Ilmenau – „Morgens halb zehn in Deutschland“, versuchte der Moderator des MDR-Thüringen-Journals Dienstagabend kurz nach 19 Uhr witzig zu sein, lag aber mit seiner Anmoderation gleich falsch. Halb zehn war am Dienstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel noch nichts zu sehen, da standen die Ilmenauer Goetheschüler noch nicht einmal Spalier. Angekündigt war die Regierungschefin erst für 10.30 Uhr und traf 10.37 Uhr unterhalb des Lindenbergs ein.

Doch dieser Fehlgriff in der Anmoderation, der zudem einem Werbeslogan entlehnt war, blieb das kleinere Übel für die Ilmenauer in der Fernsehwelt des gestrigen Abends. Obwohl über 45 Medienvertreter auf dem Rasen vor der Schule aufgebaut hatten, darunter zahlreiche Fernsehkameras, war die Resonanz im abendlichen Nachrichtengeschehen der Fernsehsender ernüchternd. Das Thüringen-Journal des MDR immerhin widmete den zweiten Beitrag der Sendung dem Besuch, ließ neben Kanzlerin, Ministerpräsident und Schulleiter auch einige Schülerstimmen erklingen. Hintergrundberichterstattung konnte bei gerademal drei Minuten Sendezeit für diesen Beitrag kaum erwartet werden.

Wer als Ilmenauer am Abend die Hauptnachrichtensendung der Tagesschau 20 Uhr verfolgte, musste feststellen, dass Ostdeutschland, geschweige denn Ilmenau, dort keine einzige Meldung Wert war. Aufmacher der Tagesschau war das Atommülllager Asse, es folgten Berichte zu Afghanistan, Anklage gegen Terrorverdächtige, Kaukasus-Konflikt, Thailand. Sieben von zwölf aufgelegten Hauptthemen widmeten sich dem Ausland. Selbst die angekündigte Clusterförderung des Bundes wurde vor dem Radsport als vorletztes Thema nur angerissen. Dass der Osten hier mit Solartechnik Maßstäbe setzt, war nicht erwähnenswert. Kaum anders das ZDF-Heute-Journal, eingefügt in Kahns Abschiedsspielhalbzeitpause: Atommüllager, Überschwemmung in Indien und ein Nachrichtenüberblick waren hier die Schlagzeilen. Auch die ARD-Tagesthemen widmeten sich Dienstagabend nicht der Bildungspolitik oder Ilmenaus Kanzlerin-Besuch.