Freies Wort hilft nach Brand Nur die Kleidung auf dem Leib ist geblieben

Von dem nach Kriegsende bescheiden gebauten Holzhäuschen ragen nur noch die gemauerten Schornsteine himmelwärts. Foto:  

Ein bescheidenes Leben im kleinen 1945 gebauten hölzernen Elternhaus hoch über Manbach reichte Rolf Juffa Zeit seines Lebens zu eben solchem Glück. Am vergangenen Samstag wurde das vollständig ein Raub der Flammen.

Manebach - Von „drei kleinen Wundern“ sprach am Dienstag Silvio Juffa gegenüber dieser Zeitung in seinem Wohnbungalow ortsausgangs des Ilmenauer Ortsteils Manebach. Der Sohn des Brandopfers Rolf Juffa wohnt fast in Rufweite seines Elternhauses am Goldhelm Nr. 5. Von dem hatte ein Vollbrand am Samstag nur noch Schutt und Asche übrig gelassen.

Dabei legt der Sohn liebevoll tröstend seinem noch immer kopfschüttelnd da sitzenden Vater Rolf, der versucht, all das zu verstehen, seine Hand auf dessen Knie: Irgendwann gegen 13. 30 Uhr habe es am Samstag zuerst sozusagen ein „blaugraues, böses Wunder“ gegeben. Da bemerkten Nachbarn seines Vaterhauses rings um das kleine, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hier als erstes erbaute Holzhaus, dicke im Sturm umherwabernde Rauchwolken.

Gerade eben hatten mehrere heftige Böen dort oben am Waldrand über Manebach sogar schwere Blumenkübel umgestürzt, Gegenstände durch die Luft gewirbelt.

Silvio, der seit dem Wochenende seinen vom Brand schwer getroffenen Vater vorerst im eigenen, ebenfalls kleinen Wohnbungalow unterbrachte, will den Brandursachen-Ermittlern der Kripo Gotha nicht vorgreifen. „Aber es sei gut denkbar, dass diese mächtigen Böen in den kleinen Schornstein fauchten. Und so die an sich simpel durch Zulauf in einen Vergaser funktionierende Ölheizungsflamme offenbar ausblies.“

Verpuffung mit schlimmen Folgen

Nicht verbrannte Dämpfe dürften dann rasch das nur 60 Quadratmeter große Gebäude gefüllt haben. „Bis wahrscheinlich die automatisch anspringende Zündmechanik die Verpuffung mit schlimmen Folgen auslöste“, mutmaßt der Sohn des 78-jährigen Rolf Juffa.

Doch diese Überlegungen und ein Vorortgespräch am Dienstag mit dem Ortsteilbürgermeister Stefan Schmidt über eine mögliche Zukunft der Brandruine zwischen den Nachbarhäusern schienen zunächst mal wie eine Art ablenkender Selbstschutz: Nämlich gegen den allgegenwärtigen Gedanken daran, in welch prekärer Lage der Vater seit dem Feuer am Wochenende ist. Auch Sohn Silvio, der dem Vater im Alltag jede Hilfe gab und gibt, fühlt sich „abgebrannt“.

Zwischen den Taxifahrer-Schichten

Dem Vater Essen bringen, sich um dessen viele alltäglichen Dinge im bislang noch selbständigen Haushalt des allein lebenden Vaters zu kümmern: „Das alles ging immer so zwischen meinen Taxifahrer-Schichten, zumal Vater auch regelmäßig durch ambulante Pflegedienste medizinische Hilfe bekam.“

Bis zu seinem 74. Lebensjahr sei „das alles seinen Gang gegangen. Doch in den letzten Jahren baute er gesundheitlich und kräftemäßig immer schneller ab. Inzwischen war ich fast froh war, dass der coronabedingte Fahraufträge-Abbau in meinen Taxijob – zum Mindestlohn und in Kurzarbeit – mehr Zeit für Vaters Betreuung ließ.“

