Meiningen. Jo Vivien Vonderlind und Anne Pocher aus der 10. Klasse der Meininger Pulverrasenschule sowie Nadine Behrendt und Melanie Schleicher aus der 11. Klasse des Henfling-Gymnasium haben sich darauf vorbereitet, Schulklassen durch die internationale Anne-Frank-Ausstellung im Marstall der Theaterstadt zu führen.
Am Samstag Abend, 29. November, eröffnete Pfarrer Christoph Knoll die Schau Anne Frank eine Geschichte für heute. Getragen von der evangelischen Kirche, dem Landratsamt, der Stadt Meiningen, der Rhön-Rennsteig-Sparkasse sowie dem Anne-Frank-Haus in Berlin und Amsterdam wird in eindrucksvoller Weise das Leben des jüdischen Mädchens nachgezeichnet, das durch sein Tagebuch weltbekannt wurde.
Im offenen Jugendclub begrüßte Diakon Frank Schnabel zahlreiche Gäste darunter SPD-Landtagsabgeordneter Rolf Baumann, Kreistagsmitglied Heike Gundlach, der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses des Kreistages, Adalbert Bauch, und Die-Linke-Kreistagsmitglied Elke Pudshuhn, Vertreter der Kirche und kultureller Einrichtungen sowie zahlreiche Jugendliche.
Bedrohliche Dramaturgie
Die Schauspielerin und Sängerin Dorothea Tausch berührte zum Auftakt mit einer Collage zum 3. Reich. Texte von Kurt Tucholsky, Bert Brecht, aus Bilder aus Theresienstadt sowie aus der Collage Ein Buchenwald des freien Eisenacher Burgtheater Jugendclubs fügte sie zu einer bedrohlichen Dramaturgie zusammen. Auf der einen Seite die jungen, verblendeten Deutschen dieser Blick entzündet eine heiliges Feuer in deiner Brust und auf der anderen Seite Juden, deren Leben immer mehr eingeengt und schließlich gelöscht wird. Mit Worten schuf Dorothea Tausch lebendige Bilder, wie jenes vom Platzl im Prater, das die Liebende mit in die Gaskammer nahm. Sie erzählt von dem 14-jährigen Mädchen Lily Baumgart und ihrer Mutter, die sich im KZ aneinander festhalten.
Dorothea Tausch befasst sich derzeit mit dem Studium des Jazz-Gesangs in Nürnberg. In Leipzig und Hamburg hat sie in den vergangenen Jahren Musical und Schauspiel studiert. Während ihrer Abiturzeit 1999/2000 war sie im Freien Eisenacher Burgtheater Jugendclub. Ihr Programm zur Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung hatte sie als Abschlussprüfung ihrer Sprechausbildung erarbeitet. Ich wollte diese Collage über den Nationalsozialismus machen, weil mich das Thema sehr berührt. Was geschehen ist, soll in lebendiger Erinnerung bleiben.
Das wollen auch die vier Ausstellungsbegleiterinnen den Besuchern vermitteln. In einer speziellen Schulung haben sie sich auf die zwei Wochen vorbereitet, die die Ausstellung im Marstall zu sehen ist. Vor allem Schülerinnen und Schüler aus Meiningen und Umgebung werden sich mit dem Leben des Mädchens vertraut machen, das mit seiner Familie von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus vor den Nazis versteckt wurde. Kurz vor Kriegsende kam Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen um. Allein der Vater überlebte und fand im Versteck die Tagebücher. Er gab sie als Buch heraus, das in 55 Sprachen übersetzt wurde. Junge Menschen auf der ganzen Welt lesen das Tagebuch der Anne Frank mit ungebrochenem Interesse.
Schicksalhaftes
Die Ausstellung versteht es, die persönliche Geschichte der Familie Frank mit den geschichtlichen Ereignissen zu verbinden. Sie beginnt mit der Geburt von Anne Frank im Jahr 1929. Mit der Naziherrschaft zieht langsam das Unheil über der Familie herauf. Nach der Emigration in die Niederlande sind sie nur kurze Zeit bis zum Einmarsch der Deutschen sicher. Mit Hilfe von Einheimischen können sie sich zwei Jahre lang im Hinterhaus in der Prinsengracht verbergen. Was es für die Gruppe von sieben Menschen bedeutete, jeden Tag auf engstem Raum zu verbringen, wird nicht verschwiegen.
Als Anne Franks Vater nach dem Krieg die Tagebücher seiner Tochter veröffentlichte, wurde von denjenigen, die Nazigräuel leugneten, die Echtheit angezweifelt.
Die Ausstellung ist in deutscher und niederländischer Sprache verfasst. Aus Anlass des 70. Jahrestages der Pogromnacht wird sie in vielen Städten gezeigt. Immer ist es das Ziel des vielschichtigen autodidaktischen Konzepts, dass die aussagekräftigen und gut gestalteten Schautafeln von Jugendlichen erläutert werden, die sich zuvor intensiv mit dem Leben von Anne Frank befasst haben. Das Ausstellungsprojekt wird vom Thüringer Kultusministerium gefördert.
