Impfbereitschaft Der Impfstoff da, doch die Lust auf ihn schwindet

Cornelia Betsch forscht an der Uni Erfurt zum Thema Impfen. Foto: dpa

Seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr erhebt ein Team der Universität Erfurt die Meinung der Deutschen rund um die Pandemie. In einer der jüngsten Befragung ging es auch um das Thema Impfungen. Die Ergebnisse sind teils ernüchternd.

Erfurt - Im Frühjahr war die Welt noch in Ordnung. Nein, war sie eigentlich nicht, denn das Coronavirus hatte Deutschland längst im Griff. Doch damals waren noch 79 Prozent der Menschen bereit, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Nun, wo der erste Impfstoff zugelassen und den Menschen gespritzt wird, ist die Bereitschaft zur Impfung rapide gesunken. Nur noch 48 Prozent haben die Absicht, sich impfen zu lassen. Zu wenig, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Zu wenig, um durch die Impfung den Weg aus den dauerhaften Corona-Beschränkungen zu finden.

Die Zahlen sind Ergebnisse aus einem der jüngsten Corona-Snapshots des Forscherteams um Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Seit dem Frühjahr befragen die Wissenschaftler in regelmäßigem Abstand die Deutschen zu ihren Meinungen rund um die Corona-Krise. So konnte sie im Sommer eine gewisse Müdigkeit der Deutschen in der Pandemie nachweisen. Und sie erkannte schnell, dass die Akzeptanz für bestimmte Maßnahmen abnahm, je länger die Pandemie dauerte.

Beim Impfen hat sie nun nachweisen können, dass die anfänglich hohe Bereitschaft der Deutschen kontinuierlich abnahm, je näher ein Impfstoff tatsächlich kam. Nur noch 48 Prozent würden sich wahrscheinlich gegen Covid-19 impfen lassen, ergab die jüngste Umfrage. Und die entstand Mitte Dezember. Seitdem herrscht gefühlt Impf-Chaos in Deutschland. Und das dürfte der Bereitschaft zur Impfung nicht förderlich sein.

Die Impfbereitschaft ist laut Umfrage höher bei Personen, die Vertrauen in die Sicherheit der Impfung haben. Laut Betsch ost dies der wichtigste Faktor. Sie würden sich auch überwiegend nicht auf die Impfung anderer verlassen wollen, Impfen als Bürgerpflicht wahrnehmen und die der Überzeugung sind, dass schwere Impfnebenwirkungen durch den Staat versorgt und behandelt werden.

Ein weiteres Ergebnis: Männer sind eher bereit, sich impfen zu lassen als Frauen. Wohl auch, weil sie ein höheres Risiko für einen komplizierten Verlauf der Covid-Erkrankung haben. Hoch ist die Akzeptanz zudem bei Personen, in deren Familien Impfen praktisch schon immer üblich war.

Die Impfbereitschaft ist geringer für Personen, die Nutzen und Risiken der Impfung abwägen wollen oder glauben, dass Impfnebenwirkungen verheimlicht werden. Personen, die die Corona-Schutzmaßnahmen generell für übertrieben halten, haben auch eine geringere Impfbereitschaft.

Das Vertrauen in die Sicherheit eines neuen Corona-Impfstoffs ist in der Erhebung von Mitte Dezember auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Die meisten Teilnehmer wissen nicht, um welche Art des Impfstoffs es sich bei den Impfstoffen handelt, für die eine Zulassung beantragt wurde. Es handelt sich um einen genbasierten Impfstoff. Das Wissen steigt aber im Vergleich zu den Vorwochen.

Das Wissen über den Impfstofftyp beeinflusst die Impfbereitschaft derzeit nicht. 52 Prozent sehen die Impfung gegen Covid-19 vor allem als Vorbeugung einer eigenen Erkrankung, 24 Prozent sehen eine Impfung eher als Intervention, die die aktuellen Einschränkungen beseitigen könnte.

Hypothetische Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft wurden ebenfalls abgefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass ausschließlich umfassende Informationskampagnen und keine weiteren Anreizsysteme breit akzeptiert sind. Frühere Erhebungen zeigten gleichermaßen, dass eine finanzielle Belohnung auf die Impfbereitschaft keinen Einfluss hätte.

Betsch und ihr Team leiten folgende Empfehlungen aus den Umfrageergebnissen ab: Regelmäßige transparente Aufklärung über den Stand der Entwicklung und die Arten der neu entwickelten Impfstoffe können helfen das Vertrauen zu stärken. Eine Mobilisierung von Ressourcen, um aufkommende Fragen schnell beantworten zu können, sei ratsam, um die Einführung eines Corona-Impfstoffs optimal vorzubereiten.

Die Impfung wird vor allem als als Prävention angesehen und nicht so sehr als Intervention zur Beendigung der Pandemie. Benötigt werden aus Sicht der Wissenschaftler vor allem Informationen über klassische Medien und Ärzte. Doch gerade die Hausärzte wurde in der aktuellen Impfstrategie vernachlässigt. Und das, obwohl sie der erste Ansprechpartner für Patienten sind. jol

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