Lokalsport Ilm-Kreis Der TKV beendet seine Punktspielsaison

Saison-Aus auch für Kevin Schmidt Foto: Andreas Heckel

Der Thüringer Kegler-Verband cancelt als einer der Arten Landessportverbände einer Massensportart die Punktspielsaison 2020/21 und konzentriert sich auf die Einzelmeisterschaften.

Ilmenau -

„Wir Kegler sind eben leider keine Fernsehübertragungssportart wie die Fußballer. Denn die dürfen ja trotzdem weitermachen.“ Das Fazit von Peter Crämer klingt bitter, aber auch dem Vorsitzenden und Spieler des KSV 90 Gräfinau-Ang­stedt ist klar: „Eine Alternative zu diesem frühzeitigen Saisonabbruch gab es sicher nicht. Es ist vernünftig, sich jetzt wenigstens auf die Einzelmeisterschaften im Frühjahr zu fokussieren. Aber es wurmt einen natürlich, dass jegliches Können und jeglicher Kampfgeist von den Spielen im Herbst nun de facto vergebens gewesen sind.“

Als erster Landesverband einer Massensportart hat der Thüringer Kegler-Verband (TKV) auf die aktuelle Corona-Situation reagiert und die Punktspielsaison 2020/21 abgebrochen. Ab September 2021 soll mit den gleichen Staffelstrukturen neu begonnen werden – allenfalls verändert durch Ab- bzw. Neuanmeldungen, aber ohne neues Startgeld. Eine Ausnahme könnte es für die Thüringenligen der Frauen und Männer geben, falls „wider Erwarten die Bundesligen ihre Saison im Februar fortsetzen werden“, wie es in einer Mitteilung des TKV-Präsidiums heißt. Dann bräuchte man nämlich eine Lösung für die jeweiligen Aufsteiger aus Thüringen.

Der TKV orientiert sich dabei an einen Dreistufenplan des Dachverbandes DKBC, der dieses Szenario vorgibt, falls eine Aufnahme des Trainingsbetriebes Anfang Januar nicht möglich ist. Genau das steht wegen der Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 10. Januar aber schon jetzt fest, und ob nach diesem Datum wieder alles offen ist wäre auch stark zu bezweifeln. „Aber auch wir Kegler brauchen vor Wettkämpfen einen Vorlauf an Training, und daher würde sich die Wiederaufnahme des Punktspielbetriebes so weit zeitlich hinaus zögern, dass wir in Terminkonflikte mit den Einzelmeisterschaften kämen, die traditionell im Frühjahr ausgetragen werden. Beide Wettbewerbe können aber nicht parallel laufen“, erläutert TKV-Vizepräsident Rolf Schubert (Ilmenau) das Problem. Aber diese Einzelmeisterschaften in den jeweiligen Altersklassen sollen möglichst alle ausgetragen werden, in Abstimmung mit den Behörden und ggf. unter Hygienekonzepten, wie sie bisher schon für die Punktspiele galten.

„Auch der Landespokalwettkampf Classic und die Kreisvereinsmeisterschaften der Senioren sollen noch zu Ende geführt werden, dafür müssen neue Termine gefunden werden“, so Rolf Schubert. Er selbst hat zudem bei den Vereinen des Ilm-Kreises nachgefragt, wie man nun für die 1. und 2. Kreisliga darauf reagieren sollte. „Ich persönlich würde viel Wert darauf legen, dass es zumindest für die Kreisliga der Jugend eine Fortsetzung gibt“, so Schubert. „Denn vor allem für unsere Jugendspieler wäre eine so lange Spielpause kontraproduktiv, sie würden dadurch die Lust an unserem Sport verlieren.“

Dass Nachwuchssportler weiterhin trainieren dürfen nutzte man zuletzt in Gräfinau-Angstedt, wo Heike Reinhardt und Kerstin Leihbecher jeweils am Mittwoch Nachwuchstraining angeboten hatten.

Ähnlich wie Peter Crämer sieht auch Andreas Hedler vom TSV 1865 Langewiesen keine Alternative zum vorzeitigen Saisonabbruch, obwohl er bedauert: „Es ist schade um die ganze Mühe, die wir uns alle im Herbst gemacht haben, damit die Punktspiele unter den jeweiligen Hygienekonzepten über die Bühne gehen konnten. Der Spaßfaktor war dadurch sowieso schon eingeschränkt, denn zu einem richtigen Match im Sportkegeln gehört eben auch die passende Stimmung auf der Bahn.“ Aber die Situation sei, wie sie sei und man müsse nun abwarten, wann man wieder auf die Bahnen könne. „Aber es fehlt einem auch irgendwie der Jahresrhythmus: Als eingefleischter Kegler ist man es gewohnt, im September zum Punktspielbeginn sowie dann im Frühjahr nochmals für die Einzelmeisterschaften in bester Form zu sein. Schade um die bisherigen Spiele, unsere Truppe war in der ersten Landesklasse sogar bisher recht drauf gewesen. Naja“, fügt er an, „da muss man sich eben mit Fahrradfahren fit halten – und mit Spaziergängen mit dem Hund! Mein Labrador sorgt schon dafür, dass ich da nicht einroste ...“

Wie sehr bisher gerade die Kegler als Indoor-Sportart unter den Corona-Einschränkungen und deren unterschiedlichen Handhabungen leiden, davon kann auch Corinna Thiem einiges erzählen. Die erfahrene Sportkeglerin aus Langewiesen sowie ihre Tochter Selina spielen aktuell für den ostthüringischen Bundesligisten Blau-Weiß Auma im Landkreis Greiz. „Wir waren schon bei unseren Auswärtsfahrten speziell nach Bayern mit sehr scharfen Hygienekonzepten konfrontiert. Und jetzt geht erst mal gar nichts: Der Bürgermeister hat die Bahnanlage bei uns einfach mal gesperrt, obwohl die Bahnen in anderen Kreisen mit höheren Fallzahlen offen sind. Man kann so etwas einfach nicht nachvollziehen.“

Betroffen davon ist vor allem auch Selina Thiem, die als Mitglied der Deutschen U 18-Nationalmannschaft eigentlich das Recht hätte, weiterhin zu trainieren (und das eigentlich auch müsste, um die Form zu behalten). Aber wenn die Bahn ganz und gar dicht gemacht ist ... Und eine Alternative als „Einzelkämpferin“ in Langewiesen macht auch wenig Sinn. Alles Dinge, die arg auf die Motivation drücken.

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