Ich will spielen! Das sagte Marianne Thielmann noch im Februar dieses Jahres in einem Interview mit unserer Zeitung. Und sie wollte spielen bis zum Schluss. "Im Januar 2013 werde ich zurück auf die Bühne kehren", ließ sie noch im September zu Beginn dieser Spielzeit im Meininger Theater verkündigen. Doch das Krebsleiden war stärker als ihr Wille zum Spielen. Zusammen mit dem Schauspieler Dietmar Horcicka hatte Marianne Thielmann im Februar dieses Jahres ihren neuen Solo-Abend "Dirnenlied" einstudiert und im Henneberger Haus erfolgreich zur Premiere gebracht. "Rollen in meinem Alter sind rar. Es gibt kaum Stücke für Frauen ab 50, nur Minirollen, nichts Attraktives", klagte sie. Sie wolle nicht warten, bis sie mal wieder besetzt werde, deswegen macht sie ihre eigenen Solo-Abende.

Im Meininger Theater spielte Marianne Thielmann die Anita in der "West Side Story", die Edith Piaf in "Edith" (beides 1993), die Shin in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" in der Regie von Manfred Wekwerth (1995), die Hippolyta und Titania in Shakespeares "Sommernachtstraum" (1996). Sie gab die Mutter im "Hamlet" (2001), die Marthe im "Faust" (2007) und die Frau Alving in Ibsens "Gespenster" (2008). Eine ihrer größten Rollen war die "Iphigenie", die sie kurz nach der Wende im März 1990 und noch einmal 1993 in der Inszenierung von Albert R. Pasch verkörperte. Im Schicksal der antiken Iphigenie empfand Marianne Thielmann die Freiheit, aber auch die Sehnsucht nach der eigenen Heimat, die für sie mit der DDR im Frühjahr 1990 allmählich verschwand.