Morgen also Wintersonnenwende: längste Nacht, kürzester Tag, tiefster Stand der Sonne. Man möchte sich am liebsten die Bettdecke über die Ohren ziehen. Oder mit Wagners Walküre wehklagen: „Winterstürme wichen dem Wonnemond.“ Die Dunkelheit hat uns umhüllt, Schwarz regiert unverfroren die Stunde. In Berlin ohnehin, allenfalls einige rote Irrlichter sind noch auszumachen. Frau Merkel spielt mit Herrn Beck Schwarzer Peter, bis der sich schwarzärgert. Und Franz Müntefering liest bei Shakespeare nach: „Der Winter unsers Missvergnügens.“ Die SPD sieht derzeit tatsächlich schwarz – und für sie muss man es auch. Doch an dieser Stelle Schluss mit schwarzem Humor auf Kosten einer Splitterpartei! Es gibt auch Zwischentöne, allerdings eher in Musik und Malerei, kaum in der Politik. Und damit vom Schwarzhandel der Parteien zu Grau, das bekanntlich vor allem Katzen des Nachts vortrefflich steht. Vorbei der Spott: „Zu Ihnen passen, gnädige Frau, drei Farben: Black, Noir und Schwarz.“ Nix mehr in diesem Winter mit dem kleinen Schwarzen. Grau in Grau ist „in“ – bei Dior und Prada und wie diese Haute-Couture-Edeldesigner alle heißen. Einer ihrer großen Schöpfer hat das so umflort: „Wir wollen einen neuen coolen Stil etablieren, der urban und dennoch leicht zerbrechlich wirkt.“ So viel graue Theorie hat der Erzschelm Loriot einst kochfest gemacht, als er „Mausgrau, Aschgrau, Staubgrau oder ein frisches Steingrau“ bei einer modischen Exkursion der Kundin anbot. Das Ergebnis: die geliebte Ehefrau, ein unbunter Graustrumpf! Was bleibt da uns Männern: in Ehren grau zu werden, damit dann unser graues Haupt geehrt wird. Als Graue Eminenz? Als Grauer Panther? Lassen wir es vorerst offen. Natürlich steht jetzt erst einmal Weihnachten vor der Tür. Mit viel Licht im Dunkeln. Danach aber, und jetzt lupfen wir die Bettdecke wieder ein bisschen, danach – und damit Schluss mit Sack und Asche – ahnen wir (wie Theodor Storm): “... Doch warte nur ein Weilchen! / Der Frühling kommt, der Himmel lacht, / Es steht die Welt in Veilchen.“