Zumindest in Sonntagsreden besitzt Toleranz hohen Stellenwert. Kaum jemand wird sich damit brüsten, ein intoleranter Mensch zu sein. In einer ARD-Umfrage aus dem Jahr 2014 war zwar nur eine knappe Mehrheit (55 Prozent) überzeugt, die deutsche Gesellschaft insgesamt sei tolerant, von sich selbst aber behaupteten das neun von zehn Befragten. In einer vernetzten, enger zusammenwachsenden Welt, in einer freiheitlichen Gesellschaft zumal, in der Verschiedenheit offen gelebt und artikuliert werden kann, ist Toleranz so etwas wie eine Universaltugend. "Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt." So steht es in einer Erklärung der Unesco aus dem Jahr 1995.