Hilfsbereitschaft Die kleine Lilly berührt die Herzen

Kurz nach ihrem ersten Geburtstag ist Lilly an einer schweren Form von Leukämie erkrankt. Foto: privat

Die einjährige Lilly aus Mittelstille hat Leukämie. Nach dem Spendenaufruf von „Freies Wort hilft“ kamen bereits 15 000 Euro zusammen. Die Eltern sind von der Hilfsbereitschaft überwältigt.

Mittelstille - „Lilly geht es besser. Sie hat das erste Mal wieder gestanden, kleine Gehversuche unternommen und selbstständig einen Jogurt gelöffelt.“ Die Stimme von Lisa Herdmann klingt gefasst. Zuversichtlich. Positiver als noch vor einer Woche. Sehr schwere und harte Tage liegen hinter der kleinen Familie. Lilly reagierte nach dem ersten Chemo-Block mit heftigen Nebenwirkungen. Der ganze Mund war offen, die Kleine konnte nicht schlucken, musste künstlich ernährt werden. Die Schmerzen versuchten die Ärzte mit Morphinen zu mildern. „Es ist die Hölle, sein Kind so leiden zu sehen“, kämpft die 30-jährige Mama mit den Tränen.

Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen: Das ist zum Motto der kleinen Familie geworden. Inzwischen hat sie die neue Lebensphase angenommen, akzeptiert, sich eingerichtet im Krankenzimmer der Erfurter Klinik. Traurigkeit, Wut und Verzweiflung über das offensichtlich Unvermeidliche sind zwar hin und wieder präsent, nehmen aber nicht mehr den Raum ein wie zu Beginn der Krankheit. Lisa und Andre freuen sich über jedes (freche) Lächeln ihrer Tochter, über jedes Wort, das sie plappert, jeden Schritt, den sie startet. Über jeden kurzen Ausflug auf den Balkon. Abgeschottet, isoliert. Lillys Immunsystem ist komplett heruntergefahren. Jede noch so kleine Infektion könnte tödlich sein.

„Nichts ist so wertvoll wie Menschen, die dir Kraft geben, wenn du keine mehr hast.“ Mit diesem Post bedankten sich Lisa und ihr Partner Andre jüngst bei all denen, die ihnen in den letzten Wochen beistanden. Freunde, sagt die 30-Jährige, sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind für dich da. Dass das Schicksal ihrer Tochter so viele Menschen berühren würde, hätte sie nicht gedacht. Geschweige denn mit so einer Resonanz auf den Spendenaufruf von Freies Wort hilft gerechnet. 15 000 Euro von Leserinnen und Lesern unserer Zeitung konnten bereits überwiesen werden. Weitere Spenden sind angekündigt. „Wir sind überwältigt und sprachlos“, bedanken sich Lisa und Andre von ganzem Herzen. Den finanziellen Rückhalt kann die dreiköpfige Familie gut gebrauchen. Für die 30-jährige Konditorenmeisterin endet in wenigen Wochen das Erziehungsjahr; eine Rückkehr in ihren Beruf ist erst einmal ausgeschlossen. Weil ein Kindergartenbesuch für die kleine Maus auch nach der Entlassung aus der Klinik für eine gewisse Zeit nicht möglich ist. Krankengeld für Lilly bekommt die Mama nach Auskunft der Sozialbetreuerin nicht. Ihr ein Jahr älterer Partner ist zurzeit in Kurzarbeit. Sein Arbeitgeber, die Höhnbergtechnik Floh-Seligenthal, hat ihn freigestellt, für die Zeit, die er bei seiner Tochter sein möchte. Auch, um Lisa zu entlasten. Ihr einen Spaziergang an der frischen Luft zu ermöglichen, um den Kopf freizubekommen und neuen Mut zu fassen. Übernachten kann der Papa im nahe gelegenen Wohnheim der Erfurter/Suhler Elterninitiative.

Ein Kraftquell für die jungen Eltern sind, neben ihren Familien, die vielen Freunde und Bekannten, die Nachbarn und Arbeitskollegen. Sie überhäufen Lilly mit Geschenken, verwöhnen die Eltern mit süßem Nervenfutter. Sie gehen einkaufen, schicken Grüße, aufmunternde Sprüche, telefonisch oder über WhatsApp. Stehen vor der Tür der Großeltern in Mittelstille und drücken ihnen einen Umschlag in die Hand. Insgesamt 2700 Euro. Die Freiwillige Feuerwehr Mittelstille, der Lisa seit Kindesbeinen angehört, hat Geld eingesammelt. „Wir sind nicht nur im Einsatz ein Team, sondern Kameraden fürs Leben“, sagt Feuerwehrfrau Anke Schatt. Der Sportverein SV Mittelstille 02 hat gespendet. Wie die 39 Mitglieder des Fanclubs Werrataler Gelbfieber. 1450 Euro, sagt Vorsitzender Danny Stein, voller Stolz auf seine Truppe. Die Anhänger von Borussia Dortmund engagieren sich seit vielen Jahren für krebskranke Menschen. Auch in der Pandemie und ohne persönliche Kontakte „halten wir zusammen“. Das zeige auch die Aktion für Lilly, so Stein.

Am Montag beginnt für die kleine Kämpferin der zweite von insgesamt fünf Chemo-Blocks. Nach der Knochenmarkbiopsie werden die Eltern erfahren, ob die Therapie bereits angeschlagen hat, sich wieder eigene gesunde Blutzellen bilden. „Wenn wir wieder zu Hause sind, werden wir uns bei so vielen wie möglich persönlich bedanken“, versprechen Lisa Herdmann und Andre Möller.

Wenn auch Sie die Familie aus Mittelstille unterstützen möchten: Das gemeinnützige Hilfswerk von Freies Wort, Südthüringer Zeitung und Meininger Tageblatt, „Freies Wort hilft“, nimmt Spenden entgegen und gibt diese 1:1 weiter.

Freies Wort hilft e. V.

IBAN: DE39840500001705017017

Verwendungszweck: Lilly.

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