Nicht über dubiose Internet-Kanäle, sondern von der Apotheke - nach Einreichen eines Rezepts. Das erfuhren die Zuschauer durch die Doku "Gefährliche Medikamente", die im Anschluss an den Film von Daniel Harrich lief. Der beschäftigte sich - hierzulande ist die Gefahr, Geschäftemachern zum Opfer zu fallen, vergleichsweise gering - eher mit den weltweiten Verflechtungen einer Branche, deren Lobbyvertreter es bis in die Interpol-Abteilung geschafft haben, die gegen die schwarzen Schafe in ihren Reihen ermittelt.
Im Film war das der interessanteste Teil: Die Gegenspielerinnen Julia Koschitz als mädchenhaft-toughe Ermittlerin Juliette Pribeau und Maria Furtwängler als schier unbezwingbare Professorin für Angewandte Medizin - die Lobbyistin - Vera Edwards. Pribeau verfolgt die Spuren der Fake-Medikamente rings um den Globus, Edwards zieht im Hintergrund Fäden. Beide arbeiten sich so in die höchsten Positionen hoch, Harrich lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass die Pharma-Industrie stets die Nase vorn haben wird. Der zweite Erzählstrang wirkt eher melodramatisch: Günther Kompalla (kaum wiederzuerkennen: Heiner Lauterbach) wird durch eine Krebsdiagnose und die selbstlos im Slum von Mumbai als Ärztin arbeitende Tochter Katrin geläutert. Der skrupellose Pharma-Chef realisiert, dass die Menschen in Indien an gefälschten Produkten sterben und gibt Pribeau entscheidende Tipps, bevor er stirbt. Hier hätte man ausdünnen können. Oder einen Mehrteiler aus dem Stoff machen.