Kulturnacht mit Premiere Am Rennsteig wird wieder gesungen

Karl-Wolfgang Fleißig

In den Südthüringer Dörfern muss man schon selbst Hand anlegen, wenn Kultur gebraucht wird. In Gießübel gab es jetzt die „Lange Nacht der Kultur“. Mehrere Chöre und Tanzgruppen sorgten für einen kurzweiligen Abend. Für ein Ensemble aus Neuhaus am Rennweg war es die Premiere. Die Newway Voices gründeten sich zwar schon 2020, aber Corona ließ sie nicht vor großes Publikum.

Auf nach Gießübel ins dortige Kulturhaus zur „Ersten langen Nacht der Kultur“ hieß es am vergangenen Sonnabendabend für Chorbegeisterte. Dabei gab es gleich zwei „Kracher“ – die Newway Voices aus Neuhaus am Rennweg feierten ihren Premierenauftritt und der Männerchor Gießübel hatte das Comeback des Jahres. Eingeladen zu diesem Event hatten die Neubrunn-Vokalisten. Die sieben Sänger sind Mitglied im Gesangsverein Gießübel. Der Gießübler Gesangsverein hatte jedes Jahr Chorveranstaltungen organisiert, so Axel Amm von den Neubrunn-Vokalisten. Aus Altersgründen der Mitglieder jedoch hat man davon Abstand genommen, was nun die Neubrunn-Vokalisten „neu aufziehen und frischen Wind“ bringen wollen.

Die Newway Voices vom Rennsteig wurden am 1. Januar 2020 gegründet. Wegen der bereits oft zitierten Corona-Pandemie konnten die Mitglieder bisher noch nicht auftreten, so dass es an diesem Abend ihr Premiere-Auftritt war. Auch wenn sie nur in geringerer Besetzung als möglich antreten konnten, so haben sie aus der Sicht der Gäste ihren ersten Auftritt prima gemeistert. Für den Franken und den Bayern im Ensemble gab es auch Ostrocklieder, „damit sie unsere schönen Lieder von damals kennenlernen“, so Anja Schmidt.

Nach zwei Jahren Corona bedingter Pause wollten die Veranstalter ihre Gleichgesinnten zu einem Neuaufbruch in die Zeit danach motivieren. Eingeladen waren nicht nur traditionelle Chöre, sondern auch junge und moderne Formationen. „Wir wollen keine Monokultur, sondern den Abend abwechslungsreich gestalten“, so Axel Amm. Gibt es noch genug Sänger oder wollen vielleicht nach der langen Pause nicht mehr alle Chöre diesen „Nach-Corona-Beginn“ wagen?

So hatten neben den Gastgebern den Weg in das Kulturhaus nach Gießübel das Blasorchester Gießübel, der DaChor aus Ilmenau, die Kirmesgesellschaft Schönbrunn, die Jugendgarde des Gießübler Carneval Clubs (GCC) und der Gemischte Chor aus Gießübel sowie die bereits genannten Newway Voices aus Neuhaus am Rennweg und der Männerchor aus Gießübel gefunden. Neben den Akteuren aus der Gemeinde Schleusegrund war man mit den weiteren Gastchören im Internet fündig geworden und hatte entsprechenden Kontakt aufgenommen.

Den musikalischen Abend leitete das Blasorchester Gießübel mit dem Triumphmarsch aus der Oper Aida und zwei Alphörnern sowie Schlagzeug ein. Alena und Hanna von den Neubrunn-Vokalisten begrüßen die Gäste und führten humorvoll durch das Programm. „Wir haben heute ein vielseitiges Programm und bis zum nächsten Lockdown müssen wir durch sein“, so die beiden schmunzelnd. „Wir haben heute viele interessante Gäste, die unserer Einladung gefolgt sind.“

