Ganz neu sind die Erkenntnisse nicht, die die Landeskrankenhausgesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesärztekammer am Mittwoch präsentiert haben. Versicherte bekommen den Mangel an Ärzten und Pflegekräften praktisch täglich zu spüren. Vor allem in Südthüringen. Etwa dann, wenn sie einen Termin beim Augenarzt brauchen oder dringend zum MRT müssen. Manche Versicherte nehmen in ihrer Verzweiflung längst weite Wege auf sich. Dabei ist die Situation eigentlich paradox: Die Zahl der Ärzte im Freistaat steigt seit Jahren und auch am Geld mangelt es nicht, denn die Ausgaben der Krankenkassen eilen von Rekord zu Rekord. Was dort zwischen Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärzten tobt, ist vielmehr ein Verteilungskampf. Wenn Krankenhäuser ankündigen, mehr Eingriffe ambulant vornehmen zu wollen, dann schreien die niedergelassenen Ärzte auf, weil sie fürchten, ein Stück vom Kuchen abgeben zu müssen. Angesichts der angespannten Situation ist es aber längst an der Zeit, die starre Grenze zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten einzureißen. Den Patienten ist es egal, ob der Arzt, der sie behandelt, seine Leistung nun aus dem Finanztopf der Kliniken oder dem der niedergelassenen Ärzte vergütet bekommt. Was wir brauchen, ist ein funktionierendes Gesamtsystem – und kein Streit um lieb gewonnene Pfründe.
Meinung Stück vom Kuchen
Jolf Schneider 16.06.2022 - 13:38 Uhr