Jazztage und ihre anverwandten Disziplinen können dahin führen, dass man sein Weltbild grundhaft korrigieren muss. Zur Samstagvormittag-Matinee im stilvollen Villen-Ambiente der Sonneberger Musikschule war es mal wieder soweit. Schuld daran ist ein gewisser Ernst Jandl (1925-2000): Wortgewitzter österreichischer Dichtersohn, der mit der Sprache spielen und jonglieren konnte wie die Jazzer auf ihren Instrumenten. Selbigen war er zu Lebzeiten auf das Allerengste verbunden. Jandl's "experimentelle Lyrik" jedenfalls brachte Politik und Gesellschaft zuweilen in Erklärungsnot und unisono auf die Palme. Denn: "Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum!" So in der Art ging das durchs 20. Jahrhundert.