Wer diesen Dichter verstehen will, der muss eine andere Revolution als die des Jahres 1789 erinnern, während der "Der Auftrag" spielt. Auf dem Höhepunkt dieser Revolution, es war der 4. November 1989, da sprachen viele Intellektuelle auf dem Berliner Alexanderplatz darüber, wie sie sich die Zukunft dachten. Heiner Müller, einer der bedeutendsten damals lebenden Dichter deutscher Sprache hatte nichts zum Sagen. Da drückten ihn ein paar junge Leute ein Manuskript in die Hand, das handelte von freien Gewerkschaften, und der bedeutende Dichter trug es vor: Er hatte keine Entwürfe und Visionen für eine gestaltende Vernunft, er hatte nur Bilder und Sprache für die Brutalität des Chaos.
Feuilleton Was vom Dichter bleibt
Henryk Goldberg 09.01.2019 - 11:42 Uhr