Vorwürfe gegen die Ermittler
Unterdessen erhebt Tasdelen Vorwürfe gegen die Ermittler – wegen anfänglich zu lascher Ermittlungen. Er hat nach seiner Behandlung zusammen mit seinem Arzt den ausländerfeindlichen Schläger fast beim Tatort noch einmal gesehen. „Um 17.01 Uhr“, sagt er.
Sofort habe er die Polizei angerufen. Die allerdings habe nicht kommen können und ihn aufgefordert, selbst Fotos zu schießen. Erst als Tasdelens Bruder, der SPD-Landtags-Abgeordnete Arif Tasdelen (48), Bilder des Opfers im Internet veröffentlich habe mit dem Hinweis auf eine eventuell rechtsextrem motivierte Straftat, habe die Polizei den Staatsschutz eingeschaltet.
Dem widerspricht Polizei-Sprecher Herrmann mit dem Verweis auf den „Ermittlungserfolg“, der „für sich spricht“. Man habe „intensivst ermittelt“, wie es eine solche Tat erfordere. Ob die Polizei für die Weiterermittlung gleich nochmal ausrücke, hänge von der Einsatzlage ab.
Auch der Staatsschutz habe sich nach der „Ermittlungs-Einstufung“ eingeschaltet, als also eine rassistisch motivierte Straftat im Raum stand.
Die Freundin von S. sei nicht festgenommen worden, weil keine Gründe für eine Verhaftung vorgelegen hätten. Die Ermittlungen liefen weiter. Zu allem weiteren schweigen die Ermittler: Etwa ob F. in einer nächtlichen Vernehmung den Namen ihres Freundes Valentin S. genannt habe. Wo er verhaftet wurde und ob er gestanden hat oder nicht. Es gibt Fotos von S. kurz nach der Tat, wo er anders gekleidet seelenruhig durch die Stadt geht.
Deutschlandweites Aufsehen
Tasdelen macht sich inzwischen richtige Sorgen. „Was ist, wenn er ein Messer gehabt hätte?“, fragt er. Ihm helfe der große Zuspruch der Bayreuther. Viele hätten sich entschuldigt, eine Frau habe sogar geweint.
Der Fall hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. SPD-Vorsitzend Saskia Esken schrieb „Wir stehen an deiner Seite, wir stehen gegen Rassismus“.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) schrieb, er hoffe, „der/die Täter werden schnell gefasst und bestraft“. Der Landesvorstand der bayerischen SPD verurteilte den Angriff „auf das Schärfste und versteht ihn als Angriff auf uns alle“. Die Partei stehe „an der Seite der Betroffenen von Rassismus und rechtsextremer Gewalt, heute und jeden Tag“. Rassismus fange nicht erst mit Gewalt an: „Er beginnt im Alltag und dagegen müssen wir uns stellen.“