Meiningen. Die Frage nach dem Hierbleiben oder Weggehen hat es so direkt für Nicole Hoke eigentlich nie gegeben. Sie wollte zu keiner Zeit fort von zu Hause. Und hatte großes Glück, einen Beruf zu finden, den sie sich vorher nie erträumt hätte.
Buchhändlerin ist die junge Walldorferin geworden. Das war in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen. In der fünften Klasse sollten wir in der Schule mal unsere Berufswünsche aufschreiben. Die meisten Mädchen auch ich wollten damals Tierärztin werden. Und die Jungs alle Fussballstars, erinnert sich Nicole und lächelt. Erst neulich hatte sie nach fünf Jahren das erste Klassentreffen. Keiner ihrer ehemaligen Mitschüler hat seinen Kindheitstraum erfüllt. Relativ viele sind jedoch in Thüringen geblieben.
2004 hat Nicole Hoke ihren Abschluss an der Regelschule in Walldorf gemacht. Einen konkreten Berufswunsch hatte sie damals nicht. Hauptsache war ihr erst mal, irgendeine Stelle in der Region zu finden. Wobei sie sich vor allem einen Beruf wünschte, der mit Menschen zu tun haben sollte. Weil ich eher schüchtern war und anders werden wollte, begründet es die immer noch etwas verschlossen wirkende 22-Jährige.
50 Bewerbungen
Im Internet und in der Zeitung suchte sie nach Ausbildungsplätzen. Ich habe ungefähr 50 Bewerbungen geschrieben, erinnert sie sich. An Rechtsanwaltsbüros, Hotels und Restaurants in der Region schickte sie ihre Briefe. Beim Verlag Freies Wort absolvierte sie einen Eignungstest mit über 100 weiteren Bewerbern. Vom Hotel Panorama in Oberhof bekam sie die erste Zusage. Doch ganz sicher war sie nicht, ob der Weg vom Bettenaufschütteln bis zur Rezeptionsdame einmal ihre Erfüllung sein würde. Darum suchte sie weiter, ging nun auch zum Arbeitsamt. Dort erfuhr sie dann, dass die Meininger Buchhandlung Lohmann gerade zwei Ausbildungsstellen ausgeschrieben hatte. Deutsch war zwar nicht unbedingt ihr Lieblingsfach gewesen, eher Mathematik, aber Bücherlesen gehörte zu ihren Hobbys. Also stellte sie sich bei der Inhaberin Maria Hermann, eine Schwäbin, die die traditionsreiche Meininger Buchhandlung gerade erst übernommen hatte, vor. Ganz unverhofft bekam sie die Ausbildungsstelle.
Das war eigentlich ein Sechser im Lotto, der ihr erst später richtig bewusst wurde. Sich durch Aktenberge arbeiten, beispielsweise in einem Rechtsanwaltsbüro, kann sie sich heute nicht mehr vorstellen. Mir wäre das alles viel zu trocken, weiß Nicole heute.
Schon im August 2004, also noch in den Schulferien, wurde sie in der Buchhandlung Lohmann eingestellt. Es ging gleich mit dem Schulbuchverkauf los. Noch völlig ahnungslos wurde ich ins Geschäft reingestupst. Das war eine harte Schule, erinnert sich die junge Buchhändlerin. Im Oktober begannen dann die Blockseminare an der Buchhändlerfachschule in Leipzig. Der Unterricht hat ihr Spaß gemacht. Auch die Stadt gefiel ihr gut, aber ein Leben in der Großstadt konnte sich die Walldorferin nicht vorstellen. Nach drei Jahren schloss sie ihre Lehre erfolgreich ab und hatte dann noch das große Glück, von der inzwischen neuen Inhaberin Constance Schmidt als Buchhändlerin übernommen zu werden.
So hat sich die junge Frau in der Region ein Leben einrichten können, in dem sie sich wohl fühlt. Im Grunde meines Herzens bin ich gern hier, sagt sie. Die Landschaft ist sehr schön, ich fahre gern mit dem Rad oder jogge einfach so ins Grüne. Natürlich fährt sie im Urlaub auch gern mal weg. Eine Griechenlandreise will sie mit ihren beiden Freundinnen die eine arbeitet als Krankenschwester in Hildburghausen, die andere in einem Rechtsanwaltsbüro in Würzburg in diesem Jahr unternehmen. Aber ich habe oft Sehnsucht und komme immer wieder gern nach Hause zu meiner Familie, gesteht sie zum Plan ihrer ersten großen Reise ins Ausland.
