Ob man nun ein Puccini-Fan ist oder nicht - bei „Madama Butterfly“ ist ein Quantum Ergriffenheit eingeplant, ja unvermeidlich. Vor allem, weil die Musik des Italieners ein so hemmungsloser Frontalangriff aufs (Mit-)Gefühl ist, dass man dem nur schwer ausweichen kann. In dieser beim Publikum so beliebten Oper brauchte es noch nicht mal den Vormarsch der politischen Korrektheit, um den exemplarisch arroganten Yankee zu verachten, der in aller Welt das Sternenbanner aufpflanzt und sich als Macho bei den Töchtern des jeweiligen Landes bedient – ohne sich Gedanken über Kollateralschäden bzw. -folgen zu machen. Und es braucht auch keine Überdosis an Empathie mit den Schwächeren und Opfern beim Kampf um globale Vormacht, um das Schicksal der jungen Japanerin zu bedauern, die ihren Traum vom freien Leben, ihren Sohn und dann sogar ihr Leben verliert.