Geburtsort der Christbaumkugel Lauscha putzt die Bäume

Doris Hein

Wenn man schon, zu Recht, Wert darauf legt, als Geburtsstätte des gläsernen Christbaumschmuckes betitelt und anerkannt zu werden, dann sollte man seinen Ort auch dementsprechend schmücken. Die Lauschaer machen es vor.

Lauscha - „Fröhliche Weihnacht überall“, heißt es demnächst wieder allerorten. Dabei ist das mit dem „Fröhlichsein“ gar nicht so leicht, wo doch Corona nun schon wieder zu Absagen von Weihnachtsmärkten, Seniorenweihnachtsfeiern und zahlreichen weiteren Events führt, die in der Vorweihnachtszeit stets beliebt und gut besucht waren und vor allem ein ganz besonderes Gefühl in den Menschen geweckt haben.

Ein Gefühl, das für die einen mit dem Kind in der Krippe, der Geburt Jesu, mit dem Stern, dem die drei Weisen gefolgt sind und der damit verbundenen Hoffnung eng verknüpft ist.

Für (fast) alle hier in der Region und deutschlandweit aber ist es ein Fest der Familie, an dem man sich (teils endlich einmal wieder) trifft, miteinander lacht und in Erinnerungen schwelgt. Ein Fest, an dem man sich einen gemeinsamen Besuch in einem Restaurant gönnt, durch beleuchtete Straßen schlendert und geschmückte Schaufenster bewundert. Hoffen wir – gemeinsam – dass Corona nicht auch da den Menschen noch einen letzten Strich durch die Rechnung macht.

Lauschas Beitrag

Einen ganz besonderen Beitrag zu den anheimelnden Gefühlen am Weihnachtsfest haben die Lauschaer ja mit der Erfindung des gläsernen Schmuckes für den Weihnachtsbaum geleistet. Und gerade jetzt, am ersten und zweiten Adventswochenende, nutzten Tausende Menschen vor Corona gerne die Möglichkeit, während des Lauschaer Kugelmarktes aus der großen Vielfalt an filigranem Schmuck etwas mit in die heimischen Stuben zu nehmen – von der mundgeblasenen, in Handarbeit aufwändig dekorierten Kugel über Christbaumspitzen und Gehänge fürs Fenster bis hin zu Weihnachtsmännern, Engeln, Teelichthaltern und vielem mehr.

Einen Kugelmarkt wird es bekanntlich heuer nicht geben. Doch viele der kleinen und großen Geschäfte, die den meist in Familienbetrieben hergestellten filigranen Schmuck für den schönsten Baum des Jahres und andere Geschenke für die Weihnachtszeit anbieten, sind gerade bei den letzten Vorbereitungen. Sie hoffen natürlich, auch ohne Markt, auf zahlreiche Besucher, so wie sie sich schon in den letzten Tagen in der Heimat des gläsernen Christbaumschmuckes umgeschaut haben.

Dafür, dass den Gästen im Stadtzentrum, am Hüttenplatz, ein besonderer weihnachtlicher Empfang zuteil wird, sorgt seit Jahren der Lauschaer Tourismusstammtisch mit geschmückten Bäumchen.

Üblicherweise beteiligten sich zahlreiche Kinder, schmückten mit Eltern und Großeltern die Fichten und wurden mit Süßigkeiten und wärmenden Getränken belohnt.

Auch das war leider heuer nicht möglich. Stattdessen trafen am Samstag Vereinsmitglieder am Wilder-Mann-Platz zusammen, um die Ortsdurchfahrt mit bunten Bäumchen zu bereichern. Um auch wirklich alle geltenden Regeln einzuhalten, ging man zeitversetzt ans Werk und da, wo sich Nähe nicht vermeiden ließ, mit Masken.

Glücklicherweise hatten zahlreiche „Weihnachtselfen“ vorab genügend gläsernen Baumschmuck zur Verfügung gestellt.

Schönes Grün

Christian Müller-Deck, Gerd Heinz und Stefan Stöcklein kümmerten sich um die notwendige Anzahl hübscher grüner Bäumchen, was ja aktuell aufgrund der Borkenkäferplage gar nicht so einfach ist. Unterstützung erhielten sie dabei von Silvio Behm vom Forstamt Neuhaus am Rennweg.