Noch wohnt Nicole bei ihren Eltern. Beide arbeiten bei der Bahn, wie es schon immer Tradition in der Familie war. Einen kleinen Bruder hat sie zu Hause noch mit zu versorgen. Der spielt gern Fußball, liest alle Folgen der Wilden Fußballkerle und auch der Comic-Serie Asterix und Obelix. Als große Schwester will sie den Kleinen aber nicht mit Büchern zuschütten, natürlich schenkt sie ihm hin und wieder ein Buch.
Leben in Maßen
Für ein Leben auf eigenen Füßen reicht das Geld noch nicht. Ihre Wünsche hält die junge Frau in Maßen: Shoppen, Ausgehen, Schwimmen und hin und wieder mit Freunden ins Kino gehen, fürs Theater konnte sie in ihrem Bekanntenkreis leider noch keinen begeistern. Bücher müssen natürlich sein, am liebsten Krimis, Fantasie, historische Romane und Jugendbücher. Nicht jedes Buch, das die junge Buchhändlerin verkauft, hat sie vorher gelesen. Dafür gibt es viel zu viele. Die meisten Titel kennt sie jedoch, weiß, was gerade gern gelesen wird oder was sie den Kunden empfehlen kann.
Bücher, so die Erfahrung der jungen Buchhändlerin, werden immer wieder gern als Geschenk gekauft. Vor allem vor Weihnachten läuft das Geschäft deswegen sehr gut. Im Januar und Februar gibt es dann eine Flaute. Aber im Frühjahr und Herbst nach den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt/Main sind dann wieder die Neuerscheinungen bei den Kunden gefragt. Im Sommer ist es besonders die Reiselektüre.
Das Buch, so ist Nicole sicher, wird es immer geben trotz PC, Internet oder iBook. Insofern hat die Walldorferin auch einen krisensicheren Beruf. Zumal in der Kulturstadt Meiningen immer wieder neue Bücherfreunde hinzukommen. Warum sollte sie also Weggehen aus der Region, wo sie doch alles, was ihr gefällt, hier hat? Carola Scherzer
Buchhändlerin ist die junge Walldorferin geworden. Das war in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen. In der fünften Klasse sollten wir in der Schule mal unsere Berufswünsche aufschreiben. Die meisten Mädchen auch ich wollten damals Tierärztin werden. Und die Jungs alle Fussballstars, erinnert sich Nicole und lächelt. Erst neulich hatte sie nach fünf Jahren das erste Klassentreffen. Keiner ihrer ehemaligen Mitschüler hat seinen Kindheitstraum erfüllt. Relativ viele sind jedoch in Thüringen geblieben.
2004 hat Nicole Hoke ihren Abschluss an der Regelschule in Walldorf gemacht. Einen konkreten Berufswunsch hatte sie damals nicht. Hauptsache war ihr erst mal, irgendeine Stelle in der Region zu finden. Wobei sie sich vor allem einen Beruf wünschte, der mit Menschen zu tun haben sollte. Weil ich eher schüchtern war und anders werden wollte, begründet es die immer noch etwas verschlossen wirkende 22-Jährige.
50 Bewerbungen
Im Internet und in der Zeitung suchte sie nach Ausbildungsplätzen. Ich habe ungefähr 50 Bewerbungen geschrieben, erinnert sie sich. An Rechtsanwaltsbüros, Hotels und Restaurants in der Region schickte sie ihre Briefe. Beim Verlag Freies Wort absolvierte sie einen Eignungstest mit über 100 weiteren Bewerbern. Vom Hotel Panorama in Oberhof bekam sie die erste Zusage. Doch ganz sicher war sie nicht, ob der Weg vom Bettenaufschütteln bis zur Rezeptionsdame einmal ihre Erfüllung sein würde. Darum suchte sie weiter, ging nun auch zum Arbeitsamt. Dort erfuhr sie dann, dass die Meininger Buchhandlung Lohmann gerade zwei Ausbildungsstellen ausgeschrieben hatte. Deutsch war zwar nicht unbedingt ihr Lieblingsfach gewesen, eher Mathematik, aber Bücherlesen gehörte zu ihren Hobbys. Also stellte sie sich bei der Inhaberin Maria Hermann, eine Schwäbin, die die traditionsreiche Meininger Buchhandlung gerade erst übernommen hatte, vor. Ganz unverhofft bekam sie die Ausbildungsstelle.
