Gespringwasser Beitritt für stabile Gebühren

Das Gespring. Bis zu 30 000 Kubikmeter Wasser schüttet die Quelle aus. Das Wasser fließt ungenutzt in die Schmalkalde. Foto: Susann Schönewald

Der Wasserversorgungszweckverband „Gespringwasser Schmalkalden und Umgebung“ will Mitglied im Fernwasserzweckverband Südthüringen werden. Mit diesem Schritt kann der Verband die Gebühren für die Verbraucher vorerst stabil halten.

Dieser Beschluss war einstimmig: Der Wasserversorgungszweckverband „Gespringwasser Schmalkalden und Umgebung“ beabsichtigt, zum 1. Januar 2023 dem Fernwasserzweckverband Südthüringen (FWZV) beizutreten. Voraussichtlich am 13. Oktober wird die Verbandsversammlung des FWZV über den Antrag aus Schmalkalden entscheiden. Für die hiesige Verbandsversammlung liegen die Vorteile auf der Hand: Sie kann eine Viertel Million Euro einsparen – und davon profitieren vor allem die Gebührenzahler.

Zum Hintergrund

Seit dem 1. Januar 2003 kommt das Trinkwasser für über 27 000 Einwohner aus dem Raum Schmalkalden, aus Floh-Seligenthal, Wernshausen und Fambach aus der Talsperre Schönbrunn. Bis zu diesem „Schicksalstag“ hatte das 1516 in Betrieb genommene Gespring im Stadtteil Weidebrunn tausende Haushalte – mehr oder weniger sicher – versorgt. Das Gespring gehört zu den größten Quellen in Südthüringen. Es schüttet immer noch pro Tag im Durchschnitt zwischen 20 000 bis 30 000 Kubikmeter Rohwasser aus.

Doch die Wasserqualität war, unter anderem bedingt durch den verkarsteten, oberflächennahen, dolomitischen Grundwasserleiter und die veränderten Nutzungen im Einzugsgebiet der Quelle, nicht mehr hygienisch rein. Aus diesen Gründen wurde das Gespring-Dargebot „durch eine hygienisch unbedenkliche und technisch auf dem neuesten Stand funktionierende Fernwassereinspeisung“ ersetzt. So lautete seinerzeit der offizielle Wortlaut. Zwischen dem Verband und dem Freistaat wurde deshalb am 1. Januar 1998 ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen. In dem dazugehörenden Trinkwasserliefervertrag mit dem Fernwasserzweckverband Südthüringen vom 28. Juni 2003 wurde eine Laufzeit von 40 Jahren vereinbart.

Der Vertrag legte fest, dass der Verband 20 Jahre lang, also bis zum 31. Dezember 2022 zwei Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr abnehmen muss. Pro Tag sind das rund 6000 Kubikmeter Wasser. Danach würde die Menge halbiert, also auf 3000 Kubikmeter pro Tag.

Mitgliedschaft bringt Vorteile

Nach 20 Jahren saßen die Partner wieder am Tisch, um den Vertrag neu zu verhandeln. Dabei kam erneut das Thema Beitritt zur Sprache. Schon 2015, als es um die neue Gebührenkalkulation ging, hatte der Verbandsausschuss darüber diskutiert – den Vorschlag aber wieder verworfen. Auf die Gründe wollte der stellvertretende Werkleiter Rigobert Höchenberger zur jüngsten Verbandsversammlung nicht näher eingehen. Dem Vernehmen nach soll es – aber nicht nur – an den hohen Baukostenzuschüssen gelegen haben, an denen der Verband als Mitglied beteiligt worden wäre. Dieses Problem konnte in den aktuellen Verhandlungen ausgeräumt werden, erklärte Höchenberger.

„Für uns und unsere Kunden hat die Mitgliedschaft im Fernwasserzweckverband Südthüringen mehrere Vorteile“, betonte Rigobert Höchenberger. Zum einen ist die Versorgungssicherheit gegeben. Der Dürresommer hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig diese ist. Während ringsherum viele Quellen ausgetrockneten, war die Talsperre Schönbrunn zu 75 Prozent gefüllt.

Für Höchenberger noch wichtiger ist der Effekt, dass „wir die Gebühren stabil halten können“. Als Nicht-Verbandsmitglied zahlt die Gewas aktuell pro Kubikmeter 78 Cent, 2023 wären es 85 Cent. Als Verbandsmitglied sinkt der Preis auf 65 Cent (Grundpreis plus 19 Cent Arbeitspreis). Mit der Ersparnis können die gestiegenen Energiepreise abgefedert werden, sodass sie nicht auf die Kunden umgelegt werden müssen, erklärte der stellvertretende Werkleiter. Reduziert würde zudem die Wassermenge, die aus Schönbrunn in den Raum Schmalkalden fließt. „Wir benötigen weniger als vor 20 Jahren vereinbart“, sagt Rigobert Höchenberger. Der Wasserverbrauch schwankt zwischen 3500 und 4000 Kubikmetern pro Tag; aktuell seien es zirka 3700 Kubikmeter Wasser. Demnach würden die jetzt angesetzten 1 450 000 Kubikmeter Fernwasser pro Jahr ausreichen. Auch vor dem Hintergrund, die Fernwasserversorgung in Richtung Roßdorf auszuweiten.

In der Diskussion baten die Bürgermeister Ronny Römhild (Breitungen) und Thomas Kaminski (Schmalkalden) die Werkleitung der Gewas darum, die vorhandenen Wasserdargebote nicht aus den Augen zu verlieren. Es müsse eine Notversorgung gewährleistet sein, betonte Römhild. Sein Amtskollege Kaminski wünschte sich, dass Wasserdargebote vor ihrer Stilllegung den Kommunen angeboten werden. Der Schmalkalder Bürgermeister erinnerte an den geplanten Abriss des Hochbehälters auf der Queste, der auch durch den Aufschrei aus der Bevölkerung vor dem Abriss gerettet werden konnte. In diesem Jahr haben die Menschen den Wert des Wasser besonders schätzen gelernt, sagte Kaminski. Schmalkalden wolle die Hochbehälter übernehmen, auch wenn das zunächst Kosten verursacht. „Sie bringen aber was“, sagte der Bürgermeister und empfahl anderen Orten , auch diesen Weg zu gehen.

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