Wenn Friedrich Nietzsche in der DDR "auch nur einen Millimeter an Boden" gewönne, "könnten wir in Weimar auch gleich die Büsten Mussolinis und Hitlers neben der Nietzsche-Büste aufstellen". Mit diesen Worten warnte 1987 der Philosoph und Wissenschaftler Wolfgang Harich in einem wütenden Brief an den Schriftsteller Stephan Hermlin davor, die "Nietzsche-Renaissance", die er im Westen sah, in der DDR zu übernehmen. Hermlin plädierte für eine differenzierte Sicht auf den umstrittenen Philosophen (1844-1900), den Harich für den "eigentlichen Begründer faschistischer Ideologie" hielt. Er sei "für immer aus dem geistigen Leben der DDR und der übrigen sozialistischen Länder zu verbannen".