Es sind hoffnungsvolle Signale, die da aus Weimar kommen: Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte schneller erfolgen, als es sich viele vor Jahren nicht einmal erträumt haben. Nutzt man konsequent die Möglichkeiten, die Wind, Sonne, Wasser und Biomasse eröffnen, könnte man die Klimakatastrophe vielleicht noch zum weniger dramatischen Klimawandel herunterstufen. Dazu kommt die erfreuliche Perspektive, dass die Energiepreise nicht zwangsläufig ins Unbezahlbare steigen werden, wenn Öl und Gas knapp werden. Besonders interessant bei der gestrigen Erneuerbare-Energien-Konferenz in Weimar erscheinen zudem zwei Aspekte: Die enorme regionale Wertschöpfung, die mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien verbunden sein kann. Zumal vor allem strukturschwache ländliche Räume davon profitieren könnten, wenn man dort die Energieerzeugungs-Chancen ergreift. Und die Frage, ob der Ausbau in zentralen oder dezentralen Strukturen erfolgen wird. Es wird Zeit, dass sie stärker in den Fokus rückt. Denn sollten die erneuerbaren Energien vor allem von den Offshore-Parks der vier marktbeherrschenden Energiekonzerne kommen, werden große Chancen verspielt. Es würde weniger regionale Wertschöpfung geben und weiterhin überhöhte Energiepreise. Dafür würde ein gigantischer Netzausbau drohen. Auch dieser Zusammenhang wurde gestern mehrfach hervorgehoben. Während umgekehrt bei der dezentralen Energieerzeugung weniger Netzkapazität benötigt wird, weil ein größerer Teil des Stroms vor Ort bereits verbraucht werden kann. Besonders neckisch an der Geschichte: Gastgeber Wirtschaftsminister Matthias Machnig vertrat bisher die Meinung, der Ausbau des Netzes sei wegen der erneuerbaren Energien nötig, insbesondere die umstrittene 380-kV-Leitung durch den Thüringer Wald. Jetzt werden auf seiner eigenen Konferenz Fragestellungen in den Mittelpunkt gerückt, die Zweifel an der Notwendigkeit eines massiven Netzausbaus nähren. Vielleicht sollte er sich die Variante dezentraler Netzausbau, die gestern einhellig gefordert wurde, noch einmal durchrechnen lassen.
Klartext Neuer Fokus
Von Georg Grünewald 03.02.2011 - 00:00 Uhr