Wenn man derzeit über einen Elefanten im Porzellanladen spricht, dann wissen wir, dass wahlweise von Gaddafi, Ahmadinedschad oder Westerwelle die Rede ist. Wenn wir zwei gekreuzte Schwerter erblicken (nicht zu verwechseln mit dem Symbol der Küche "Gekreuzte Möhrchen" auf St. Pauli), dann steht entweder ein Angehöriger der Bundeswehr mit dem entsprechenden Abzeichen (was uns diesmal nicht interessieren soll) oder eine Porzellantasse aus Meißen, möglichst mit dem Zwiebelmuster, vor uns.

Ein Stück aus einem Stoff, mit dem viele unserer Vorfahren ihre Träume gefertigt haben. Das aber auch Spiegelbild heutiger globalisierter Verhältnisse ist: mit Gründermythos, Industriespionage, Hochstapelei, Fälschung, Diebstahl. Erfunden wurde das kostbare Geschirr im 7. Jahrhundert von den Chinesen. Danach scherte sich niemand um das Copyright, nicht die Japaner, auch nicht Johann Friedrich Böttger mitsamt seinem Patron August dem Starken. Der Alchimist versprach seinem Herrn und Meister Gold, wie derzeit viele Investmentbanker ihren Kunden, schaffte aber immerhin Porzellan, während die Finanzjongleure häufig nur Schrott produzieren. Genau 300 Jahre ist es her, dass der Sachsenkönig in Meißen die erste deutsche Manufaktur gründete. Schon kurz darauf wurde die Rezeptur nach Wien entführt, vergleichbar der CD, die von einer Liechtensteiner Bank den verschlungenen Weg zum deutschen Fiskus findet. Und exakt vor 250 Jahren wurde in Thüringen das erste weiße Gold gebrannt. Entsprechend wird deshalb auch hierzulande, wie in Sachsen, das Ereignis gefeiert, beispielsweise mit mehr als einem Dutzend Sonderausstellungen. Wer es noch genauer wissen und hautnah erleben möchte, der sollte die Thüringer Porzellanstraße nutzen. Sie gibt es seit 1992. Auf gut 300 Kilometern sind zahlreiche Porzellanhersteller (der größte Betrieb steht südlich von Jena in Kahla) und -malereien, dazu eine Fülle interessanter Exponate in Museen und Heimatstuben zu finden. Wenn Sie jetzt aber, verehrte Leserinnen und Leser, in den nächsten Tagen auf dieser Route unterwegs sind, dann vergessen Sie bitte nicht: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Das gilt übrigens nicht nur für den Straßenverkehr. Denn unter diesem Motto führt auch Angela Merkel seit fast fünf Jahren ihre Koalitionsregierungen. Wobei inzwischen mancher jedoch befürchtet, dass in dem Berliner Behältnis allenfalls Fayencen, wahrscheinlich aber nur billige irdene Schüsseln verwahrt werden.