Haftbefehl wegen Doppelmordes Mistelbach: Arztehepaar offenbar im Schlaf getötet

Manfred Scherer

Im Fall des getöteten Arztehepaars aus Mistelbach ist gegen einen 18-jährigen Beschuldigten Haftbefehl wegen zweifachen Mordes ergangen. Der leitende Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagte auf Anfrage, das Mordmerkmal sei Heimtücke und Arglosigkeit der Opfer. Wie unsere Zeitung erfuhr, wurden der 51-Jährige und seine 47-jährige Frau offenbar im Schlaf erstochen.

Bayreuth/Mistelbach - Sowohl Oberstaatsanwalt Dippold als auch Polizeisprecher Matthias Potzel hielten sich am Montag bei der Frage bedeckt, ob sich der Beschuldigte zum Tatvorwurf geäußert habe. Anders sein Verteidiger Hilmar Lampert, der auf Anfrage sagte, sein Mandant habe die Tat gestanden.

Wie berichtet, geschah die doppelte Bluttat in der Nacht zum Sonntag, gegen 1 Uhr morgens. Nachbarn hörten Hilfeschreie aus dem Haus im Wohngebiet Kirchröthe. Die Nachbarn alarmierten die Polizei, Einsatzkräfte fanden die Leichen des Ehepaares im Schlafzimmer, das im Kellergeschoss des an einen Hang gebauten Hauses liegt.

Schon kurz nach dem Leichenfund fahndete die Polizei nach Felix S. Der 18-Jährige war nach Informationen unserer Zeitung der Freund einer Tochter des Paares. Das bestätigte Polizeisprecher Potzel auf Anfrage. Wie unsere Zeitung erfuhr, war Felix S. seit einigen Monaten aus der Spur, möglicherweise, weil er die Trennung seiner Eltern nicht verkraftete. Er soll auch seinen Ausbildungsplatz verloren haben. Er soll im Streit mit seiner Mutter von Zuhause ausgezogen sein – und Unterschlupf bei den Eltern seiner Freundin gefunden haben.

Polizeisprecher Potzel bestätigte Informationen unserer Zeitung, wonach Felix S. sich in der Tatnacht im Haus aufhielt. Er bestätigte auch, dass die Opfer Stichverletzungen am Oberkörper hatten. Im Haus seien mehrere Messer sichergestellt worden – diese Messer sollen nun untersucht werden, um die Tatwaffe festzustellen. Felix S. war nach der Tat geflüchtet, gegen vier Uhr morgens stellte er sich der Polizei, nachdem er in der Werner-Siemens-Straße bei der Inspektion Bayreuth-Stadt geklingelt hatte.

Am Montag gegen 13.30 Uhr brachten Kriminalbeamte den 18-Jährigen zur Haftprüfung in den Justizpalast. Wachtmeister der Justiz schirmten im Erdgeschoss den Beschuldigten vor neugierigen Blicken und von Pressefotografen ab. Felix S. hatte einen verarzteten und verbundenen Finger; wie unsere Zeitung erfuhr, hatte er sich im Klinikum behandeln und nähen lassen, ehe er zur PI Stadt ging. Es ist noch unbestätigt, ob S. sich bei der Tatausführung unabsichtlich selbst verletzt haben könnte.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Dippold erklärte, S. sei mit einem Alter von 18 als Heranwachsender einzustufen. Das bedeutet rechtlich: Wird er angeklagt, dann zur Jugendkammer des Landgerichts. Dieses Gericht muss dann entscheiden, ob S. als Jugendlicher oder als Erwachsener eingestuft wird. Diese Frage könnte im Fall von Mord von großer Bedeutung sein: Für jugendliche Mörder ist die Höchststrafe zehn Jahre, für erwachsene lebenslänglich. Dippold bestätigte auch, dass in Fällen solcher Kapitaldelikte üblicherweise psychiatrische Sachverständige hinzugezogen werden, um die Schuldfähigkeit eines Beschuldigten zu prüfen.

Die vier Kinder des getöteten Ehepaares sind, wie berichtet, in Obhut des Jugendamtes.

Vor dem Haus in Mistelbach wurden Kerzen aufgestellt und ein Karton mit einem Wort: „Warum“. Darunter drei Fragezeichen. Die Frage nach dem Motiv treibt die Ermittler noch um. Laut Polizeisprecher Potzel ist der Hintergrund für diesen „Gewaltausbruch“ noch nicht geklärt. Auch Hilmar Lampert, der schon viele Jahre Strafverteidiger ist, sagte, ein richtige Motiv sei derzeit nicht erkennbar: „Ein unfassbarer Fall.“

Nachbarn hatten berichtet, dass es in der Familie Ärger und Probleme gegeben habe – dabei sei es wohl um die Beziehung von Felix S. zur ältesten Tochter gegangen. Das Mädchen ist nach Informationen unserer Zeitung Schülerin in einem Bayreuther Gymnasium.

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