Ilmenau/Arnstadt/Erfurt - Die Marktwirtschaft, so wurde sie einst gepriesen, richtet sich nach Angebot und Nachfrage und damit pegle sich vieles von selbst ein. Im Idealfall gleicht sich dies aus, doch längst nicht mehr überall und auf dem Arbeitsmarkt ohne staatliche Steuerung eben nicht. So wird plötzlich das Fehlen von Lehrern oder Pflegekräften bemerkt, wofür es in der Vergangenheit zu wenig staatliche Lenkung gab. Dabei fällt der Gesellschaft heute auf die Füße, dass das Prinzip der Delegierung von Studenten oder Lehrlingen zu Studium und Ausbildung durch die Unternehmen selbst je nach deren künftigem Bedarf mit der Wende ad acta gelegt und seitdem als Gängelung und Bevormundung kritisiert wurde. Nun steht der freie Markt vor dem Scherbenhaufen: Einem Heer an Arbeitslosen, die sich selbst in nicht benötigte Berufe manövrierten. Das Überflüssigsein gemeldeter Arbeitskräfte, die aus diesem Grund keinen Job finden, ist heute offenbar. Zwar beklagen Industrie und Handwerk immer wieder einen Fachkräftemangel, doch eine ausgeglichene Steuerung von Fachkräften bekommt der Markt allein nicht hin. Und so klafft auch im Ilm-Kreis ein deutlicher Spalt zwischen Angeboten und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. 3017 Arbeitslose meldete die Agentur für Arbeit im August für die Region. Da sind die im engeren Sinne unterbeschäftigten 2867 nicht einmal enthalten, die durch Krankheit oder staatliche Bildungsmaßnahmen aus dieser Statistik noch herausfallen, aber ebenso einen Job annehmen würden, so sie denn einen bekämen. Auf der Gegenseite jedoch bieten Industrie, Handwerk, Dienstleister, Leiharbeitsfirmen gerademal 1 228 Stellen an. Und dann gelingt es nicht, die freien Stellen mit einem Vielfachen der Arbeitslosen zu besetzen? Einige Branchen stechen bei diesem Missverhältnis besonders heraus. Ein krasses Bild zeichnet sich bei Land-/Forst-/Tier- und Gartenwirtschaft ab. 122 Arbeitslose (ohne Unterbeschäftigte) sind in diesen Berufen gemeldet, lediglich neun Stellen werden angeboten. Auf jeden dieser Jobs kommen damit rein rechnerisch 13 Bewerber. Fachkräftemangel?
Ilmenau Der Fachkräftemangel ist hausgemacht
Thomas Klämt 28.09.2018 - 17:04 Uhr