Das war eigentlich ein Sechser im Lotto, der ihr erst später richtig bewusst wurde. Sich durch Aktenberge arbeiten, beispielsweise in einem Rechtsanwaltsbüro, kann sie sich heute nicht mehr vorstellen. Mir wäre das alles viel zu trocken, weiß Nicole heute.
Schon im August 2004, also noch in den Schulferien, wurde sie in der Buchhandlung Lohmann eingestellt. Es ging gleich mit dem Schulbuchverkauf los. Noch völlig ahnungslos wurde ich ins Geschäft reingestupst. Das war eine harte Schule, erinnert sich die junge Buchhändlerin. Im Oktober begannen dann die Blockseminare an der Buchhändlerfachschule in Leipzig. Der Unterricht hat ihr Spaß gemacht. Auch die Stadt gefiel ihr gut, aber ein Leben in der Großstadt konnte sich die Walldorferin nicht vorstellen. Nach drei Jahren schloss sie ihre Lehre erfolgreich ab und hatte dann noch das große Glück, von der inzwischen neuen Inhaberin Constance Schmidt als Buchhändlerin übernommen zu werden.
So hat sich die junge Frau in der Region ein Leben einrichten können, in dem sie sich wohl fühlt. Im Grunde meines Herzens bin ich gern hier, sagt sie. Die Landschaft ist sehr schön, ich fahre gern mit dem Rad oder jogge einfach so ins Grüne. Natürlich fährt sie im Urlaub auch gern mal weg. Eine Griechenlandreise will sie mit ihren beiden Freundinnen die eine arbeitet als Krankenschwester in Hildburghausen, die andere in einem Rechtsanwaltsbüro in Würzburg in diesem Jahr unternehmen. Aber ich habe oft Sehnsucht und komme immer wieder gern nach Hause zu meiner Familie, gesteht sie zum Plan ihrer ersten großen Reise ins Ausland.
Noch wohnt Nicole bei ihren Eltern. Beide arbeiten bei der Bahn, wie es schon immer Tradition in der Familie war. Einen kleinen Bruder hat sie zu Hause noch mit zu versorgen. Der spielt gern Fußball, liest alle Folgen der Wilden Fußballkerle und auch der Comic-Serie Asterix und Obelix. Als große Schwester will sie den Kleinen aber nicht mit Büchern zuschütten, natürlich schenkt sie ihm hin und wieder ein Buch.
Leben in Maßen
Für ein Leben auf eigenen Füßen reicht das Geld noch nicht. Ihre Wünsche hält die junge Frau in Maßen: Shoppen, Ausgehen, Schwimmen und hin und wieder mit Freunden ins Kino gehen, fürs Theater konnte sie in ihrem Bekanntenkreis leider noch keinen begeistern. Bücher müssen natürlich sein, am liebsten Krimis, Fantasie, historische Romane und Jugendbücher. Nicht jedes Buch, das die junge Buchhändlerin verkauft, hat sie vorher gelesen. Dafür gibt es viel zu viele. Die meisten Titel kennt sie jedoch, weiß, was gerade gern gelesen wird oder was sie den Kunden empfehlen kann.
Bücher, so die Erfahrung der jungen Buchhändlerin, werden immer wieder gern als Geschenk gekauft. Vor allem vor Weihnachten läuft das Geschäft deswegen sehr gut. Im Januar und Februar gibt es dann eine Flaute. Aber im Frühjahr und Herbst nach den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt/Main sind dann wieder die Neuerscheinungen bei den Kunden gefragt. Im Sommer ist es besonders die Reiselektüre.
Das Buch, so ist Nicole sicher, wird es immer geben trotz PC, Internet oder iBook. Insofern hat die Walldorferin auch einen krisensicheren Beruf. Zumal in der Kulturstadt Meiningen immer wieder neue Bücherfreunde hinzukommen. Warum sollte sie also Weggehen aus der Region, wo sie doch alles, was ihr gefällt, hier hat? Carola Scherzer