Lichte Ein kleiner Trost zum trümmerreichen Ende

Gut zwei Monate liegt der Brand eines Hauses in Lichte zurück. Inzwischen sind nicht nur die Abriss- arbeiten in vollem Gange, sondern auch Spenden für die Betroffenen über die Aktion von "Freies Wort hilft" eingegangen.

Lichte - Die Erinnerungen an den 26. April lassen Christina Bock und Jürgen Hayn bis heute nicht los. Beide waren draußen unterwegs, wollten ihren Abend ruhig ausklingen lassen. Und dann? "Wir hörten die Sirenen. Kurz danach fuhren viele Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Sondersignal in Richtung unseres Hauses. Je näher wir kamen, um so klarer wurde: Es brennt bei uns."

"Freies Wort hilft" in Katzhütte und Schalkau

Nachdem am 23. März zwölf Bewohner von vier Häusern in Reihenbebauung binnen weniger Stunden das Dach überm Kopf verloren haben, hat "Freies Wort hilft" zugunsten der geschädigten Familien zu Spenden aufgerufen. 3009 Euro sind daraufhin zusammengekommen. Auch die Gemeinde hatte eine Hilfsaktion gestartet, bei der, wie Bürgermeister Wilfried Machold zuletzt sagte, 25 400 Euro gesammelt werden konnten. Das Hilfswerk dieser Zeitung wird nun die Summe beider Beträge auf 30 000 Euro aufrunden, die zeitnah an die Opfer übermittelt werden.

Für die Geschädigten des Wohnhausbrandes am 18. März in Schalkau sind auf dem Konto von "Freies Wort hilft" 225 Euro eingegangen. Das Hilfswerk dieser Zeitung stockt den Betrag auf insgesamt 1000 Euro auf und wird diesen in Kürze den Betroffenen zukommen lassen.

Gegen 18.45 Uhr war an jenem Sonntag die Suhler Leitstelle alarmiert worden. Knapp einhundert Kameraden umliegender Feuerwehren rückten aus: ein Doppelwohnhaus in Lichte, etwas nach hinten versetzt zur Bundesstraße im Kupfertal, stand in Flammen. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf eine halbe Million Euro. Zur Brandursache hält man sich weiterhin bedeckt. Nur so viel gibt Jürgen Graf, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Landespolizeiinspektion Saalfeld, auf Nachfrage von Freies Wort preis: "Es laufen strafrechtliche Ermittlungen." Was auf menschliches Verschulden schließen lässt.

Christina Bock und Jürgen Hayn, die Eigentümer des einen Wohnhauses, sowie der dritte Bewohner, der im zweiten Gebäude zur Miete lebte, kamen - abgesehen von einer Rauchgasvergiftung bei einem der drei - unverletzt davon - zumindest körperlich. "Die psychische Belastung ist schon extrem für die Leute. Egal ob Möbel, Hausrat oder Kleidung - da ist kaum etwas zu retten", sagte Lichtes Ortsteilbürgermeister Holger Koch kurz nach dem Brand. Doch besonders schmerzt Christina Bock und Jürgen Hayn der Verlust ihrer Katzen. "Wir haben eine Katzenklappe in der Tür, die alte Katze hätte sicher raus gekonnt, doch die Katzenmutter wollte wohl ihre vier Kleinen nicht aufgeben", so die Lichtnerin. Ihr Lebensgefährte, der allen als Bruno und als leidenschaftlicher Musiker bekannt ist, trauert zudem seiner Sammlung an Gitarren hinterher. Mit jedem Stück seien Erinnerungen verbunden gewesen, ob an bekannte Vorbesitzer oder an Momente der zahlreichen Events. Auch die Anlage, die er für seine Live- Auftritte benötigte, wurde durch den Brand, vielmehr durch das Löschwasser, vernichtet.

Das Paar kam nach dem Feuer zunächst in einer Wohnung im Haus einer befreundeten Familie unter. "Freunde und Familie standen uns so sehr zur Seite", betont Christina Bock. "Wir waren einfach sprachlos über diese Hilfsbereitschaft." Auch Jürgen Hayn pflichtet dem Dank seiner Lebenspartnerin bei. Den Feuerwehren aus Piesau und Lichte bezeugt er vollen Respekt. "Sie kamen später noch öfter vorbei, um nach dem Brandherd und nach uns zu schauen." Unterstützung haben die beiden ebenfalls von Uwe Scheler, Bürgermeister der Stadt Neuhaus am Rennweg, und von Ortsteiloberhaupt Holger Koch erhalten. Vor allem mit Blick auf den Bungalow der Lebensgefährten, für den man sich seitens der Stadt um einen Wasser- und einen Stromanschluss gekümmert hat - so, dass dieser dem Paar nun in der warmen Jahreszeit als Unterkunft dienen kann. Auch das leidige Problem mit den riesigen Sperrmüllmengen, die nicht an der Straße bereit gestellt werden konnten, wurde mit städtischer Hilfe gelöst.

Obendrein haben das Paar etliche Sachspenden erreicht. Und nicht nur das. Auch den Piesauer Heimatfreunden war es ein Bedürfnis, den beiden in der Not beizustehen. Da Jürgen Hayn in gewisser Weise schon lange zu Piesau dazugehört, wo er etwa als Mitglied des SV Piesau Schach spielt oder in seiner Passion als Musiker den Bürgern des Neuhäuser Ortsteiles so einige gesellige und gemütliche Stunden bescherte, haben die Heimatfreunde spontan den Entschluss gefasst, ihm und seiner Lebensgefährtin helfend zur Seite zu stehen. Und so überbrachten sie den vom Brand Geschädigten eine kleine finanzielle Zuwendung, verpackt in einem künftig hoffentlich zugleich Glück bringenden Sparschwein. Eine Zuwendung, die für das Paar gewiss eine kleine Stütze sein sollte. Ebenso wie das Geld, das über den Spendenaufruf vom Verein dieser Zeitung, "Freies Wort hilft", sowie von den Bürgermeistern Uwe Scheler und Holger Koch im Namen der Stadt Neuhaus und dem Ortsteil Lichte zusammengekommen ist.

1535 Euro sind auf dem Konto von "Freies Wort hilft" eingegangen. Ein Betrag, den das Hilfswerk dieser Zeitung auf insgesamt 2000 Euro aufrundet. Einer, der den Brandopfern in Kürze zugute kommen wird.

Jeden Tag waren Christina Bock und Jürgen Hayn seit dem Brand an ihrem ehemaligen Heim zugange. Zwischenzeitlich ähnelte das Umfeld ihres Hauses einem Flohmarkt. Überall hatten sie ihre ihnen gebliebenen Sachen ausgebreitet, um sie trocknen. Noch lange lag der Brandgeruch in der Luft. Nun müssen die beiden dabei zusehen, wie ihr einstiges Zuhause dem Erdboden gleichgemacht wird. Denn seit Dienstag sind die Abrissarbeiten in vollem Gange. Doch blicken die beiden zuversichtlich in die Zukunft. Ihr Plan lautet, auch die andere Hälfte des Grundstückes zu erwerben und dort, wo einst das Doppelhaus stand, einen Neubau zu errichten.

 
 

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