Die vier Meininger Schülerinnen haben sich freiwillig als Ausstellungsbegleiterinnen gemeldet. Weil es für Jugendliche ist, freuen sie sich darauf, den Besuchern die Ausstellung spielerisch nahezubringen. Anders als Erwachsene, die das geschichtliche Hintergrundwissen mitbringen, sei es für Kinder und Jugendliche schwer, so Pfarrer Knoll, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus zu befassen. Frei sprechen und den Menschen eine Geschichte nahezubringen, reizt die vier Schülerinnen. Der Dienstplan für die Führungen steht bereits. Wenn sie im Marstall zu tun haben, fällt der Unterricht für sie aus. Ansonsten sei alles ehrenamtlich, betonten die Vier. (dmd)
Am Samstag Abend, 29. November, eröffnete Pfarrer Christoph Knoll die Schau Anne Frank eine Geschichte für heute. Getragen von der evangelischen Kirche, dem Landratsamt, der Stadt Meiningen, der Rhön-Rennsteig-Sparkasse sowie dem Anne-Frank-Haus in Berlin und Amsterdam wird in eindrucksvoller Weise das Leben des jüdischen Mädchens nachgezeichnet, das durch sein Tagebuch weltbekannt wurde.
Im offenen Jugendclub begrüßte Diakon Frank Schnabel zahlreiche Gäste darunter SPD-Landtagsabgeordneter Rolf Baumann, Kreistagsmitglied Heike Gundlach, der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses des Kreistages, Adalbert Bauch, und Die-Linke-Kreistagsmitglied Elke Pudshuhn, Vertreter der Kirche und kultureller Einrichtungen sowie zahlreiche Jugendliche.
Bedrohliche Dramaturgie
Die Schauspielerin und Sängerin Dorothea Tausch berührte zum Auftakt mit einer Collage zum 3. Reich. Texte von Kurt Tucholsky, Bert Brecht, aus Bilder aus Theresienstadt sowie aus der Collage Ein Buchenwald des freien Eisenacher Burgtheater Jugendclubs fügte sie zu einer bedrohlichen Dramaturgie zusammen. Auf der einen Seite die jungen, verblendeten Deutschen dieser Blick entzündet eine heiliges Feuer in deiner Brust und auf der anderen Seite Juden, deren Leben immer mehr eingeengt und schließlich gelöscht wird. Mit Worten schuf Dorothea Tausch lebendige Bilder, wie jenes vom Platzl im Prater, das die Liebende mit in die Gaskammer nahm. Sie erzählt von dem 14-jährigen Mädchen Lily Baumgart und ihrer Mutter, die sich im KZ aneinander festhalten.
Dorothea Tausch befasst sich derzeit mit dem Studium des Jazz-Gesangs in Nürnberg. In Leipzig und Hamburg hat sie in den vergangenen Jahren Musical und Schauspiel studiert. Während ihrer Abiturzeit 1999/2000 war sie im Freien Eisenacher Burgtheater Jugendclub. Ihr Programm zur Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung hatte sie als Abschlussprüfung ihrer Sprechausbildung erarbeitet. Ich wollte diese Collage über den Nationalsozialismus machen, weil mich das Thema sehr berührt. Was geschehen ist, soll in lebendiger Erinnerung bleiben.
Das wollen auch die vier Ausstellungsbegleiterinnen den Besuchern vermitteln. In einer speziellen Schulung haben sie sich auf die zwei Wochen vorbereitet, die die Ausstellung im Marstall zu sehen ist. Vor allem Schülerinnen und Schüler aus Meiningen und Umgebung werden sich mit dem Leben des Mädchens vertraut machen, das mit seiner Familie von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus vor den Nazis versteckt wurde. Kurz vor Kriegsende kam Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen um. Allein der Vater überlebte und fand im Versteck die Tagebücher. Er gab sie als Buch heraus, das in 55 Sprachen übersetzt wurde. Junge Menschen auf der ganzen Welt lesen das Tagebuch der Anne Frank mit ungebrochenem Interesse.
Schicksalhaftes
Die Ausstellung versteht es, die persönliche Geschichte der Familie Frank mit den geschichtlichen Ereignissen zu verbinden. Sie beginnt mit der Geburt von Anne Frank im Jahr 1929. Mit der Naziherrschaft zieht langsam das Unheil über der Familie herauf. Nach der Emigration in die Niederlande sind sie nur kurze Zeit bis zum Einmarsch der Deutschen sicher. Mit Hilfe von Einheimischen können sie sich zwei Jahre lang im Hinterhaus in der Prinsengracht verbergen. Was es für die Gruppe von sieben Menschen bedeutete, jeden Tag auf engstem Raum zu verbringen, wird nicht verschwiegen.
Als Anne Franks Vater nach dem Krieg die Tagebücher seiner Tochter veröffentlichte, wurde von denjenigen, die Nazigräuel leugneten, die Echtheit angezweifelt.
Die Ausstellung ist in deutscher und niederländischer Sprache verfasst. Aus Anlass des 70. Jahrestages der Pogromnacht wird sie in vielen Städten gezeigt. Immer ist es das Ziel des vielschichtigen autodidaktischen Konzepts, dass die aussagekräftigen und gut gestalteten Schautafeln von Jugendlichen erläutert werden, die sich zuvor intensiv mit dem Leben von Anne Frank befasst haben. Das Ausstellungsprojekt wird vom Thüringer Kultusministerium gefördert.
Die vier Meininger Schülerinnen haben sich freiwillig als Ausstellungsbegleiterinnen gemeldet. Weil es für Jugendliche ist, freuen sie sich darauf, den Besuchern die Ausstellung spielerisch nahezubringen. Anders als Erwachsene, die das geschichtliche Hintergrundwissen mitbringen, sei es für Kinder und Jugendliche schwer, so Pfarrer Knoll, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus zu befassen. Frei sprechen und den Menschen eine Geschichte nahezubringen, reizt die vier Schülerinnen. Der Dienstplan für die Führungen steht bereits. Wenn sie im Marstall zu tun haben, fällt der Unterricht für sie aus. Ansonsten sei alles ehrenamtlich, betonten die Vier. (dmd)