Rund zwanzig schmucke Fichten konnten am Samstag schließlich am und um den Hüttenplatz aufgestellt werden. Die entsprechenden Ständer hatte vorab der Bauhof der Stadt Lauscha vom Lager des Vereins in der Bahnhofstraße zum Hüttenplatz transportiert.

Mit Fingerspitzengefühl

Dort wurde dann mit viel Eifer geschmückt. Ivonne und Louisa Gebhardt, Emma müller-deck, Danila Fröhlich, Michael Gehrlicher und Werner Liebermann beispielsweise glichen die fehlenden helfenden Hände aus den Vorjahren mit viel Elan wieder aus.

Mit dabei waren auch Vertreter anderer Vereine, etwa Sibylle Ellmer vom Heimat- und Geschichtsverein, oder Vertreter ortsansässiger Gewerke wie Susanne Müller aus dem Raumausstattergeschäft. Sie alle bewiesen reichlich Fingerspitzengefühl, denn der original Lauschaer Christbaumschmuck ist schließlich ein filigranes, zerbrechliches Produkt.

Auch zahlreiche jüngere Lauschaer halfen zur Freude der Organisatoren beim Schmücken, so etwa Patrick Roß, Katharina Melcher und Denise Berg. Letztere hatte ihre beiden Frettchen „Pech“ und „Schwefel“ mitgebracht, die sich bei allen Anwesenden sofort in die Herzen „wuselten“.

Mit von der Partie war auch Benjamin Anger, der eigentlich aus Berlin stammt und der, seit er nach Lauscha gezogen ist, nicht nur ein leer stehendes Haus vor dem Verfall bewahrt, sondern auch vor selbigem zu jedem Fest sehr aufwändig schmückt. Dass er sich da auch in die Reihen der Bäumchenschmücker am Wilder-Mann-Platz einreihte, war kein Wunder. Schließlich hat sich Anger beim Tourismusstammtisch auch schon mit wunderschön bemalten Steinen anlässlich des Anfang Mai abgesagten Mellichstöckdoochs engagiert.

Ebenfalls mit von der Partie war die Lauschaer Sonnenelfe, die sich ja nach Halloween eigentlich schon in ihrem Wohnbaum auf dem Köpplein zur Winterruhe begeben wollte. Doch solch eine Chance, noch einmal Groß und Klein mit bunt bemalten Steinen zu erfreuen, wollte sie sich natürlich nicht entgehen lassen. Es wäre schön, wenn nicht alle Steine gleich mit nach Hause genommen würden, lässt sie ausrichten. Denn während sie ihre wohlverdiente Winterruhe hält, kann sie natürlich keine Ersatz-Steine bemalen.

Feuerwehr schmückt mit

Auch an der Feuerwehr hat sie die fleißigen Bäumchenschmücker mit Pinguin mit Pudelmütze, Weihnachtsmann und vielen anderen Motiven auf kleinen Steinen erfreut. Dort durften Lotta und Luis ganz in Familie einen Baum in Rot-Weiß schmücken. Papa John Faber, seines Zeichens Jugendwart bei den Lauschaer Floriansjüngern, hatte die Aktion sonst stets mit seinen Schützlingen von der Jugendfeuerwehr durchgeführt. Schließlich ist solch ein gemeinsames Dekorieren eines Baumes gleichzeitig eine „teambildende Maßnahme“, wie man es heute nennt, ein Einsatz, der auf besondere Weise zusammenschweißt.

Der größte Teil des Schmuckes wird übrigens die diesjährige Aktion leider nicht „überleben“. Nicht nur, weil der Wind hin und wieder eine Kugel vom Baum fegt. Sondern vor allem, weil versilberte, belackte und teils dekorierte Kugeln nun einmal nicht für die Nutzung im Freien gemacht sind. Wenn Wasser durch das schützende Hütschen dringt, löst sich die spiegelnde Schicht im Inneren von der Glaswand ebenso wie der Lack an der Außenseite bei Regen und Schnee.

Der Tourismusstammtisch bittet deshalb schon jetzt um Nachschub fürs kommende Jahr. Wer dem Verein gläsernen Baumschmuck zur Verfügung stellen kann der melde sich bitte unter Tel. (036702) 20606 beim Vereinsvorstand Ralf Pamminger.

 

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