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 Quelle: Unbekannt

Wenn es in der Wade zwickt, das Ohr sticht oder es im Kniegelenk pocht, suchen 80 Prozent der Patienten Rat im Internet.

Montagmorgen und die Wartezimmer in Deutschland sind voll. Die meisten Patienten, die hier sitzen, haben ihre Symptome bereits gegoogelt, bevor der Arzt überhaupt dazu kommt, eine Diagnose zu stellen. Längst ist das Internet zur ersten Anlaufstelle in Sachen Krankheit geworden. Laut Ärzte-Zeitung holen sich 80 Prozent der Erkrankten Rat im Netz. Die Mediziner sind davon wenig begeistert. Denn neben ganz individuellen Leidensgeschichten findet sich im Word Wide Web auch jede Menge gefährliches Halbwissen und das kann erst richtig krank machen.

Nocebo heißt der Effekt, der das Gegenteil von Placebo ist und übersetzt "ich werde schaden" heißt. Er drückt das aus, was viele schon beim Lesen von Beipackzetteln der Medikamente empfinden. Nämlich dass es einem schlechter geht als vorher. Denn tatsächlich sind es meist unheilbare Krankheiten oder Krebs, die Suchmaschinen den Netznutzern auf ihre Anfragen hin präsentieren.

Gesundheitsexperten raten daher, genau zu schauen, wo man seine Informationen herbekommt. Schon ein Blick auf das Datum der Veröffentlichung kann helfen, sich nicht von längst überholten Studien verunsichern zu lassen. Auch der Betreiber der Internetseite ist wichtig. Nicht selten bieten Pharmafirmen Online-Portale an, auf denen dann auch eigene Medikamente angepriesen werden. Und wenn Dr. Google schon vor dem Arztbesuch zurate gezogen werden muss, dann sollten es unbedingt mehrere Quellen sein, bei denen man sich informiert.

Positive Beispiele für die Krankheits-Recherche im Netz gibt es allerdings auch. So werteten Microsoft-Forscher vor einigen Jahren für eine Studie die anonymen Nutzerdaten der Suchmaschine Bing aus. Dabei stellten sie einen direkten Zusammenhang zwischen den Stichworten juckende Haut, Gewichtsverlust, heller Stuhl und gelbverfärbte Augen sowie Haut und der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs fest. In bis zu 15 Prozent der Fälle hatten jene Nutzer, die die genannten Begriffe suchten, einige Monate später "Ich bin an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt" bei Bing eingegeben.

Die Forscher wollten damit zeigen, was in Zukunft mit der Analyse von nutzerbezogenen Daten alles möglich ist. Zum Beispiel ein Frühwarnsystem, das Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko per Mail ermutigt, zum Arzt zu gehen.

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