Meiningen - Mit Schlägen ist sie aufgewachsen. Jeden Tag aufs Neue für Nichtigkeiten. Und mit Vorwürfen für ihr Dasein. Sie sei ja nur der Notnagel für die Mutter gewesen, denn mit Kind habe man zu DDR-Zeiten schneller eine Wohnung bekommen ... Geliebt, nein geliebt fühlte sie sich nie, die heute 43-jährige Jacqueline G. aus Meiningen. Ihre Kindheit glich einem Alptraum, der sich nach und nach in einer schlimmen Krankheit ein Ventil suchte: Jacqueline bekam blutige Durchfälle, starke Bauchschmerzen, seit 2009 eine chronische Darmentzündung. "Ich lebte in Angst vor Krebs. War ständig krank geschrieben. Doch erst viel später veranlasste der Arzt eine Darmspiegelung. Da war es schon zu spät für eine Heilung ...", erinnert sich die Mutter zweier Kinder.

Cortison schien der einzige Ausweg, ihr Leiden in geordnetere Bahnen zu leiten. "Ich nahm zu. Mehr und mehr." Schließlich zeigte die Waage über 80 Kilogramm. Das bei einer ansonsten kleinen, zierlichen Frau, die Essen kann, was sie will, ohne auch nur ein Gramm auf die Rippen zu bekommen. "Ich litt zusätzlich unter meinem Aussehen. Doch niemand nahm meine Sorgen ernst. Selbst der behandelnde Arzt meinte: ,Haben sie sich nicht so! Das ist eben so bei Cortison.' Glauben Sie mir, auch meine Partnerschaft hatte eine harte Probe zu bestehen."