Mittelaltermarkt Schmalkalden Von Metbier, heiligem Blut und Drachenbezwingern

Annett Recknagel

Der Altmarkt hatte sich am Wochenende in ein mittelalterliches Lager mit Gesang, Klamauk, viel Merkwürdigem und Schmackhaftem verwandelt.

Schmalkalden - War das ein Schlagabtausch: Kaum hatte Bombastus ein in die Länge gezerrtes „Soooo“ herausgebracht, plärrte Bernartius „wjetunion!“ Und fügte in Sekundenschnelle hinzu: „Was ein Quatsch, das war was anderes.“

Der Wirbelwind mit dem lockeren Mundwerk überlegte kurz, dann verkündete er: „Wir reden bisschen viel während des Programms, weil wir können nur drei Lieder.“ Derweil hatte sein „Gegenstück“ – der gemütliche Dicke mit Hut – einen vorübereilenden Passanten als Vorhang bezeichnet und der Kecke sagte ans Publikum gewandt: „Am Montag hat das Arbeitsamt wieder auf – da kann ich ihn glücklicherweise wieder abgeben.“ So ging das hin und her. Beinahe hätten die Zwei das Musizieren vergessen. Immerhin hielt Bernartius einen Dudelsack in seinen Händen und Bombastus eine Trommel. Doch – möglicherweise war das ja mittelalterliche Comedy.

Den Besuchern auf dem Altmarkt jedenfalls gefiel die Show. Es wurde viel gelacht – und genau das beabsichtigten die Beiden. Sie verstanden es zudem bestens, die eine Seite der Gäste gegen die andere anzustacheln. Man übertraf sich gegenseitig im Jubeln und Jauchzen und Juchzen und Frohlocken. Bekanntlich ist es nicht so leicht, Menschen zum Lachen zu bringen – das Duo Obscurum schaffte es. Die Sonne lachte gleich mit. Die Stimmung war bestens. Man prostete sich zu – mit Metbier und Glühwein.

Malus domesticus pries seinen Honigwein an – zu haben war er in allen Farben. Vor Jahren kam der Händler noch mit seinen Hühnern – jetzt ist von ihnen leider nur noch eine Kralle übrig. Dafür aber hatte er heiliges Blut dabei. „Für eine direkte Infusion“, erklärte er und verwies auf seinen Nachbarn. Möglicherweise habe der es nötig, denn trotz Kälte hatte er es gewagt, auf dem Altmarkt in seinem Zelt zu übernachten.

Und er war nicht allein. „Mit einem Standlüfter geht das“, gab der Eierknacker bekannt. Amo saß derweil auf seinem Karren, spielte Klampfe und sang, was das Zeug hielt.

Dazwischen immer wieder Handgeklapper. Kinder versuchten mit der Armbrust, den roten Drachen zu töten. Beim Zinngießen durften sie dabei sein. Glücksrad und Mäuseroulette kamen an. Genauso das Riesenrad in Form eines Steuerrades. Ein handbetriebenes Karussell machte den Markt komplett. Und freilich waren jede Menge Leckereien zu haben. Knoblauchbrot und Flammkuchen, gebratene Champignons und Maiskolben und Blumenkohl. Fleischgerichte und viel Textiles. Felle, Kleidung, Stoffe. Sachen zum Umhängen, Anstecken und Draufsitzen. Das Schmiedefeuer loderte.

Carolan Lieb, der als Veranstalter von „Lorraine Medievale“, einer Agentur für Mittelaltermärkte, agiert, hatte 33 Stände organisiert und war nach dem Mittelaltermarkt im Sommer im Park Fontaine auch diesmal sehr zufrieden. Sein Klientel kam aus aller Herren Länder – Bayern, Thüringen, Sachsen, dem Saarland, Nordrhein-Westfalen. Selbst Polen, Schweizer und Franzosen waren anwesend. Es gab sehr viel zum „Rumgucken“ und zum Lachen. Mit etwas Fantasie fühlte man sich so richtig in die damalige Zeit versetzt. Der Altmarkt bot die entsprechende Kulisse. Und Unikate konnte man auf jeden Fall ergattern. Doch Vorsicht! Da gab es auch einen schwarzen Mann. „Der ist uns zugelaufen“, witzelte Carolan Lieb als Chefveranstalter und bezeichnete ihn als Bettler. Kinderschreck hätte besser gepasst. Denn der Gute war gezeichnet von Pest, Cholera und Lepra. Ein Wunder, dass er noch lebte. „Corona hat er nicht“, versicherten seine Kollegen und ließen sich anstandslos mit ihm fotografieren. Die Schminke jedenfalls hielt und Spaß hatte man obendrein. Natürlich gab es auch Süßes wie Waffeln, Quarkbällchen und Zuckerwatte.

Das Publikum schlenderte über den Markt, schwatzte mit den Händlern, schaute sich um und nahm die ein oder andere Seltenheit mit nach Hause. Hochprozentige Elixiere, funkelnde Schmuckstücke, handgenähte Gewänder und Kopfbedeckungen. Dazwischen jede Menge Klamauk und Ulk. Denn eines dürfte sicher sein: Auf dem Markt lernte man so einige schräge Vögel, äh Menschen, kennen.

 

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