftigt. Danach habe ich die Mitteilungen gelesen“, bittet er um Verständnis dafür, dass er die Sache selbst erst einmal verdauen musste.

Diese Woche Geld zurück

Die Karteninhaber können sich ihr Geld diese Woche nun von Montag bis Freitag nach Anmeldung über Telefon, E-Mail (moondanceeventservice @mmx.de), Instagram oder Facebook wieder holen – in der Geschäftsstelle des Moondance Eventservice, Synagogenweg 3 in Meiningen, Telefon (0157) 52445701 (nicht immer erreichbar). Für den Samstag gibt es die 14 Euro zurück, bei Kombitickets wird die Hälfte erstattet – also 11 Euro bei Vorlage des goldenen Bands oder Kaufbelegs. „Das Team entschuldigt sich bei allen Karteninhabern, dass es nicht geklappt hat wie erhofft. Aber das Geld geht denen, die sich melden, nicht verloren. In Meiningen machten ja schon Gerüchte die Runde, dass der Veranstalter mit der Kasse abgehauen sei. Das ist natürlich Unsinn“, betont der junge Unternehmer. „Wir waren ehrlich zu den Leuten und haben bei der Absage gleich mitgeteilt, dass es finanzielle Gründe hat.“

Doch warum lief es diesmal so schlecht? An mangelnder Werbung kann es nicht gelegen haben. Eher an den Sommerferien – es sind einfach gerade viele aktive Menschen verreist. „Wir haben den falschen Zeitpunkt gewählt. Es war vielleicht auch ein Fehler, das so kurz nach dem Heidewitzka-Festival zu machen“, vermutet Paul. „Die Älteren hatten gar keine Lust zu kommen“, ist Jessicas Eindruck. Zudem war gerade am Freitag noch eine Menge mehr los in der Stadt. An einigen Gaststätten, vor allem aber auf der Marktbühne erklang Live-Musik – noch dazu gratis, gerade für das Klientel, das sich die Veranstalter des Moondance-Events wünschten. „Die Stadt wusste seit Mitte Mai von unseren Plänen. Da war die Planung für den Kultursommer noch gar nicht fertig. Vielleicht hätte man auf die Marktkonzerte verzichten oder sie verlegen können“, meint Paul.

Sein Moondance-Eventservice-Projekt hat er auf den Schreck erst einmal auf Eis gelegt.„Es wird unsererseits in diesem Jahr keine weiteren Veranstaltungen geben, nur DJ-Auftritte.“ Aber Paul wäre nicht Paul, wenn er sich von dieser Niederlage entmutigen und von neuen Projekten abhalten ließe ...

 

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