Auch Schleusegrunds Bürgermeister Heiko Schilling ließ es sich nicht nehmen, um die Akteure und Gäste zu begrüßen, „der für kurze und prägnante Reden“ bekannt sei. Besonders nach zwei Jahren Chor-Abstinenz ist es für ihn schön, diesen Abend hier verbringen zu können. Besonders freut es ihn auch, dass ein junger Chor da ist, der diesen Abend organisiert hat und durchführt – eben die Neubrunn-Vokalisten. Es sei bei Vereinen überhaupt viel kaputt gegangen und umso mehr freut sich Schilling, dass der „traditionsreiche Chorgesang in Gießübel auf diese Art und Weise hochgehalten wird. Das ist super“. Er wünsche allen Akteuren auf und vor der Bühne viel Erfolg und allen Gästen einen schönen Abend.

Im Wechsel traten die einzelnen Sangesgruppen mit einer vielfältigen Liedauswahl auf. Das Gießübler Blasorchester sorgte zwischen den Auf- und Abgängen hinsichtlich der Bühne für kurzweilige Unterhaltung. Der Männerchor Gießübel wurde von Alena und Hanna als „geballte Sangeskraft“ angekündigt und beschrieben als „je älter – desto exklusiver“. Auch für diese Sänger war es nach zwei Jahren wieder ihr erster Auftritt. „Wer den Chor kennt weiß, dass einige fehlen“. Ob der Männerchor in Zukunft weiter auftritt, das hänge vom Applaus ab, so der Chor. Er erhielt die Aufforderung zum Weitermachen – der Applaus bewies es und auch Zugaberufe waren zu vernehmen. Die Moderatorinnen stellten ebenfalls fest: „Es wäre schade gewesen, wenn uns sie entgangen wären.“

Für den Gemischten Chor Gießübel stand schnell fest, dass man dabei ist, schließlich sei die Bühne wie das zweite Wohnzimmer für sie. Angekündigt wurde sie als „goldene Stimmen“.

Die jüngeren Gardemitglieder des GCC sorgten ebenso wie die Mitglieder der Kirmesgesellschaft Schönbrunn für spritzige Tanzeinlagen. Die Gardemitglieder wurden mit dem Schlachtruf des GCC „He-Jo“ begrüßt.

Für den DaChor heißt es, Freude und Spaß am singen zu haben. „Es ist eine Gruppe von Hobby-Sängerinnen und Hobby-Sängern (ehemaliger) Studierender der TU Ilmenau.“

Das Schlussbild auf der Bühne bildeten Mitglieder der aufgetretenen Akteure mit dem Lied „Ein schöner Tag“. Und auch das Gießübler Blasorchester setzte mit dem Stück „In Harmonie vereint“ einen Schlusspunkt, der den Abend auf den Punkt brachte.

Schließlich gab es noch einen Aufruf von Alena und Hanna an die Erwachsenen im Saal. Wer Kinder oder Enkelkinder hat, die einen einigermaßen akzeptablen Ton singen können – man möge sie doch in einem Chor anmelden, um den dortigen Nachwuchs zu sichern.

Der Applaus war allen Gruppen des Abends sicher. Es durfte mitgeklatscht und mitgeschunkelt werden.

Es war ein rundweg gelungener schöner Abend mit Gesang, Tanz, Musik und Live-Musik, den die Neubrunn-Vokalisten da an diesem Samstagabend organisiert haben. Wenn es eine schöne Veranstaltung sei, so denkt man darüber nach, ein solches Angebot zu wiederholen, meint Kathleen Amm. Also darf man neugierig sein, ob und wann es eine „Zweite Lange Nacht der Kultur“ in Gießübel geben wird. Unterstützung fanden die Organisatoren beim GCC, der unter anderem bei der Bewirtung der Gäste hilfreich zur Seite stand und bei der Kommune Schleusegrund, die den Saal im Gießübler Kulturhaus kostenfrei zur Verfügung stellte und einen freien Eintritt zur Kulturnacht ermöglichte. Spenden waren natürlich willkommen. Den Abschluss der „Ersten langen Nacht“ bildete die Gruppe „Metronom“ mit Live-Tanzmusik“.

 

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