Feuerwehr-Grenztour Das Atemschutzgerät ist der Staffelstab

Kurt Lautensack

Ein Team von 18 Feuerwehrleuten aus ganz Deutschland läuft über 1200 Kilometer in voller Ausrüstung für einen guten Zweck – die Deutsche Krebshilfe.

Am und im Ummerstädter Feuerwehrgerätehaus herrscht bei den Feuerwehrleuten und ihren Helfern emsiges Treiben. Während draußen Tische und Bänke bereits aufgestellt sind, der Getränkewagen für den Ausschank bereit ist und der Rost schon glüht, bereiten sich die Ummerstädter Feuerwehrleute und ihr Stadtbrandmeister Florian Lorz im neu erweiterten Feuerwehrgerätehaus auf die Aufnahme der Grenztour-Läufer vor. Sie sind unterwegs – auf der zweiten von zehn Etappen der Feuerwehr-Grenztour entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze – vom oberfränkischen Tettau nach Ummerstadt. Und das aus gutem Grund. Denn so wie sie sich bei ihrer Arbeit als Feuerwehrleute der Rettung von Leben verschrieben haben, so wollen sie mit ihrer Tour Spenden für die Deutsche Krebshilfe sammeln.

Am vergangenen Sonntag gegen 14.30 Uhr ist es dann soweit und der erste Trupp des 18–köpfigen Teams kommt mit Fahrzeugen am Feuerwehrgerätehaus an. Gut gelaunt steigen die ersten sechs Läufer und ihre Begleitung aus und fühlen sich sofort freundschaftlich empfangen. Da gibt es keinerlei Berührungsängste und ein vertrauliches „Du“ wird angeschlagen. „Wir Feuerwehrleute, ob als Berufs- oder Freiwillige Feuerwehr“, davon ist das gesamte Tourteam überzeugt, „sehen uns als eine Gemeinschaft, die für Zusammenhalt und Teamgefühl steht“. Die Tischreihen zwischen Feuerwehrgerätehaus und Brauhaus haben sich wenig später mit Ummerstädtern gut gefüllt. „Unser 18-köpfiges Team besteht aus zwölf Läufern, drei Fahrradfahrern und drei Unterstützern“, erklärt Läufer Johannes Runte von der Berufsfeuerwehr Paderborn. Jeweils sechs Läufer bilden einen Trupp, gewissermaßen die Frühschicht und die Spätschicht. Die gerade Angekommenen hatten früh um 4 Uhr ihren ersten Läufer in Tettau im bayrischen Landkreis Kronach auf die Strecke geschickt, wohlgemerkt im Laufschritt, so wie man es von den Kameraden auch bei Einsätzen kennt. Und das in kompletter Feuerwehr-Schutzausrüstung mit dem Helm auf den Kopf und dem Atemschutzgerät auf dem Rücken. Diese Last nehmen sie gerne auf dem Weg auf sich, fühlen sie sich doch symbolisch mit den Krebspatienten verbunden, die mit vielen Tiefen zu kämpfen haben und sich über Höhen freuen.

„Nach etwa fünf bis sechs Kilometern auf dem ehemaligen Plattenweg, je nach Streckenprofil auch weniger, erfolgt der Läuferwechsel“ erklärt Guido Hartmann. Dabei wechselt das Atemschutzgerät, das gewissermaßen den Staffelstab darstellt, von einem Rücken zum nächsten, weiß Fabian Böttcher. Da sich jeweils sechs Läufer die erste Hälfte der etwa 120 Kilometer teilen, sei jeder Läufer mindestens zwei Mal dran. „Gestern bin ich drei Mal und heute zwei Mal eine Strecke gelaufen“, erzählt Feuerwehrsportler Fabian Böttcher. Denn die teilnehmenden Feuerwehrmänner, ganz gleich aus welchem Bundesland oder welcher Stadt sie kommen, betreiben Feuerwehrsport. Denn eine solche Tour stellt hohe Anforderungen an jeden einzelnen, da gehört gute körperliche Konstitution, aber auch Willenskraft dazu. Dass sie von ihrer Sache überzeugt sind, erübrigt sich fast zu sagen. Und dass sie dafür einen Teil ihres Jahresurlaubs nehmen, ist für sie fast selbstverständlich – das erwähnen sie nur auf Nachfrage.

Begleitet werden die Läufer von einem Fahrradfahrer, denn kein Läufer wird auf der Strecke allein gelassen. Natürlich besteht auch Funkkontakt und auf dem Handy kann die Position stets eingesehen werden, sodass Sicherheit garantiert ist. Für den Radfahrer auch keine einfache Sache, erklärt Josef Sonntag, der mit seinem Trekking-E-Bike die Läufer begleitet und sie mit Flüssigkeit versorgt. Denn ständig auf dem Plattenweg zu fahren, bedarf auch die volle Aufmerksamkeit, um nicht in die Betonspalten oder in manchmal tiefe Rinnen zwischen den Gitterplatten zu geraten.

