Ilmenau - Dass ihre seit Jahresbeginn mit viel, viel Fleiß- und Talentarbeit geschaffene, textintensiv einstudierte Inszenierung zugleich ein Nachruf würde, daran hatten die mitreißenden Laienschauspieler des "TheaterLeiterTheaters" kaum gedacht. Donnerstagabend in der TU-Bibliothek: Mit viel Beifall bedachte Premiere der schweizerischen Gesellschaftssatire "Top Dogs". Deren 1938 geborener Schweizer Autor, der Publizist, Satiriker, Prosa- und Stückeschreiber Urs Widmer, starb am
1. April. Der hatte sich mit der 1996er-Erstaufführung des Stückes in Zürich erneut als brillanter Seismologe der Entfremdung in der turbokapitalistischen Finanz- und Arbeitswelt erwiesen. Diesmal nicht ganz unten, bei den "Under Dogs", sondern in mittleren bis oberen Konzern-Etagen. Kaum jemandem im aufmerksamen Ilmenauer Publikum entging, dass die Handlung auch in diesen Tagen des schwierigen "Heilungs"-Prozesses tiefer Finanzexzess-Narben der jüngsten Krise(n) hätte spielen können: massenhaft (gewollte) Wiedererkennungseffekte!