Für Karl-Heinz Rummenigge ist es eine "Mission Impossible", für die Abwehr des FC Bayern eine Nagelprobe und für Trainer Jürgen Klinsmann möglicherweise seine letzte Spesenabrechnung. Selbst unerbittliche Gegner der Millionenauswahl von der Isar dürften heute kaum vom Fernsehbildschirm wegzubewegen sein, wenn der deutsche Rekordmeister ab 20.45 Uhr zum Auswärtsspiel beim FC Barcelona gegen den Ball tritt. Ribery gegen Messi oder Eto'o gegen Toni heißen nur zwei der klangvollen Duelle, die eine zärtliche Behandlung des runden Leders, rasante Tempodribblings und taktische Raffinesse erwarten lassen. Die Chancen, dass am Ende nicht nur der neutrale Fachmann mit der Zunge schnalzt, sondern auch die Münchner Fangemeinde Jubelgesänge anstimmen kann, stehen dabei denkbar schlecht - zumindest auf den ersten Blick. Erst am Wochenende hat die Klinsmann-Elf bei den Emporkömmlingen aus Wolfsburg schmerzhafte Prügel bezogen. 5:1 hieß es am Ende. Von Grafites Einladung zum Tanzunterricht beim letzten Gegentreffer dürfte der bajuwarischen Hintermannschaft noch heute schwindlig sein. Und das ist lediglich ein warmer Vorgeschmack auf das gewesen, was den deutschen Vorzeigeklub im Hexenkessel von Camp Nou erwartet. Dass gerade vor dem "Kräftemessen der Saison" und seinem persönlichen Schicksalsspiel die Personaldecke immer dünner wird, lässt die Sorgenfalten von Bayerntrainer Klinsmann bestimmt nicht kleiner werden. Ohne den besten Torschützen der Königsklasse, Miroslav Klose, dafür mit einem Lukas Podolski, der eher den eigenen Mitspieler als das gegnerische Tor trifft, reist das Team zum spanischen Tabellenführer. Die Großkopferten des Bundesligisten gefallen sich jedoch in der Rolle des krassen Außenseiters, nur einer schlägt Alarm. Ausgerechnet Barcelonas Trainer Guardiola wird nimmermüde, vor dem FCB zu warnen. Und recht hat er. Wer die Bayern unterschätzt, hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nach dem Debakel in der VW-Stadt wird die Klinsmann-Elf mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch aufs Feld laufen. Außerdem richten die Topspieler ihren Fokus ohnehin auf die Eliteklasse. Für die Edelkicker ist das Champions-League-Spiel ein Festtagsmenü, die Bundesliga nur Trennkost. Hier rollt der Rubel. Die Stars können ihren Marktwert steigern und vor den Nationaltrainern schaulaufen. Jürgen Klinsmann wird versucht sein, das letzte bisschen Motivationskunst herauszukitzeln, um seine Saisonbilanz mit dem Erreichen des Halbfinals noch einmal aufzupolieren. Zuversichtlich stimmt auch ein Blick in die Statistik. Beim letzten internationalen Aufeinandertreffen 1998 konnte der FC Bayern beide Vorrunden-Spiele gegen den Titelträger von 2006 gewinnen. Also schaun mer mal.