Aufs Team kommt’s an

„Ganz wichtig für unsere Tour sind vor allem die Unterstützer“, erklärte Guido Hartmann im Gespräch. Sie sorgen als Fahrer für den Transport der Läufer zu den Wechselpunkten oder machen die Wege-Vorplanung. Kurz, sie kümmern sich um den gesamten Verlauf. „Wichtigster Unterstützer“, so Hartmann, „ist unser Kevin Hüfner.“ Der Mann aus der Nähe von Frankfurt am Main ist Fahrer, Webmaster und Navigator. Sein Vater Holger Hüfner ist Hauptplaner und Initiator der Feuerwehrtour, hat diese 2016 aus der Taufe gehoben. Am Sonntagnachmittag ist Holger Hüfner – unter anderem mit dem Eisfelder Frank Schneider – noch mit der „Spätschicht“ unterwegs , zu diesem Zeitpunkt irgendwo zwischen Eisfeld und Ummerstadt. Früher sei die Tour von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen verlaufen. Auslöser sei die Krebserkrankung eines Bekannten im Feuerwehr-Sport gewesen.

Die Jubiläumstour zum Fünfjährigen sollte einen anderen Streckenverlauf bekommen, erklärt Kevin Hüfner. Es gab den Vorschlag einer Grenztour, zu der die Planungen 2020 auf vollen Touren liefen. Doch die Pandemie machte 2021 einen Strich durch die Rechnung und so begannen die Vorbereitungen von Neuem, da es zwischenzeitlich auch Veränderungen gab, zum Beispiel bei den Läufern. Doch das Interesse, an der Grenze zu laufen, bestand nach wie vor, ebenso wie die Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren, zu unterstützen.

Das Team hat Freude an der laufenden Tour, auf der es viel zu sehen und zu erleben gibt. Ob es die Eindrücke an der Strecke sind, die vielen Begegnungen und Gespräche in den Tagesstationen oder der Gedanke des Zusammenseins und des Zusammenhaltens.

Das galt auch für die Ummerstädter Feuerwehr. „Bereits bei der ersten Anfrage stand für uns eine solche Unterstützung fest“, meint Florian Lorz. Sie hatten sich gut auf dieses Zusammentreffen vorbereitet, unter anderem für Versorgung und Übernachtung gesorgt. Feuerwehr und Brauverein, aber auch Privatleute haben das Vorhaben unterstützt. Und das Wichtigste: Bei der Aktion sei in Ummerstadt ein Betrag von 1100 Euro für die Deutsche Krebshilfe zusammengekommen, wie Florian Lorz im Nachhinein mitteilte.

Auch am Montag startete die Frühschicht der Läufer in Ummerstadt um 4 Uhr. Freies Wort triff das Läufer-Radfahrer-Duo Johannes Runte und Josef Sonntag auf dem Grenzweg am Infopunkt zwischen Schlechtsart und Trappstadt und am Wechselpunkt der Läufer, wo die ehemalige Grenze die Straße zwischen Linden und Trappstadt quert. Dort warten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ermershausen und das „Frühschicht-Team“ mit Holger Hüfner und Frank Schneider aus Eisfeld. Dieser war bereits den zweiten Abschnitt über 6,5 Kilometer gelaufen (Wechsel bei Gompertshausen) und ein weiterer Einsatz wartet am Montag noch auf ihn, bevor der Trupp am Abend im hessischen Simmershausen (Ortsteil von Hilders) ankommt.

Johannes Runte gibt sein Atemschutzgerät weiter an Stefan Becker, die Übergabe dauert kaum zwei Minuten. Gerade Zeit, um schnell ein paar Fotos zu machen und schon geht es im Laufschritt weiter. Durch die zum Teil hohen Temperaturen, besonders in den Mittags- und Nachmittagsstunden, berichtet Holger Hüfner, seien die Läufer extrem belastet, sodass die Radfahrer die Läufer ab und zu mit einer Flasche Wasser kühlen. Das Streckenprofil bringe natürlich auch mit sich, dass bei höheren Temperaturen etwas langsamer gelaufen werde, gerade bei großen Steigungen. So müsse bei den 125 Kilometern wohl eine Stunde mehr eingerechnet werden als geplant. Doch der Tour und den froh gelaunten Läufern schade dies keinesfalls. So kann man allen nur bis zum Ende in Lübeck Durchhaltevermögen, gute Begegnungen und viel Erfolg wünschen.

 

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