Gehren Rostbekämpfer und Unterholz-Unterhalter

Herrliches Wetter, eine bestens besuchte Schlosspark-Kulisse, mit ganztags Hunderten Besuchern: Dies war der Lohn für die Veranstalter des 15. Gehrener Handwerkermarktes und 11. Oldtimerpokals.

Gehren - Kein urig-stilvollerer Veranstaltungsort in der Umgebung, als die Schlossruine an der Schobse und das Schatten spendende Laubdach alter Bäume im umgebenden Hof und Park. All dies bildet am Samstag für ein altersmäßig gut durchmischtes Publikum aus nah und fern den stimmungsvollen Rahmen dieses gelungenen Volksfestes im Doppelpack.

Wertung

Motorräder vor Baujahr 1945

1. Enrico Dreßler/DKW RT 125 1943 5FP
2. Michael Thierfelder/Douglas G32 1932 6FP, 3. Mario Lehmann/Magnat Debon 1927 9FP

Motorräder nach Baujahr 1945

1. Leon Kühnast/Simson Schwalbe 1969 3FP, 2. Robin Anders/MZ ETZ 251 1989 3FP, 3. Rolaf Remd/Simson AWO — 5 FP

Gespanne

1. Toni Arnold MZ BK 1957 1FP, 2. Harri Nordhauß BMW R90/6 1974 5FP, 3. Jürgen Krannich MZ ES 250 1960 6FP

Automobile vor Baujahr 1945

1. Ralph Rocktäschel Phänomen Granit 1944 1F

Automobile nach Baujahr 1945

1. Patrick Rose-Rossius GMC Typ 100 1958 1FP, 2. Hans-Jürgen Lange Trabant Combi 1980 2FP, 3. Anja Kupke Trabant 1,1 1989 2FP (bei gleicher Fehlerpunktzahl entschied das Alter des Fahrzeugs)

Gesamtsieger

Ralph Rocktäschel

Während Ortsteilbürgermeisterin Sabine Krannich (Linke) zwischen Park und Schlossruine den traditionellen Handwerkermarkt eröffnet, dringt vom Schlossportal bereits das Wummern der betagten Fahrzeugtechnik am Start zu den Wertungsläufen des 11. Oldtimerpokals, veranstaltet vom Motorsportclub Gehren, herüber. Jede der beiden Veranstaltungen eigentlich schon Publikumsmagnet genug, so gehen sie in den nächsten acht Stunden eine ideale Symbiose ein: Leichte Unterhaltung und Geselligkeit hier, schwere Gelenkwellen, Kardan- und Kettenantriebe der Oldtimer dort. Viele Gäste, die sich so beides nicht entgehen lassen.

Gehrens scheinbar immer junge DJ-Urgesteine Martina und Jürgen Theilig können vom Oehrenstöcker Blaskonzert-Gastspiel über das Programm der kleinen Kita-"Sonnenschein"-Künstler bis hin zum Gesang-Arbeitsgemeinschafts-Terzett und der Ilmenauer Gruselgugge viele Ansagen treffen. Dazu verzaubert Dietmar Kersten von der Ilmenauer "DDR-Kaufhalle" vor allem Kinder, die bei seiner Zauberschau nicht schlecht staunen. Denen dann aber letztlich doch - trotz Selbstironie des "Magiers" - so manches Geheimnis um die Klappen von Zauberschatullen und -stäben bleibt.

Alles umrahmt von dem live arbeitenden Karikaturisten "Phono", den "Seelen-Lichtblicken" in die Zukunft durch eine Kartenleserin, Markt- und Bastelständen, fröhlich-bunten "Schminkolix"-Verschönerungen für ohnehin fröhliche und schöne Kinder… Klar, Hüpfburg und Kindereisenbahn dürfen nicht fehlen. Und die vier großen "B" schon gar nicht: Bratwurst, Bier, Bowle und Brause.

Tragen die Programme auf den Tischen auch das Impressum der Stadtverwaltung Ilmenau: "Wir bringen uns doch mit unserer vielfältigen Vereinsarbeit weiter voll ins gesellschaftliche und Kulturleben des neuen Gesamt-Ilmenau ein. Sodass niemand Bange sein muss, so etwas könnte durch die Eingemeindung mal enden!", so Sabine Krannich, als sie sich mit Hunderten Zuschauern über den Höhepunkt des Nachmittags herzhaft amüsieren kann.

Buchstäblich "Hochkultur", was die "Unterholz"-Vereinsakteure um den Vorsitzenden René Leicht und Nicole John da auf die Bühne bringen. Während die Ladefläche eines Trucks auf einer Anhöhe über den Gästen mit originellem Bühnenbild zu den "Brettern" wird, die im Theater "die Welt bedeuten", moderiert eine Märchenerzählerin das kräftig zeitgenössisch umgemünzte Märchen "Rumpelstilzchen".

Weil die hippelige Müller-Tochter "Schantalle" jenseits von Mindestlohn als Fachkraft Stroh-zu-Gold-Spinnerei höfische Reichtumsmehrung kann, muss sie Überstunden schieben. Um Rumpel mit seinem Stilzchen und feuerrotem Haar als Lohn für dessen Goldzauber-Vermittlung nicht ihr erstes Kind geben zu müssen, gilt heiteres Namensraten als Ausweg. Den zelebriert das Theater Hitparaden-tänzerisch so hingebungsvoll, dass die Akteure - wie unter anderem das Riesenbaby (Hansjörg Scheibe-Keßler) - kaum die nötige Premieren-"Ernsthaftigkeit" wahren können. Das Namensraten ala "Amadeus Amadeus?" oder "Cordula Grün?" bereitet Zuschauern wie Künstlern sichtlich Spaß.

Als der unterhaltsame Markttag zum glockenhellen Stimmchen von Leni Kästner aus Möhrenbach endet, packen unter anderem die Korbflechterinnen Andrea Reimer und Nadine Csordas ihre traditionellen Handwerksutensilien ein. Jemanden "einen Korb zu geben" verstehen sie heute nicht als Absage, ihnen bewundernd über die Schultern sehen zu dürfen. Und wenn die Marktmöglichkeit zum Selbst-mal-Probieren der 1911 im Auftrag des preußischen Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelten Schulschrift gleichen Namens nicht schon mittags geendet hätte, auch die hingebungsvoll ihrem Technik-Hobby frönenden Starter im Kampf um den 11. MSC-Oldtimerpokal im Schobsetal hätten nach ihrem abschließenden Autocorso mit Sütterlin-Schnörkeln unterschrieben: Nächstes Mal sind wir wieder mit von der Partie!

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Weitere Fotos: www.insuedthueringen.de

 
 

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