Zeitbedarf hat sich vervielfacht

Nun, nach dem verheerenden Feuer, habe sich der Zeitbedarf zum Kümmern um seinen Vater vervielfacht. „Dass Vater mit seiner galoppierenden Erblindung durch Netzhautablösung dennoch so gut und rasch, halb tastend aus dem verrauchten Haus ins Freie und gleich bei netten Nachbarn Aufnahme fand… Auch fast wie ein Wunder.“

Silvio verdrückt mit „Kloß im Hals“ seine „Was wäre wenn?“-Tränen, als er sich das Szenario zu Ende denkt. Indes der Vater fast ein wenig lethargisch abwesend auf Fragen antwortet: Ja, Asthma habe er auch. „Und die Spritzen zum Stoppen der Netzhautablösung, derentwegen Silvio mit mir viermal in Erfurt war, haben nichts verbessert.“

Die „Gehbehinderung ertrug er ja tapfer, weil er sich da oben in seinem Häuschen kaum groß vom Grundstück wagte“, so Silvio. Der hatte gleich nach dem Feuer Stress, für ihn ersatzweise die richtigen ersatzweisen Insulinspritzen zu besorgen.

Zu Aschebrei verschmolzen

Denn diese sowie sämtliche Medikamentenpläne und Pillen für den an Diabetes leidenden Vater hatten sich in der Hitze des Feuers mit Hausrat, eingestürzten Holzwänden, Küchengeräten, Plastikutensilien und Mobilar zu einem Verkohlungs- und Aschebrei verschmolzen.

„Dazwischen verkohlte Familienfotos der Großeltern, die hier oben nach 1945 unter einfachsten Bedingungen das erste Haus bauten. Und auch meine im Dachboden aufbewahrten Spielzeugheiligtümer der Kindheit.“

Rolf Juffa erlebte aus dem freundlichen Asyl auf Zeit im Nachbarhaus mit, wie all sein bescheidenes, nicht versichertes Hab und Gut samt Erinnerungen als Rauchwolke über Manebach davon flog.

Voller Einsatz

Und das „dritte Wunder“ dieses Samstags? „Von meinem Papa die hilfreichen Nachbarn hatten sehr schnell Feuerwehr und andere Retter alarmiert. Denen danken wir ganz herzlich für ihren vollen Einsatz unter den unvorstellbaren Bedingungen dieser engen, kurviger Zuwegung von der B4 hier hoch!“

Am Dienstag geht Vormittag Silvio nochmal zusammen mit Ortsteilbürgermeister Stefan Schmidt die Serpentinen ab, in deren unbefestigten Rändern sich die Radspuren der schweren Löschtechnik eingegraben haben. Die Anfahrt – ein Wunder für sich.

Schmidt: „Viele Bürger fragten mich, ob die Heimatzeitung und ihr Hilfeverein wieder die finanzielle Solidarität – ähnlich wie vor einigen Jahren bei Familie Acker – koordiniert und unterstützt.“ – Das tut sie!

Tief durchatmen

Wieder unten in Silvios Wohnung angekommen, sitzt sein Vater immer noch vor sich hin blickend. So wie vor einer Stunde, als der Sohn ihm davon abriet, sich „diesen schwarzen Aschefleck da oben nochmal anzutun. Der war acht Jahrzehnte sein Zuhause.“

Rolf Juffa, der seit der jüngsten Rentenerhöhung auf „stolze fast 900 Euro“ Einkommen blicken kann, hat einen großen Wunsch: „Erstmal tief durchatmen. Ein alter Freund, der auch allein lebt, hat mich zu sich nach nach Camburg eingeladen.“

Wenn Sie Rolf Juffa aus Manebach unterstützen möchten: Das gemeinnützige Hilfswerk von Freies Wort, Südthüringer Zeitung und Meininger Tageblatt, „Freies Wort hilft“, nimmt Spenden entgegen und gibt diese 1:1 weiter.

Freies Wort hilft e.V.

IBAN: DE39 84050000 1705 017 017

Verwendungszweck: Manebach.

 

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