ILMENAU Einmal im Jahr treffen sich die Vertreter der Informatik- Fakultäten der Deutschen Universitäten zu einer Plenartagung des Fakultätentages. Im Jahr der Informatik war es die TU Ilmenau, die als Gastgeber ausgewählt wurde. Professor Andreas Mitschele-Thiel, Dekan der Fakultät für Informatik und Automatisierung an der TU Ilmenau, betrachtete diesen Umstand als Wertschätzung für die Ilmenauer Informatik.
Probleme mit den Kapazitäten
Thematisch hielt sich die Tagung jedoch nicht lange bei Wertschätzungsfragen auf. Professor Manfred Nagl, Vorsitzender des Fakultätentages und Lehrstuhlinhaber für Informatik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, nannte eine Reihe brennender Themen, von denen die Kapazitätsproblematik mit denen Informatik-Fakultäten zu kämpfen haben sowie der Bologna-Prozess zu den wichtigsten zählen.
Nagl betonte zwar, dass die Umstellung auf neue Studienabschlüsse durchaus sinnvoll sei, mahnte aber an, die Vorzüge des deutschen Diploms als Markenzeichen nicht zu unterschätzen und diese im Kern zu erhalten. Mit der Stufung Bachelor und Master entsteht auch die Gefahr, dass die jungen Leute gleich nach dem Bachelor weggehen, gab der Informatik-Professor seiner Sorge um den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Universitäten Ausdruck. Professor Mitschele-Thiel unterstrich dies: Wir brauchen in den Universitäten Leute mit Spitzenideen und können uns nicht mit Programmierern profilieren! Kritik am Verhalten der Politiker übten die Wissenschaftler besonders mit Blick auf die nicht ausreichenden Kapazitäten der Informatik-Fakultäten und den immer wieder auftauchenden Versuchen, diese weiter zu beschneiden. Professor Nagl: Die Politik hat bis heute nicht begriffen, dass der Drang nach dem Schnellen und Effektiven auch in sein Gegenteil umschlagen kann. Nicht umsonst habe Bayern bewusst mehr Kapazitäten als nötig aufgebaut: Das zieht Leute an. Und Professor Mitschele-Thiel fügte hinzu: In fast jedem technischen Gerät steckt heute in irgend einer Form Informatik drin. Um so verwunderlicher ist es, dass gerade bei der Informatik immer wieder an Abbau gedacht wird.
Absolventen heiß begehrt
Der Ilmenauer Informatik-Dekan betonte, dass die Absolventen seiner Fakultät in der Industrie heiß begehrt sind: Wir haben nicht das Problem, dass wir zu viele Informatiker ausbilden, sondern, dass diese nicht mehr reichen. Unverständlich sei es deshalb, dass es nach dem Informatik- Sonderprogramm nun wieder andersherum gehen soll. Professor Nagl gab zu bedenken: Wenn wir nicht genügend Qualifizierte ausbilden, wandert die Ausbildung irgendwann nach China ab. Und Mitschele- Thiel nannte noch eine andere Tatsache: In keiner anderen Branche als der Informatik ist es mit so vergleichsweise wenigen Mittelnmöglich, eine Firma aufzubauen. Auch daran muss die Politik einmal denken!