Lauschaer Christbaumschmuck Nun ist das Welterbe amtlich

Doris Hein

Wer hat’s erfunden? Na klar: Christbaumschmuck hat seine Wiege in Lauscha. Das macht die Tradition der dortigen Handwerker seit dem Frühjahr zum Unesco-Weltkulturerbe. Nun gab es endlich die offizielle Urkunde dazu. Damit ist der Welterbe-Status amtlich beglaubigt. Ein frohes fest für die Lauschaer.

Lauscha - Bekanntlich wurde am 19. März dieses Jahres auf Empfehlung des Unabhängigen Expertenkomitees der Deutschen Unesco-Kommission die „Herstellung von mundgeblasenem gläsernem Lauschaer Christbaumschmuck“ in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Vor wenigen Tagen ehrte nun die deutsche Unesco-Kommission mit einer Auszeichnungsveranstaltung im Düsseldorfer Schauspielhaus die Trägergruppen der diesjährigen Neuaufnahmen. Zwanzig an der Zahl waren es, die sich – unter strengen Corona-Auflagen, aber mit viel Freude über das Erreichte – dort einfanden. Sie kamen aus ganz Deutschland, ihre Themen reichten vom Streuobstanbau über die Hüttenkultur im Pfälzerwald bis zum Uhrmacherhandwerk.

Mit dabei waren auch die zuständigen Vertreter für die Kulturform „Herstellung von mundgeblasenem gläsernem Lauschaer Christbaumschmuck“: Lothar R. Richter, der Initiator des seit 2019 laufenden Antrages, und Gerhard Greiner-Bär, Mitautor der erfolgreichen Bewerbung. Der Dritte im Bund der Protagonisten, Jürgen Müller-Blech, konnte leider aufgrund einer unaufschiebbaren Operation nicht mit nach Düsseldorf reisen.

Die geehrten Persönlichkeiten aus der ganzen Bundesrepublik erlebten eine anspruchsvolle Kulturveranstaltung mit künstlerischen Beiträgen des Düsseldorfer Schauspielhauses. Im Mittelpunkt stand natürlich die Würdigung der Akteure für ihre langjährige, erfolgreiche Tätigkeit um „Wissen, Können, Weitergeben“. Dieses Leitmotiv des Immateriellen Kulturerbes griff auch Professor Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe und 1. Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, in seiner Laudatio auf. Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, schloss sich seinen lobenden Worten für die engagierten Vertreter des Kulturerbes in ihrer Grußansprache an.

In Anwesenheit weiterer hochrangiger Persönlichkeiten, unter ihnen Wilfried Schulz, Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, und Marlen Meißner, Abteilungsleiterin Erbe, Natur, Gesellschaft der Deutschen Unesco-Kommission, überreichte schließlich Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin Kultur im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die begehrten Urkunden.

Dabei kamen auch die Vertreter der gewürdigten Kulturformen zu Wort. Richter hob in seiner kurzen Ansprache hervor, dass sein Heimatort „Lauscha die Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmucks ist, welcher von hier aus seinen Siegeszug um die ganze Welt vollzogen hat“. Der mundgeblasene gläserne Lauschaer Christbaumschmuck, so Richter, sei heute angesichts von massenhaften Billig- und Nachahmerprodukten aus China, Russland, Polen und Tschechien bei Kennern und Liebhabern begehrt und inzwischen beliebtes Sammlerobjekt. Mit dem Eintrag haben Lauscha und sein weltweit verbreitetes traditionelles Erzeugnis, das allerorts Augen am Weihnachtsfest zum Strahlen bringt, eine große Aufwertung erfahren, betonte der Redner. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, all jenen zu danken, „die letztlich dazu beigetragen haben.“

