Für den großen Bühnenzauber ist diese Geschichte eigentlich zu ernst. Eine Dosis davon gönnt Regisseur Ansgar Haag seinem Publikum aber. Für das Wolgaufer, das Dieter Richter in voller Schilf-, Wasser- und Horizont-Pracht ausstaffiert hat, und das nach der Pause durch keine Hauswand mehr verstellt ist, gibt es sogar einen Szenenapplaus. Opulenz ist In. Und auch, wer angesichts der plätschernden Uferwellen und des aus dem Schnürboden schüttenden Regens darauf wettet, dass Katja am Ende wirklich ins Wasser geht und klitschnass wieder rausgezogen wird, der gewinnt. Aber diese naturalistischen Zugaben zur stimmig Milieu assoziierenden Optik wirken in beiden Fällen nicht aufgesetzt, sondern passen.
Feuilleton Die Wolga ist tief und Moskau weit
Von Roberto Becker 20.10.2014 - 00:00 Uhr