Müllers Hilferuf „Die Situation ist komplett aus dem Ruder!“

 Foto: Michael Reichel

In einem Schreiben fordert der Landrat des Kreises Hildburghausen, Thomas Müller (CDU), das Gesundheitsressort in Erfurt auf, endlich zu handeln.

Hildburghausen - Mehr Impfangebote, mehr Impfstoff und mobile Teams, mehr Tests und schnellere Laborbefunde: All das sei nötig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Für das Impfen und Testen sei der Freistaat zuständig, der die Organisation an die Kassenärztliche Vereinigung übergeben habe. Beide müssten jetzt agieren und sich kümmern, sagte Müller.

In seinem Brief an den Corona-Krisenstab des Gesundheitsministeriums wies der Landrat auf die Möglichkeiten des Landes hin und forderte dringlich folgende Punkte ein:

  • Bereitstellung von mehr Impfstoff
  • Bessere Impfkampagnen, beispielsweise mehr Impfangebote ohne Termine
  • Eine Ausweitung der Impfkapazitäten an der Impfstelle Hildburghausen, beispielsweise durch ein mehrschichtiges Arbeitsmodell sowie die Bereitstellung von mobilen Impfteams.

Des Weiteren bedarf es nach Ansicht von Müller einer deutlichen Kapazitätserhöhung im Bereich Testangebote und der Laborkapazitäten, da sich die Wartezeit für die Auswertung der Tests auf drei bis fünf Tage belaufe, was nicht zielführend sei.

Aus Sicht der Kreisverwaltung ist nicht beabsichtigt, weitere, schärfere Maßnahmen im Zuge einer Allgemeinverfügung einzuleiten. „Wir gehen davon aus, dass weitere Schließungen, zum Beispiel von Schulen, Geschäften, Dienstleistungsbetrieben usw., die zur Kontaktreduzierung beitrügen, Ihre Zustimmung nicht finden würden“, heißt es in dem Schreiben an den Corona-Krisenstab des Gesundheitsministeriums. Wenn Schulschließungen nicht gewollt seien, dann reiche eine zweimalige Testung pro Woche in den Schulen nicht aus. „Schulen sind, entgegen der Landesmeinung, ganz klar Treiber der derzeitigen Situation.“ Fast alle Schulen des Landkreises Hildburghausen seien betroffen. Auch die Teststrategie in den Kindertagesstätten sei zu bemängeln. „Die gegenwärtige Testpflicht nur für Mitarbeiter ist nicht ausreichend“, heißt es weiter.

Das Land solle sich darüber hinaus für eine allgemeine Impfpflicht einsetzen. Die kürzlich verlautbarte Äußerung von Ministerpräsident Bodo Ramelow, „das Ganze mit Bedacht anzugehen“ und auf den Totimpfstoff, welcher auch ein Restrisiko beinhaltet, zu warten, wertet Landrat Thomas Müller als das falsche Signal.

Zur Situation im Landkreis Hildburghausen, der mit 48,5 Prozent die niedrigste Impfquote Thüringens hat, auch bundesweit zu den Landkreisen mit der niedrigsten Impfquote zählt und seit Dienstag mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 2006 der zweitstärkste Corona-Hotspot in ganz Deutschland ist sagte Müller: „Die Situation ist komplett aus dem Ruder!“

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