Innenminister Thomas de Maizière hat den Begriff der Leitkultur wieder aus der Mottenkiste gekramt. Mit einer Auflistung der "ungeschriebenen Regeln unseres Zusammenlebens", sagt er, wolle er einen Dialog anstoßen und die Toleranz stärken. Vor allem will er wohl mögliche AfD-Wähler zurück in den Schoß der Union holen. Bisher jedenfalls wurden mit Propagierung einer deutschen Leitkultur noch stets eher Gräben aufgerissen als zugeschüttet. Die zehn Thesen, die de Maizière aufgeschrieben hat, sind zudem oft nur Plattitüden: "Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns die Hand zur Begrüßung." Tun wir das? Sich von Muskelprotzen die Pfote quetschen zu lassen, ist auch unter Deutschen nicht jedermanns Sache. Die Schickeria zelebriert ohnehin lieber Wangenküsschen. Einfach als lächerlich abtun, kann man de Maizières Vorstoß dennoch nicht. Es ist ja richtig: Wenn ein arabischer Vater der Lehrerin seines Sohnes nicht die Hand geben will, hat das nicht unbedingt mit fremder Sitte zu tun. Dahinter steckt womöglich das Unvermögen des muslimischen Patriarchen, eine Frau als Autoritätsperson zu akzeptieren.