„Das Verzeichnis macht die Bedeutung und Vielfalt lebendiger Kulturformen in und aus Deutschland sichtbar“, heißt es auf der Urkunde. Doch eine Urkunde allein, so wertvoll sie auch sein mag, reicht nicht aus, um dieses spezielle Lauschaer Erbe Menschen auf Dauer nahezubringen und es somit am Leben zu erhalten. Deshalb betont Richter, es komme nunmehr auf die künftigen Aktionen all derer an, denen am Fortbestand dieser Kulturform gelegen sei. „Jetzt, in der Phase nach der Anerkennung und der Aufnahme des Lauschaer Christbaumschmuckes mit seiner besonderen Tradition und Herstellungsweise ins Bundesweite Verzeichnis, sind weitere Aktivitäten gefordert“, erklärt er. So sei es äußerst begrüßenswert, dass im Lauschaer Museum für Glaskunst seit einigen Wochen Umbauarbeiten vorgenommen werden. Sie sollen es ermöglichen, dem Schmuck fürs Weihnachtsfest, seiner Geschichte und seiner aktuellen Bedeutung und Vielfalt den gebührenden Platz einzuräumen. In einer Vitrine an exponierter Stelle im neu gestalteten Abschnitt des Museums wird die Urkunde, die Richter und Greiner Bär vergangene Woche aus Düsseldorf mitgebracht haben, einen Ehrenplatz erhalten.

Zum „Dranbleiben“ am Thema „Immaterielles Kulturerbe“ gehört für Richter auch die Gestaltung und Umsetzung der besonderen Haustafeln, die darauf verweisen, dass im jeweiligen Gebäude Erzeugnisse entstehen, die Bestandteil der traditionellen Kulturform „Herstellung von mundgeblasenem gläsernem Lauschaer Christbaumschmuck“ sind. Als besonders wichtig erachtet er zudem die Tatsache, dass nunmehr der Inhalt des Antrages auf die Aufnahme ins Bundesweite Verzeichnis zum Bestandteil des Lehrplanes an der Berufsfachschule Glas in der Lauschaer Bahnhofstraße gemacht wird. Schließlich wird hier der Nachwuchs ausgebildet, der das kunsthandwerkliche Erbe in der Zukunft weiterhin mit Leben erfüllen soll.

Was ist immaterielles Kulturerbe?

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die Unesco den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Bis heute sind 180 Staaten dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland gehört dem Vertrag seit 2013 an.

Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zeigt exemplarisch, welche lebendigen kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland gepflegt und weitergegeben werden. Das nationale Register würdigt kreative, inklusive und innovative Kulturformen…

Über Aufnahmen in das Verzeichnis wird regelmäßig in einem mehrstufigen Verfahren entschieden. In Thüringen nimmt das für Kultur zuständige Ministerium die Anträge entgegen und legt sie einer Landesjury zur Begutachtung vor. Ein Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission diskutiert die Einreichungen aus den Bundesländern und spricht Empfehlungen aus. Eine Ausschreibungsrunde dauert von der Bewerbung bis zur Entscheidung zwei Jahre. Im Bundesweiten Verzeichnis befinden sich derzeit insgesamt 126 Einträge: 113 Kulturformen und 13 Modellprogramme zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes.

Thüringen ist mit vier Einträgen vertreten:

n das Skatspiel aus Altenburg

n der Eisenacher Sommergewinn

n die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession

n der Lauschaer Christbaumschmuck.

Im April 2021 startete die fünfte Vorschlagsrunde für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen, die eine kulturelle Ausdrucksform im Sinne des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes praktizieren, können sich bei der Thüringer Staatskanzlei noch bis 31. November 2021 um die Aufnahme bewerben.

Informationen zum Verfahren, Bewerbungsformular und Merkblatt gibt es auf den Seiten der Thüringer Staatskanzlei und der Deutschen Unesco-Kommission. Seit diesem Jahr gibt es zudem ein Landesverzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe, mit dem die Thüringer Landesregierung dazu beitragen möchte, das reiche und lebendige Kulturerbe in Thüringen noch sichtbarer zu machen.

 

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