Handwerks-Jubiläum Handwerk in Familien-Hand

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Seit 125 Jahren sorgt die Familien-Bäckerei Eber­hardt in Möhrenbach dafür, dass die Mahlzeiten nicht nur Essen, sondern dank traditionellem Brot und Gebäck ein Stück alltäglicher Genuss sind. Sonntag aus Anlass des Jubiläums laden Eberhardts zum Frühschoppen auf den Sportplatz ein.

Möhrenbach - Der leckere, warme, schwer zu beschreibende Duft von frischem Brot und Semmeln umgibt die Porzelstraße 9 in Möhrenbach nachweislich schon seit 125 Jahren. 1896 legte Hermann Eberhardt dort den Grundstein für die Bäckerei. Damals war die Bäckerei längst nicht die einzige im Ort und nicht der einzige „Erwerb“ für den Bäckermeister, damals gehörte ein Stück Bestellung von eigener Landwirtschaft zum Tagesgeschäft.

Helmut Eberhard, Urenkel und heutiger Bäckermeister, nimmt sogar an, dass das Handwerk schon davor ein Stück zur Familie, die aus Gillersdorf nach Möhrenbach kam, gehörte.

Mit 21 in Verantwortung

Das Handwerk und damit das Geschäft des Gründers Hermann übernahm in den 1950-er Jahren Sohn Fritz, 1969 dann dessen Sohn Hermann. Nach dem frühen Tod von Bäckermeister Hermann Eberhardt 1977 war plötzlich Helmut – der heutige Chef - in der Pflicht. Nicht, dass das älteste von sechs Kindern der Familie die Weiterführung der Tradition nicht bereits ins Auge gefasst hatte. Aber mit 21 Jahren in die Verantwortung für den Handwerksbetrieb zu kommen, war für ihn als jungen Mann doch eine echte Herausforderung, erinnert er sich heute. Nach dem Ablegen seiner Meisterprüfung als Bäcker- und Konditormeister 1978 übernahm er schließlich offiziell die Geschäfte, sicherte damit auch seine Familie ab. Unterstützt von Oma, Mutter und Geschwistern zeigte sich, was einen Familienbetrieb auszeichnet: Zusammenhalt. „Da war es damals keine Seltenheit, dass beispielsweise mein Bruder vor der Schule die Semmeln mit auflegte“, so Helmut Eber­hardt, der die Abwechslung seines Berufes noch immer liebt. Auch wenn dafür an anderer Stelle Abstriche gemacht werden müssen, mancher Arbeitstag zwölf Stunden hat und sich der Familienalltag oft dem Arbeitsalltag anpassen muss. Und Ehefrau Margit gibt gerne lachend zu: Auf den Sonntag und aufs Ausschlafen freuen wir uns jede Woche.

Auch wenn sich die Zeiten änderten, das Handwerk ist in der Porzelstraße auch heute zum Großteil noch „Hand“werk. Selbst wenn sich die Art der Befeuerung der Backöfen über die Jahrzehnte geändert hat oder an mancher Stelle Technik beim Kneten oder Portionieren unterstützt: Die Rezepte für das Roggenmischbrot aus Sauerteig oder den Mohnkuchen sind nahezu dieselben geblieben. Und das Mehl bezieht man seit Jahrzehnten aus der Mühle Umbreit in der Möhrenbacher Nachbarschaft. Feinbackwaren gehören übrigens erst seit den 1970-er Jahren zum Angebot von „Eberhardts Backstube“. Damit natürlich auch der Geschmack, den viele inzwischen auch außerhalb Möhrenbachs zu schätzen wissen. Die Backstube hat Filialen in Ilmenau, Langewiesen und neuerdings in Plaue, bietet aber auch ihr Waren bei der Großbreitenbacher Landstolz-Fleischerei an. Und auch ein Verkaufsmobil „verteilt“ Brot und Gebäck im Landkreis.

Generationswechsel

Was der Chef und seine Frau am liebsten aus der eigenen Backstube verzehren? Helmut Eberhardt kann die Frage nur schmunzelnd beantworten: Jeden Tag ein Stück Kuchen zum Kaffee, das gehört einfach dazu. An Auswahl mangelt es da nicht: traditionelle Blechkuchen sind zwar die Favoriten bei der Kundschaft. Dennoch schauen die Eberhardts, beispielsweise wenn sie unterwegs sind, auch gerne mal über den Tellerrand und werfen einen Blick in andere Geschäfte oder tauschen sich mit Bäcker-Kollegen aus.

Vor gar nicht allzu langer Zeit sah es so aus, dass ein Nachfolger für den Handwerksbetrieb nicht in Sicht war, denn die beiden Söhne der Eber­hardts hatten sich beruflich in andere Richtungen orientiert. Inzwischen verstärken sie wieder das elfköpfige Backstuben-Team um die Eltern. Hermann, der jüngere Sohn, der Mechatroniker ist, schulte sogar zum Bäcker um. Erst dieser Tage habe sich das berufliche „Vorleben“ von Hermann bezahlt gemacht, als es um eine Störung der Dampfregulierung im Backofen ging, erklärt Helmut Eberhardt auch mit etwas Stolz in der Stimme, das dem Traditionsbetrieb nun die Chance für eine fünfte Generation gegeben ist.

Dass mit Übernahme der Bäckerei durch den Nachwuchs natürlich einige Veränderungen, sprich Investitionen bevorstehen, ist für Helmut Eberhardt unbenommen.

Am Sonntag möchte die Bäcker-Familie gerne das Jubiläum feiern: Auf dem Möhrenbacher Sportplatz werden ab 10 Uhr die Milchbergmusikanten einen zünftigen Frühschoppen umrahmen. Für große und kleine Gäste gibt es ein Glücksrad, Kinderschminken und eine Hüpfburg. Natürlich ist unter anderem mit Zwiebelkuchen und Getränken für den Hunger und Durst der Gäste gesorgt. Natürlich soll Mittag nicht Schluss sein, denn am Nachmittag wird DJ Lars noch für gesellige Atmosphäre sorgen.

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